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Blick auf eine Wellblechhütte, die als provisorisches Generatorhäuschen dient. Rundherum sitzen Frauen und Männer. Im Vordergrund hebt ein Arbeiter eine Grube aus.

Durch die Augen von…

Projektbesuch: Austausch und Aufbau

Austausch und Aufbau

Bericht aus einem Land im Wandel

Ein Reisebericht von Markus Schwarz-Herda, Menschen für Menschen Österreich

Ein „Mensch für Menschen“ zu sein, bedeutet für uns vom österreichischen Team, im kontinuierlichen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in Äthiopien zu stehen und regelmäßig die Projekte zu besuchen. Durch die Gespräche mit den Menschen gewinnen wir persönliche Einblicke in die täglichen Herausforderungen und die großen und kleinen Erfolge der Familien. Im Februar reiste Markus Schwarz-Herda nach Äthiopien, um unter anderem in Begleitung unseres langjährigen Unterstützers Peter Krasser von „Schule Äthiopien“ den Baufortschritt zweier Schulen zu besichtigen. Im Anschluss führte ihn seine Reise in den Osten Äthiopiens. Seine Eindrücke teilt er in seinem Reisebericht.

Ein herzliches Willkommen in Addis Abeba

Der Flieger landet frühmorgens um sechs Uhr in Addis Abeba. Die Stadt wacht um diese Zeit fast schlagartig auf. Unser Fixpunkt am ersten Tag ist ein Besuch im Projektkoordinierungsbüro in Addis Abeba, um mit den äthiopischen Kolleg:innen aktuelle und künftige Vorhaben zu besprechen. An diesem Tag standen jene Schulbauten ganz oben auf der Agenda, die durch das Engagement meines Begleiters Peter Krasser und seinen Verein „Schule Äthiopien“ ermöglicht werden. Dazu hatten die Kolleginnen und Kollegen eine besonders schöne Geste, um Danke zu sagen. Sie hießen Peter mit einem herzlichen Empfang willkommen, bei dem 18 Mitarbeiter:innen mit ausgedruckten Schildern standen, symbolisch für jede der 18 Schulen, die „Schule Äthiopien“ in den vergangenen 22 Jahren ermöglicht hat.
Blick in ein Klassenzimmer in Äthiopien. Am oberen Bildrand sind Holzstreben zu sehen. Etwa 40 Kinder sind in dem kleinen Raum.
Blick in eine Klasse der Schule in Ginchi. Die Räume sind klein, baufällig und finster. Der Schulbau soll ausreichend Platz und eine angenehme Lernatmosphäre schaffen.

Ein Tag am Bau im Hochland

Der Weg Richtung Ginchi und Olonkomi führt über die Westausfahrt von Addis Abeba. Heute besuchen wir die knapp nebeneinanderliegenden Kleinstädte, um den Baufortschritt zweier Schulen zu begutachten, die durch „Schule Äthiopien“ ermöglicht werden. Begleitet werden wir von Bahritu Seyoum, die als Direktorin der Projektimplementierung Teil des Management-Teams von Menschen für Menschen Äthiopien ist. Die Aufregung der Kinder ist groß, als wir am Gelände der Schule ankommen, und sie scharen sich recht rasch um unsere kleine Gruppe. Der Bedarf an Schulen in der Region ist hoch, allein jene in Ginchi besuchen aktuell rund 3.000 Kinder, wobei in Äthiopien in der Regel in zwei Schichten unterrichtet wird. Sowohl in Ginchi als auch in Olonkomi werden drei neue Klassenraumblöcke mit je vier Räumen sowie je ein Verwaltungsgebäude und Trockentoilettenhäuschen errichtet. Die Bauarbeiten sind bereits gut fortgeschritten und die Fertigstellung wird im Herbst erwartet.
Peter Krasser in einem roten „Schule Äthiopien“-Shirt und Bahritu Seyoum in einem blauen „Menschen für Menschen“-Shirt stehen inmitten von Schulkindern.
Peter Krasser von „Schule Äthiopien“ mit Bahritu Seyoum, Direktorin der Projektimplementierung bei Menschen für Menschen.

Eine Stadt im Umbruch

Nachdem wir am Abend zuvor noch die große Freude hatten, mit Marathonlegende Haile Gebrselassie zu Abend zu essen – er unterstützt Menschen für Menschen seit vielen Jahren als Botschafter – nutzen wir den Tag, um ein wenig die Stadt zu erkunden. Seit ich das erste Mal vor über zehn Jahren hierher kam, hat sich viel verändert. Das Bestreben von Regierung und der Stadtverwaltung, Addis zu einer Metropole mit internationalem Antlitz zu entwickeln, wird an allen Ecken deutlich. Es kann aber nicht über die allgegenwärtige Armut hinwegtäuschen. In der Stadt erscheinen die Gegensätze offensichtlicher und extremer als am weitgehend kleinbäuerlich geprägten Land, wo die Menschen zumindest noch ein bescheidenes Heim haben und ein kleines Feld, auf dem sie etwas zur Selbstversorgung anbauen können.
Peter Krasser und Haile Gebrselassie sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.
Peter Krasser im Gespräch mit Marathonlegende und Unternehmer Haile Gebrselassie. Auch er unterstützt Menschen für Menschen seit vielen Jahren.

