Corona-Tagebuch aus Äthiopien

An dieser Stelle berichtet unser Kollege Henning Neuhaus regelmäßig über die Lage in Addis Abeba sowie unseren Projektgebieten und beschreibt, wie sich der Alltag in Äthiopien aufgrund des Virus verändert.
Henning Neuhaus, der zusammen mit Muluneh Tolesa für die PR-Arbeit von
Menschen für Menschen in Äthiopien zuständig ist, lebt seit 2018 in Addis Abeba und ist dort einer von nur drei nicht-äthiopischen Mitarbeitern im Project Coordination Office (PCO). Der Großteil der MitarbeiterInnen des Büros in Addis Abeba arbeitet mittlerweile aus dem Homeoffice.


Eine Frau wäscht sich an einem Kanister die Hände

18.05.2020: „Händewaschen mit den Füßen.“

Überall auf der Welt gibt es aktuell große und kleine Innovationen, die unser Leben in dieser Krise sicherer machen sollen. So auch im ATTC, dem technischen College von Menschen für Menschen in Harar, wo die Lehrkräfte ihre ungewollte Freizeit kreativ genutzt haben.

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zwei junge Männer beladen einen LKW.

13.05.2020: „Hilfsgüter für Oromia.“

Am Montagnachmittag war viel los bei uns im Büro: Recht kurzfristig gab uns die Regionalregierung von Oromia Bescheid, dass wir an diesem Nachmittag unsere zugesagten Hilfsgüter zur weiteren Verteilung ins Büro der Regionalregierung in Addis Abeba bringen können. Muluneh gibt also sofort unseren KollegInnen Bescheid, die Materialien auf einen LKW zu verladen. Leichter gesagt als getan. Immerhin steht in unserem Lager ein ganzer Frachtcontainer voll mit 6000 Gesichtsmasken, 1580 Flaschen Handdesinfektionsmittel und 2000 Flaschen Flüssigseife mit einem Gesamtwert von knapp 12.300 Euro, dessen Inhalt nun auf einen Lastwagen verladen werden muss.

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11.05.2020: „Die Preise steigen.“

Dass die globale Pandemie sich auf den Welthandel auswirkt, spürt man auch hier in Äthiopien. Dies betrifft besonders die Waren, die aus dem Ausland eingeführt werden. Auch wenn die Auswahl geringer ist, findet man in den Supermärkten in Addis Abeba fast alles, was es auch in Europa zu kaufen gibt. Da diese Produkte aus Übersee kommen, versteht es sich von selbst, dass diese deutlich teurer sind als etwa in Österreich. Mit der Ausbreitung von Covid-19 und den damit einhergehenden Verzögerungen im globalen Warenverkehr, mangelt es nun an vielen Produkten, die vorher gut erhältlich waren. Ich persönlich merkte dies, als es auf einmal bestimmte ausländische Hygieneartikel nicht mehr vorrätig gab oder sich der Preis für Parmesankäse fast verdoppelt hatte.

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Hilfgüter werden an Menschen übergeben.

08.05.2020: „Soforthilfe für Harar.“

In dieser Woche hat Menschen für Menschen die erste Lieferung mit Hygieneartikeln und Desinfektionsmittel an die Regionalregierung von Harar übergeben. Damit ist unsere Organisation dem Aufruf von diversen Regionalregierungen gefolgt, sie im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 zu unterstützen.

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Eine Frau mit Mundschutz bereitet Kaffee zu.

06.05.2020: „Ramadan ganz anders – aber das Wesentliche bleibt.“

Religion spielt im Leben der Menschen in Äthiopien eine überaus große Rolle und die jeweiligen religiösen Feste werden immer intensiv zelebriert. Sei es das orthodoxe Osterfest, welches vor drei Woche von den ChristInnen im Land gefeiert wurde, oder nun der Fastenmonat Ramadan. Immerhin sind knapp 34 Prozent der ÄthiopierInnen muslimischen Glaubens. Wie das Osterfest, ist auch der Ramadan in diesem Jahr stark durch Covid-19 beeinträchtigt. Daher habe ich mich gefragt, wie die MuslimInnen in Äthiopien diesen wichtigen Fastenmonat in Zeiten der Pandemie verbringen.

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30.04.2020: „ Hand aufs Herz – Begrüßungen in Zeiten des Coronavirus.“

Normalerweise sind innige Begrüßungen hier in Äthiopien sehr üblich. Als Zeichen des Respekts und der Freude wird aus einem Handschlag schnell eine innige Umarmung. In Zeiten von Covid-19 hat sich dies natürlich geändert – eine der ersten Präventivmaßnahmen hier im Land war das Verbot von Händeschütteln.

