Äthiopien: „Hilfe vor Ort“ darf niemanden zurücklassen

Menschen für Menschen betont die Bedeutung von durchdachten Entwicklungskonzepten, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Punktuelle Einzelmaßnahmen und wirtschaftliche Kooperationen sind zu wenig.

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Bildnachweis: Menschen für Menschen/Naod Lemma
 
Wien, 05.12.2018 – Im Mittelpunkt der morgigen Äthiopienreise von Bundeskanzler Sebastian Kurz, die in Vorbereitung zum kommenden Forum Afrika-Europa stattfindet, stehen wirtschaftliche Kooperationen sowie die „Hilfe vor Ort“. Die Hilfsorganisation Menschen für Menschen leistet seit 37 Jahren „Hilfe vor Ort“ und ist Experte für die Herausforderungen im ländlichen Äthiopien. Der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung liegt insbesondere darin, Maßnahmen in den ländlichen Regionen zu setzen. Hierfür sind durchdachte Gesamtkonzepte notwendig, denn mit singulären Maßnahmen lassen sich die komplexen Herausforderungen nicht lösen.
 

Menschen für Menschen: „Niemanden zurücklassen!“

„Selbstverständlich profitiert ein Land wie Äthiopien von Investitionen und der Stärkung wirtschaftlicher Kooperationen. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass nach wie vor der überwiegende Großteil der Äthiopierinnen und Äthiopier in ländlichen Regionen lebt und dort als Kleinstbauern ein Auskommen für sich und ihre Familien finden muss“, so Rupert Weber, Vorstand der Organisation Menschen für Menschen, die seit 1981 „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Land leistet. „Um also niemanden zurück zu lassen und tatsächlich nachhaltige Entwicklung anzustoßen, bedarf es der wirtschaftlichen Stärkung der ländlichen Regionen. Zusätzlich müssen der Jugend praxisorientierte Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Nur durch das Zusammenspiel dieser und weiterer Maßnahmen lässt sich verhindern, dass sich die Abwanderung in die Städte weiter verstärkt, wo jetzt schon viele und vor allem junge Menschen ohne Perspektive gestrandet sind.“
 

Zukunftschancen für Jugendliche

Rund die Hälfte der Bevölkerung Äthiopiens ist jünger als 18 Jahre. Zugleich mangelt es im Land an gut ausgebildeten Fachkräften. Deshalb ist es für die Zukunft des Landes bedeutend, praxisorientierte Bildungsmöglichkeiten auszubauen. Denn die junge Generation wird, auch wenn sie es wollte, nicht mehr allein von der Landwirtschaft leben können. Die jahrzehntelange Abholzung und damit einhergehende Erosion haben viele Landstriche unbrauchbar für den Anbau gemacht. Hinzu kommt die große Kinderzahl, die über die Jahre zu einer Fragmentierung der Felder geführt hat, die bisher die Lebensgrundlage der Menschen darstellten. Deshalb hat Menschen für Menschen mit dem Aufbau von Kooperativen begonnen, die gezielt junge Männer und Frauen einbinden.
 
„Durch den Aufbau von Kooperativen verbleibt die Wertschöpfungskette in der Region“, erklärt Rupert Weber das Prinzip der Kooperativen. „Die ersten Kooperativen in unseren Projektregionen produzieren zum Beispiel Honig und kümmern sich auch gleich um die Verarbeitung und um den Aufbau von Vertriebswegen und die Vermarktung. Statt den Honig also einfach an Großhändler zu verkaufen, die diesen zur Verarbeitung in die Hauptstadt liefern würden, profitieren die ländlichen Gemeinden vom Aufbau von Wirtschaftszweigen und der Schaffung von Arbeitsplätzen.“

Auch bei anderen Maßnahmen zeigt sich, dass der Ansatz von Menschen für Menschen langfristig Wirkung zeigt – über die Initialzündung hinaus: „Durch Mikrokreditprogramme werden Frauen gezielt gefördert, um ein erstes eigenes Einkommen zu erwirtschaften oder ein Geschäft aufzubauen. So kann sich zum Beispiel eine Schneiderin einen Laden mieten oder eine elektrische Nähmaschine kaufen und dadurch mehr Aufträge annehmen. Sie stellt nach einiger Zeit die erste Nähhilfe an und nach und nach steigert sich so die Wirtschaftsleistung der ganzen Region“, erklärt Rupert Weber die Wirkung der Arbeit von Menschen für Menschen in Äthiopien.
 

1 Spendeneuro = 27 Euro gesellschaftlicher Wert

Welchen Wert die gezielte Frauenförderung für die Gesellschaft im Ganzen hat, untersuchte das NPO & SE-Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien im Jahr 2015. Die Studie zum „Social Return On Investment“, also zur Sozialrendite der Maßnahmen, wurde in einer Teilregion des Projektgebiets Ginde Beret durchgeführt, wo Menschen für Menschen seit 2011 aktiv ist. Mit dem Ergebnis, dass jeder Euro, der in die Frauenprojekte investiert wurde, einen gesamtgesellschaftlichen Gegenwert von 27 Euro in der Region erzeugt.
 

Nachhaltige Entwicklung statt punktueller Einzelmaßnahmen

In Ländern wie Äthiopien nehmen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) eine wichtige Rolle ein. Wie Menschen für Menschen arbeiten sie Hand in Hand mit lokalen Behörden an der regionalen Entwicklung ländlicher Regionen. Dies bedarf allerdings langfristig angelegter Projekte anstelle von punktuellen Einzelmaßnahmen, wie auch Rupert Weber betont: „Es reicht nicht, da mal einen Brunnen zu graben oder dort mal eine Schule zu bauen. Um Regionen nachhaltig wirtschaftlich zu stärken, muss eine Vielzahl an Maßnahmen umgesetzt werden. Und diese Maßnahmen müssen auch untereinander abgestimmt sein.“ Dass dieser Ansatz Früchte trägt, hat Menschen für Menschen in mittlerweile neun Projektregionen bewiesen, wo die Projektarbeit bereits abgeschlossen werden konnte. „In zwei der abgeschlossenen Projektregionen haben wir fünf Jahre nach Abschluss eine erneute Evaluierung durchführen lassen.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirkung der Arbeit von Menschen für Menschen weiterhin anhält und die Maßnahmen eine langfristige Entwicklung der Regionen angestoßen haben“, erläutert Rupert Weber die Quintessenz der Evaluierungen, die von der Wirtschaftsuniversität Wien beziehungsweise vom Beratungsunternehmen FAKT durchgeführt wurden.

 

Bildmaterial:

Bauer mit Kühen auf Landstraße in Äthiopien
80% der Menschen Äthiopiens leben in ländlichen Regionen, wo sie hauptsächlich als Kleinstbauern ein Auskommen finden müssen. „Nachhaltige Entwicklung ist daher nur dann möglich, wenn auch diese Menschen von den Entwicklungskonzepten profitieren“, so Rupert Weber von Menschen für Menschen zur „Hilfe vor Ort“.

 
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Bildnachweis: Menschen für Menschen

Kontakt:
Verein Menschen für Menschen
Capistrangasse 8/10, 1060 Wien, Österreich
Martina Hollauf, E-Mail: m.hollauf@mfm.at
Tel.: +43 (0)1 58 66 950-16
Mobil: +43 (0)664 184 33 22

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