Aus kleinen Setzlingen wächst Zukunft

Wo Gemeinschaft Wurzeln schlägt

Stilistische Darstellung eines Baumes auf einem grünem Hintergrund
Die Geschichte eines Baumes beginnt lange bevor er Schatten spendet oder Früchte trägt. Sie beginnt in einer Baumschule und mit Menschen, die bereit sind, etwas zu pflanzen, dessen Ernte sie vielleicht erst Jahre später sehen.
Am Morgen liegt noch Feuchtigkeit auf den Blättern. In langen Reihen stehen die jungen Pflanzen in der Baumschule von Felana Meda von Menschen für Menschen. Manche sind kaum größer als eine Hand, andere haben bereits kräftige Stängel und ausladende Blätter.

450.000 Baumsetzlinge für Aufforstung sollen in diesem Jahr von hier aus ihren Weg in die Landschaft von Albuko antreten. Dazu kommen mehr als 40.000 Kaffeesetzlinge und über 7.000 Obstbaumsetzlinge. Jeder von ihnen ist für einen anderen Ort bestimmt:
  • für ein Feld
  • einen Garten
  • eine Aufforstungsfläche
„Wenn ich die Pflanzen sehe, denke ich an die Zukunft“, erzählt Yezina und blickt von dem Kaffeesetzlingen auf, die sie gerade von Unkraut befreit. Die 34-Jährige arbeitet in der Baumschule und weiß, wie viel Geduld es braucht bis aus einem kleinen Samen etwas entsteht. Sie gießt die jungen Pflanzen, setzt sie um und achtet darauf, dass sie gesund bleiben. Dabei hat sie eine besondere Beziehung zu ihnen entwickelt: „Ich behandle die Pflanzen wie meine Kinder.“

Auch für ihre eigenen Kinder arbeitet Yezina hier. Mit dem Geld, das sie in der Baumschule verdient, möchte sie Schultaschen, Hefte und Stifte für sie kaufen. Somit sorgt Yezina mit ihrer Arbeit zugleich dafür, dass junge Pflanzen ihren Weg beginnen können und dafür, ihren Kindern neue Wege zu eröffnen.

Die Gemeinschaft muss Verantwortung übernehmen – für das Bewässern, den Schutz und die Pflege der Bäume.

Yohannes, Leiter der Baumschule Felana Meda von Menschen für Menschen Äthiopien

Baumschulleiter Yohannes Tufa pflanzt gemeinsam mit einer Familie Baumsetzlinge aus.

Vom Setzling zum gemeinsamen Projekt

Yohannes kennt den Weg der Setzlinge, wenn sie die Baumschule verlassen. Seit 2018 arbeitet er für Menschen für Menschen, heute leitet er die Baumschule in Felana Meda. Die hier herangezogenen Setzlinge werden später an Familien und Gemeinden verteilt. Dadurch entstehen neue Waldflächen, die wichtige Beiträge zum Erhalt der Lebensgrundlage leisten:
  • Schutz der Böden vor Erosion
  • Erhalt der Wasserressourcen
  • Schaffung zusätzlicher Einkommensmöglichkeiten für die Menschen
Doch Yohannes weiß auch: Ein Setzling allein verändert noch keine Landschaft. „Die Gemeinschaft muss Verantwortung übernehmen – für das Bewässern, den Schutz und die Pflege der Bäume“, sagt er. Das bedeutet: Die Menschen vor Ort entscheiden mit, wo gepflanzt wird, bringen die Setzlinge in die Erde und schützen die jungen Pflanzen. Aus vielen einzelnen Pflanzungen entsteht so nach und nach ein größeres Gemeinschaftsprojekt.
Eine junge Frau hält einen Baumsetzling in ihren Händen.

Pflanze Zukunft

Bäume machen karges Land wieder fruchtbar, schaffen neue Lebensräume für Tiere und eröffnen Familien neue Perspektiven.

Mit 25 Euro ermöglichst du das Pflanzen von verschiedenen Baumsetzlingen.