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Zwei Frauen mit Wasserkanistern am Rücken gehen eine Straße entlang.

28.04.2020: „Checkpoints und Temperaturmessungen.“

Das Projektgebiet Borena liegt knapp 600 Kilometer nördlich von Addis Abeba, seit 2011 betreibt Menschen für Menschen dort ein integriertes ländliches Entwicklungsprojekt. Der Hauptort Mekane Selam ist in den letzten neun Jahren von einer verschlafenen Ortschaft zu einer mittelgroßen Stadt mit rund 15.000 EinwohnerInnen angewachsen.

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Leere Betten in einer großen Halle die als Quarantänequartier dienen soll

24.04.2020: „Das Krisenmanagement funktioniert.“

Gesundheitsministerin Dr. Lia Tadesse twitterte kürzlich, dass die größte Veranstaltungshalle, die Millenium Hall in Addis Abeba, zu einem riesigen Corona-Quarantäne-Zentrum umfunktioniert wurde. Noch sind die ganzen Betten dort leer. Ich hoffe inständig, dass das auch so bleibt.

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Zwei äthiopische Buben spielen Tischtennis.

22.04.2020: „Abdii Borii heißt ‚Hoffnung auf Morgen‘.“

Seit 1996 betreibt Menschen für Menschen auch das Kinderheim „Abdii Borii“ in Metu, weit im Westen des Landes. 150 Kinder haben dort ein neues Zuhause gefunden, wo sie nicht nur eine Schulausbildung erhalten sondern mit den BetreuerInnen auch eine zweite Familie gefunden haben. Ich habe mich gefragt, wie das Kinderheim mit der Corona Situation umgeht?

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20.04.2020: Zu Ostern war dieses Jahr alles anders.

43,5 Prozent aller Äthiopier sind orthodoxe Christen, für sie ist Ostern das wichtigste religiöse Fest des Jahres. Mit dem gestrigen Ostersonntag endete die knapp zweimonatige Fastenzeit, in der sich die Gläubigen ausschließlich vegan ernähren. An Ostern wird das Fasten gebrochen und die, die es sich leisten können, kommen mit der ganzen Großfamilie zusammen und feiern ausgiebig.

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16.04.2020: „Aufklärung statt Freizeichen.“

Seit dem ersten bestätigten Fall einer Covid-19-Infektion in Äthiopien am 12. März ist nun etwas mehr als ein Monat vergangen. Inzwischen haben wir 85 bestätigte Fälle und es ist zu erwarten, dass die Zahlen weiter steigen werden. Jedem hier im Land ist bewusst, dass eine Masseninfektion wie in vielen anderen Ländern unbedingt vermieden werden muss. Um den Menschen Hygiene und die Wichtigkeit von sozialer Distanz im ganzen Land bewusst zu machen, braucht es vor allem eines: Aufklärung.

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Plakat mit Schutzmaßnahmen in Äthiopien

14.04.2020: „Addis gleicht einer Geisterstadt.“

Seit meinem letzten Tagebucheintrag ist nun eine Woche vergangen. Ich hatte geplant, mich mit einigen Freiwilligen zu treffen, die Hilfe für Bedürftige in der Coronakrise organisieren. Ich hatte viel darüber gehört, wie sich auch hier in Äthiopien Nachbarschaftshilfen organisieren und Spenden für die Menschen sammeln, die schon ohne Corona um das tägliche Überleben kämpfen müssen.

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Frauen waschen sich die Hände und halten dabei Abstand ein.

07.04.2020: „Das Virus breitet sich weiter aus .“

Inzwischen haben wir uns alle hier in Addis an die täglichen Tweets oder Postings auf Facebook der äthiopischen Gesundheitsministerin Dr. Lia Tadesse gewöhnt, in der sie über den aktuellen Stand der Neuinfektionen berichtet. Es wird immer erwähnt, wie alt die jeweiligen PatientInnen sind, ob sie eine Reisegeschichte ins Ausland vorweisen und ob sie Kontakt mit bereits bestätigten Infizierten hatten. Bei den bisherigen Infektionen war es bis jetzt immer der Fall, dass diese Infektionskette zurückverfolgt werden konnte.

