Die Zukunft Äthiopiens ist weiblich!

Menschen für Menschen zum Weltfrauentag

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Wien/Addis Abeba – 6. März 2015 – Umgerechnet 3,30 Euro verdient Darartu Abera pro Woche mit dem Verkauf von Getränken, die sie selbst aus Sorghumhirse herstellt. Nebenbei fertigt die sechsfache Mutter Flechtkörbe, doch ihr Einkommen reicht nicht aus, um die Familie zu versorgen. Darartu ist Witwe, ihr Mann ist vor etwa zwei Jahren gestorben. Seither kümmert sie sich alleine um den Erhalt ihrer Familie: Ihre vier jüngeren Kinder leben noch zuhause und auch die kleine Enkeltochter will versorgt werden. Frauen wie Darartu haben es in Äthiopien besonders schwer. Verwitwet oder geschieden verfügen sie meist über zu wenig Land, um zumindest für den Selbstbedarf Getreide anzubauen. Genau solchen Frauen will Menschen für Menschen mit unterschiedlichen Aktivitäten die Chance auf eine bessere Zukunft geben.

 

Stich um Stich in eine bessere Zukunft

„Ich habe vor dem Nähkurs schon Flickarbeiten erledigt“, erzählt Genet Tolera. „Allerdings musste ich mir dafür oft eine Maschine ausleihen. Von meinem Verdienst ist mir dann nicht viel geblieben.“ Das sollte sich nach dem Nähkurs, den Menschen für Menschen Frauen wie Genet anbietet, ändern. Denn beim Kurs lernen die Frauen nicht nur bessere Näh- oder neue Verzierungstechniken kennen, sie haben nach dem Kurs auch die Möglichkeit, die fußbetriebene Nähmaschine zu einem gestützten Preis zu kaufen: „Die Frauen erhalten täglich 50 Birr (ca. 2 Euro), da sie während des Kurses kein Einkommen erwirtschaften können  und um ihre Extrakosten durch den Aufenthalt im Hauptort zu decken. Nur dadurch können sie sich die Teilnahme am Kurs überhaupt leisten“, erklärt Kidist Abere, die in den Projektregionen Abune Ginde Beret und Ginde Beret sämtliche Projekte zur Frauenförderung koordiniert. „In der Regel legen die Teilnehmerinnen etwas davon zur Seite, um sich am Ende des Kurses die eigene Nähmaschine zu kaufen.“

Nähkurse wie diese richten sich gezielt an Frauen, die schon Erfahrung mitbringen und auch die nötige Motivation, wie Kidist erzählt: „Nur mit persönlichem Einsatz können diese Frauen ihr Leben verbessern. Der Kurs richtet sich aber auch ganz gezielt an besonders arme Frauen, die sonst keine Möglichkeit haben etwas zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.“

 

Ein Kleinkredit als Neuanfang

Auch Kleinkreditprogramme haben zum Ziel, Frauen die Möglichkeit zu bieten selbstständig ein Einkommen zu erwirtschaften. Bevor Alemi Dasa am Kreditprogramm von Menschen für Menschen teilgenommen hat war sie Hausfrau. Ihren Eltern war Bildung für die Tochter nicht wichtig und so wurde sie schon früh zur Heirat freigegeben. Die Schule besuchte sie nur bis zur vierten Klasse. Doch Alemi hat sich nicht aufhalten lassen. Als sie die Gelegenheit hatte, am Kreditprogramm teilzunehmen, hat sie ihre Chance erkannt. Heute ist sie eine erfolgreiche Frau, Mitglied einer Kreditgemeinschaft und sogar im Vergabeausschuss. „Früher waren wir ausschließlich auf unsere Ernte angewiesen, wir hatten gerade mal einen Hektar Land, der Ertrag reichte hinten und vorne nicht aus. Mit dem Kredit habe ich ein kleines Geschäft eröffnet, jetzt kann ich zum Familieneinkommen beitragen, unabhängig von unserer Ernte.“ Alemis Geschäft ist so erfolgreich, dass sich die tüchtige Frau nun ein eigenes kleines Haus, traditionell aus Lehm, baut. Ein neues Zuhause, wo sie künftig ihren Gästen Kaffee, Tee und kleine Speisen anbieten wird.

 

Frauenförderung von Menschen für Menschen

Um die Entwicklung in ganzen Regionen voranzutreiben, gilt es insbesondere die soziale Stellung der Frauen zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, unabhängig zum Familieneinkommen beitragen zu können. Dazu müssen aber zunächst wichtige Grundlagen geschaffen werden, denn der Alltag von Frauen und Mädchen ist von mühsamen Aufgaben geprägt. Täglich verbringen sie viele Stunden mit Wasserholen und dem Sammeln von Brennholz. Das kostet viel Zeit, die sie aber für den Schulbesuch oder Weiterbildungskurse benötigen würden. Deshalb ist es wichtig, zunächst Maßnahmen umzusetzen, um Frauen in ihrem täglichen Leben zu unterstützen. So tragen beispielsweise der Bau von Brunnen und Quellfassungen oder ein holzsparender Ofen bereits maßgeblich dazu bei, dass der Alltag der Frauen erleichtert wird und sie weitere Angebote wahrnehmen können.

 

Bildmaterial:

Bild: Menschen für Menschen

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„Den Nähkurs mache ich, um meine Kinder in Zukunft ordentlich ernähren zu können und im Haus einiges zu verändern.“ Genet Tolera, Nähkursteilnehmerin im Menschen für Menschen-Projektgebiet Abune Ginde Beret.

Bild von Genet in Druckqualität downloaden

 

Kontakt:
Verein Menschen für Menschen
Capistrangasse 8/10, 1060 Wien, Austria
Martina Hollauf, E-Mail: m.hollauf@mfm.at
Tel.: +43 (0)1 58 66 950-16
Mobil: +43 (0)664 184 33 22

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