Wo Gemeinschaft Wurzeln schlägt

Wie dieses Zusammenspiel aussehen kann, zeigt sich in Kerebicho. Dort war das Land einst trocken und karg. Im vergangenen Jahr wurden von der Bevölkerung auf rund 3,5 Hektar mehr als 10.000 Bäume gepflanzt. Heute ist die Fläche grün. Bekele hilft dabei, das Gebiet zu schützen. Er achtet darauf, dass kein Vieh zwischen die Bäume gelangt und die Pflanzen beschädigt werden.

Für ihn ist die Veränderung sichtbar und hörbar. Mit dem wachsenden Wald sind Tiere zurückgekehrt. Hirsche, Affen, Hyänen und zahlreiche Vögel nutzen den neuen Lebensraum. „Dass die Tiere zurückgekommen sind und das Gebiet zum Leben erwacht, macht mich sehr stolz“, sagt Bekele. Doch er weiß auch, dass ein junger Wald leicht wieder verloren gehen kann. Der Schutz des Waldes ist für Bekele deshalb eng mit der Zukunft der Gemeinschaft verbunden: Die wachsenden Bäume
  • halten den Boden zusammen,
  • schützen die Wasserressourcen und
  • bremsen die Bodenerosion
„Wenn der Wald wächst, wird er der Gemeinschaft langfristig Vorteile bringen“, sagt er. Gemeinschaft bedeutet hier deshalb nicht nur, gemeinsam zu pflanzen. Sie bedeutet auch, gemeinsam Verantwortung zu tragen – und einen jungen Wald so lange zu schützen, bis er stark genug ist.
Eine Frau und ein Mann pflanzen gemeinsam mit ihrem Sohn einen Baumsetzling auf einem Feld.
Umer und seine Familie pflanzen gemeinsam einen Obstbaum in ihrem Garten.

Für eine Ernte, die noch niemand sehen kann

Auch Umer pflanzt auf seinem kleinen Stück Land etwas, dessen Wirkung er erst in einigen Jahren sehen wird. Der 46-Jährige baut mit seiner Familie Mais, Bohnen und Kartoffeln an. Vieles reicht gerade für den Alltag. Zusätzlich arbeitet Umer als Tagelöhner, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Nun hat die Familie erstmals Frucht- und Kaffeesetzlinge erhalten:
  • Avocado
  • Papaya
  • Kaffee
„Ich freue mich über diese Möglichkeit, weil ich glaube, dass sie das Einkommen und die Ernährung meiner Familie verbessern werden“, sagt Umer.

Bis zur ersten Ernte wird es dauern. Zwei bis drei Jahre, hofft er, bis die jungen Bäume Früchte tragen. Dann sollen die Früchte auf den Tisch der Familie kommen und ein Teil davon auf den Markt. Die kleine Pflanze, die Umer heute in der Hand hält wird später zu vitaminreicher Ernährung und zu einer zusätzlichen Einnahmequelle werden.
Eine Gruppe von Menschen steht mit Baumsetzlingen in den Händen auf einem Feld.
Die Setzlinge werden in Baumschulen herangezogen und gemeinsam mit der Bevölkerung ausgepflanzt.

Was wir gemeinsam wachsen lassen

Vielleicht liegt genau darin die besondere Geschichte dieser Setzlinge: Ihr Wert zeigt sich nicht sofort. Er entsteht Schritt für Schritt:
  • In der Baumschule werden die jungen Pflanzen sorgfältig gepflegt.
  • Auf den Feldern pflanzen Familien die Setzlinge und schaffen damit neue Lebensgrundlagen.
  • Auf den Aufforstungsflächen wächst durch gemeinschaftliches Engagement ein neuer Wald.
Manche investieren ihre Arbeit. Andere ihr Land. Wieder andere ihre Zeit, um junge Bäume zu schützen. Was heute gepflanzt wird, kann morgen Schatten spenden, Früchte tragen, Böden schützen und Lebensraum schaffen.

Und vielleicht auch etwas, das sich schwerer messen lässt: die Zuversicht, dass aus vielen kleinen Beiträgen etwas Größeres entstehen kann. Dass Zukunft nicht einfach passiert, sondern dort beginnt, wo Menschen gemeinsam etwas wachsen lassen.

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