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03.04.2020: „Den Leuten in den Dörfern ist die weltweite Lage durchaus bewusst.“

Mir ist es in diesem Tagebuch immer ein wichtiges Anliegen, auch die Situation in den Projektgebieten von Menschen für Menschen zu schildern. Hier in Addis hat man inzwischen das Gefühl, dass sich der Großteil der Menschen mit der neuen Situation und den entsprechenden Auswirkungen soweit wie möglich arrangiert hat. Doch wie ist die Lage im ländlichen Äthiopien?

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02.04.2020: Auch in Äthiopien trägt man Schutzmaske

Bei meinen selten gewordenen Gängen durch die Stadt ist mir aufgefallen, dass hier in Addis bereits erstaunlich viele Menschen eine Atemschutzmaske oder wenigstens ein Tuch tragen. Sicherlich werden hier in Äthiopien diese Masken länger als vom Hersteller angegeben getragen. Trotzdem wird das wichtige Signal gesendet, dass die Menschen sich bemühen, den Virus nicht zu verbreiten.

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31.03.2020: Eine mobile Waschanlage für die Gemeinschaft

Not macht bekanntlich erfinderisch oder anders formuliert, eine außergewöhnliche Situation erfordert außergewöhnliche Lösungen. So sieht das auch Yosef Arka. Der 29-Jährige studierte erfolgreich Maschinenbau an einem TVET (Technical Vocational Education and Training) und hatte bis vor kurzem noch seinen eigenen kleinen Metallfertigungsbetrieb.

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30.03.2020: Kilometerlange Staus an den Tankstellen

Während ich mein zweites Wochenende in Quarantäne verbracht habe, hat sich die Lage in Äthiopien weiter verschärft. Mittlerweile gibt es hier 23 bestätigte Fälle von COVID-19, sieben mehr als noch am Freitag.

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26.03.2020: Die Folgen für die äthiopische Wirtschaft

Weltweit wird in den Ländern, die stark vom Coronavirus betroffen sind, darüber gerätselt und geforscht, welche langfristigen wirtschaftlichen Folgen die Pandemie haben wird. Diese Sorge beschäftigt zunehmend auch Äthiopien, denn auch hier steuert man gerade schrittweise immer mehr auf einen Lockdown zu.

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25.03.2020: Die Minibusse leeren sich

Nachdem ich mich die vergangenen Tage meistens voller Zweifel über die hier in Äthiopien durchgeführten Präventionsmaßnahmen geäußert hatte, wurde ich heute Morgen eines Besseren belehrt. Ich war gerade dabei vom Supermarkt nach Hause zu fahren, als mir an einer großen Kreuzung auffiel, dass die Verkehrspolizei gezielt die Minibusse rauswinkte.

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24.03.2020: Die Lage in den ländlichen Regionen

In den letzten Tagen habe ich nur über die Situation in Addis berichtet. Da ich heute mal wieder im Büro bin, dachte ich es wäre interessant der Frage auf den Grund zu gehen, wie die Menschen in den ländlichen Gebieten Äthiopiens mit der aktuellen Situation umgehen.

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23.03.2020: Warum „Social Distancing“ ein Problem ist

Spätestens als am Donnerstagabend von der äthiopischen Regierung verkündet wurde, dass alle Bars und Nachtclubs wegen der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit schließen sollen, wurde mir endgültig klar, dass die kommenden Wochenenden etwas ruhiger sein werden.

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20.03.2020: Unser ruhiges Büro

Nach zwei Tagen Homeoffice ist es wirklich mal wieder schön die Wohnung zu verlassen und ins Büro zu fahren. Menschen für Menschen hat ein Schichtsystem im Büro eingeführt, um die Distanz zwischen Kolleginnen und Kollegen zu erhöhen. Das heißt, dass mein Kollege Muluneh heute nicht da ist und dafür ich im Büro arbeite.

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19.03.2020: Die Distanz wächst

Lange Zeit war das neuartige Coronavirus für die Menschen in Äthiopien – wie für viele in Afrika – eine surreale Bedrohung – schwer greifbar, da es weit weg schien. Jedoch war vielen bewusst, dass es in unserer globalisierten Welt nur eine Frage der Zeit sein kann, bis das Virus nach Äthiopien kommt.

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Herzchen aus zwei unterschiedlich farbigen Händen geformt

Covid19 macht nicht vor Ländergrenzen halt.

Genauso wenig wie unsere Solidarität. Gemeinsam können wir Leben retten! Unterstützen Sie uns jetzt dabei, Brunnen zu bauen und Hygienemaßnahmen umzusetzen. Gemeinsam schaffen wir das. Als Menschen für Menschen.

Covid-19: Ich will spenden!