Diskussionsabend von Menschen für Menschen zum Thema „Frauenförderung“

Ist Entwicklung weiblich?

  • Frauenprojekte erzielen eine enorme gesellschaftliche Wirkung und ermöglichen positive Veränderungen in der Gesellschaft.
  • Nachhaltige Entwicklung ist nur durch entsprechende Frauenförderung möglich.
  • Differenzierte Berichterstattung über Afrika und die positiven Entwicklungen vor Ort notwendig.
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Wien, 27. September 2016 – Auf Einladung von Menschen für Menschen diskutierten ORF Journalistin Margit Maximilian, Wissenschaftlerin Olivia Rauscher und Rupert Weber, geschäftsführender Vorstand der Organisation, über die Relevanz von Frauenprojekten und deren Bedeutung für die nachhaltige Entwicklung afrikanischer Länder. Unter der Moderation von Menschen für Menschen Botschafterin Sara Nuru, die selbst Äthiopierin ist, wurde das Thema sowohl von der wissenschaftlichen Seite als auch vom persönlichen Erfahrungshintergrund der Teilnehmer beleuchtet.

Frauenprojekte erzielen eine enorme Wirkung

Einig zeigten sich die Diskutanten, dass Frauenprojekte eine starke Veränderung bewirken, die letztendlich auch der Familie und der Gesellschaft als Ganzes zu Gute kommen. Sara Nuru erzählte die Geschichte dreier Generationen von Frauen einer Familie, deren Leben sich durch Frauenförderung stark verändert hat. Durfte die Großmutter nicht einmal das Haus verlassen, ist es der Enkeltochter heute möglich in die Schule zu gehen und von einer Karriere als Ärztin zu träumen.

Auch Rupert Weber, geschäftsführender Vorstand, von Menschen für Menschen, bestätigte wie rasch es zu positiven Veränderungen kommt. „Ich bemerke oft wie sehr die Frauen dank dieser Projekte aufblühen und aus schüchternen zurückhaltenden Damen plötzlich selbstbewusste Frauen werden, die aktiv für ihre Interessen in einer Gemeinde eintreten. Auch die Männer sehen diese Entwicklung positiv. Für sie ist es wichtig, dass sie nicht mehr alleine die Hauptlast für die Ernährung ihrer Familie tragen. Daher werden die Frauen auch sehr von ihren Männern unterstützt, zum Beispiel wenn sie mit Hilfe eines Mikrokredites ein kleines Geschäft aufmachen. Mehr Einkommen entlastet die gesamte Familie und kommt allen zu Gute.“

Social Return on Investment von Frauenprojekten

Die Wissenschaftlerin Olivia Rauscher konnte die Bedeutung und vielfältigen Wirkungen von Frauenprojekten nur bestätigen. Sie hat sich im Rahmen ihrer Forschungsarbeit am Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien auf wissenschaftlicher Basis mit der Frage beschäftigt, welche Wirkung Frauenprojekte erzielen. Dafür wurden Frauenprojekte der Hilfsorganisation Menschen für Menschen auf ihre gesellschaftliche und ökonomische Wirksamkeit untersucht. Durchgeführt wurde diese „Social Return On Investment“-Analyse (SROI-Analyse) im Washa Catchment, einem Teilgebiet der Projektregion Ginde Beret in dem rund 10.000 Menschen leben. Die Wirkung von Frauenprojekten wurde dabei über einen Zeitraum von drei Jahren evaluiert. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass das Frauenprogramm höchst wirkungsvoll ist: Die Summe der finanziell bewerteten Wirkungen entspricht dem rund 27-fachen Wert der getätigten finanziellen Investitionen. Das heißt: Jeder Spenden-Euro, der in das Frauenprogramm von Menschen für Menschen geflossen ist, bringt der Gesellschaft einen Social Return on Investment im Wert von 26,60 Euro. „Der Wert ist ausgesprochen  hoch“, so  die Studienleiterin des NPO & SE Kompetenzzentrums der WU Wien Olivia Rauscher. „Die Studie zeigt ganz deutlich, welch hohe positive Wirkungen durch das Frauenprogramm von Menschen für Menschen in dieser Region erzielt wurden. Nicht nur für die Frauen selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft vor Ort.“

Differenzierte Betrachtungsweisen notwendig

Die Afrika-Expertin und ORF Journalistin Margit Maximilian lenkte die Aufmerksamkeit vor allem darauf, dass es einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land in den meisten afrikanischen Ländern gibt. Frauenförderung, wie sie von Hilfsorganisationen meist verstanden und umgesetzt wird, würde hauptsächlich auf den ländlichen Raum zutreffen: „Es gibt sehr wohl auch moderne afrikanische Frauen in den Städten, die nichts mit dem hier bekannten Bild gemeinsam haben. Daher ist generell eine differenzierte Berichterstattung über Afrika und über die positiven Entwicklungen vor Ort notwendig.“ Im Rahmen ihrer Recherchen für ihr Buch „Woza Sisi“ habe sie sehr beeindruckende Frauen getroffen. Nicht alle Geschichten seien positive Lebensgeschichten, dennoch sollten sie anderen Mut zu machen, da Frauenförderung von Interesse für alle ist. „Natürlich müssen wir den Kampf der Frauenförderung auf allen Ebenen kämpfen. Dieser Kampf sieht in Äthiopien selbstverständlich anders aus als hier in Europa.“

Ausblick in die Zukunft

Wie sich die Länder Afrikas in Zukunft entwickeln, hat nicht zuletzt auch Auswirkungen auf uns in Europa. Die Rolle der Frau spielt hierbei eine wichtige Rolle. Denn die Frauen von heute sind die „Rollenmodelle“ der Frauen von morgen. Wie die persönlichen Eindrücke der Diskutanten und wissenschaftliche Untersuchungen, wie jene zum „Social Return On Investment“, zeigen, spielt Frauenförderung eine bedeutende Rolle in der Entwicklung eines ganzen Dorfes. Deshalb ist die gezielte Förderung und Unterstützung von Frauen bedeutend, um den Menschen in armen Regionen wie Äthiopien eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen.

Nachhaltige Projekte gegen Armut

In einem Gaststatement lobte Botschafter Peter Launsky, die Projektarbeit von Menschen für Menschen für Ihre Nachhaltigkeit. Er habe im Rahmen seines Besuches gemeinsam mit Außenminister Kurz Anfang des Jahres einen sehr guten Eindruck gewonnen. Peter Launsky betonte wie wichtig gerade nachhaltige Projekte seien um künftig Flucht und Migration entgegenzuwirken.

 

Mehr Informationen über die Organisation und die Arbeit in Äthiopien: www.mfm.at

 

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Fotonachweis: HAGENpress

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v.l.n.r.: Peter Launsky, Margit Maximilian, Sara Nuru, Olivia Rauscher, Rupert Weber

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Tel.: +43 (0)1 58 66 950-16
Mobil: +43 (0)664/184 33 22

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