Unterwegs im Osten: Wasser ist Gold

Frühmorgens reise ich weiter in die 450 Kilometer entfernte Stadt Jijiga im Osten des Landes, von wo aus wir weiter Richtung Norden fahren, um eines unserer Herzensprojekte zu besichtigen: die Entstehung eines Wasserversorgungssystems für die Menschen in Jarre. Auf dem Weg dorthin wird wieder deutlich, wie unterschiedlich die Topografie des Landes ist. Während ich noch vor zwei Tagen auf rund 2.500 Metern Seehöhe unterwegs war, sind es nun etwa 1.000 weniger. Es ist heiß und trocken. Man sieht kaum Berge, dafür umso mehr Kamele, die durch die steppenähnliche Landschaft streifen. „Wasser ist wertvoller als Gold“, haben die Bewohner:innen von Jarre uns schon im Zuge der ersten Tiefenbohrung mit auf den Weg gegeben. Wassermangel ist ein offensichtliches und spürbares Problem in der Region und Menschen für Menschen setzt mit diesem Projekt einen sehr wirkungsvollen und wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen um. Wasser bedeutet Entwicklung Zwei Kilometer von der Stadt Jarre entfernt wurde erfolgreich eine 220 Meter tiefe Bohrung durchgeführt. Als ich dort ankomme, strömt mir schon eine Welle an Freudengesängen entgegen.
Eine äthiopische Frau mit einem Esel, der vier gelbe Wasserkanister auf dem Rücken trägt. Im Hintergrund sind noch etwa zwei Dutzend Esel mit Wasserkanister am Rücken zu sehen.
Unzählige Menschen kommen mit ihren Lastentieren, um Wasser bei der Bohrstelle zu holen.
Blick auf eine Wellblechhütte, die als provisorisches Generatorhäuschen dient. Rundherum sitzen Frauen und Männer. Im Vordergrund hebt ein Arbeiter eine Grube aus.
Das provisorische Generator-Häuschen in Jarre. Im Vordergrund wird am Fundament für die zukünftige Pumpenstation gearbeitet, die mit einer Solarpumpe und einem Backup-Dieselgenerator ausgestattet wird.

Sauberes Wasser fördert die Wirtschaft

Dutzende Frauen, Männer und Kinder sind hier, um Wasser in die für Äthiopien so typischen großen, gelben Kanister zu füllen. Denn bis zur Fertigstellung der Wasserversorgung ist es durch den Einsatz einer Tauchpumpe bereits möglich, Wasser zu gewinnen. Das fördert auch den Unternehmergeist. In der Nähe der Bohrstelle treffe ich die 35-jährige Fatima. Sie hat sich mit einer grellorangen Plane ein Schattenplätzchen geschaffen, das zugleich ihr provisorischer Verkaufsstand ist. Fatima hat auch schon Pläne für die Zukunft und sieht die Möglichkeit, ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Denn das Wasser versorgt nicht nur die Menschen in der Umgebung, sondern auch deren Tiere. Die dreifache Mutter rechnet damit, dass ihre Kühe mehr Milch geben werden, die sie dann verkaufen kann. Der Zugang zu sauberem Wasser fördert langfristig also auch die wirtschaftliche Entwicklung in der Region.
Eine äthiopische Frau mit rotem Umhang vor dem Hintergrund einer orangenen Plane. Sie lächelt in die Kamera.
Fatima nutzt die Betriebsamkeit rund um die Wasserstelle. Sie hat einen kleinen Verkaufsstand eröffnet und möchte ihr Geschäft weiter ausbauen.
Eine rechteckige Baugrube, rundherum liegt Geröll, das ausgehoben wurde. Im linken oberen Eck stehen drei Männer und betrachten die Grube und unterhalten sich.
In der Gemeinde Jarre sind die Bauarbeiten für die Wasserversorgung angelaufen. Neben Wasserspeichern und Brunnen werden – hier noch als Baugrube ersichtlich – auch Toilettenanlagen und Duschhäuser errichtet.

Zurück zu den Wurzeln

Die Reise führt uns weiter in den Süden, vorbei an der Region Babile, wo die Organisation Menschen für Menschen einst ihren Anfang fand. Hier lernte Karlheinz Böhm die Halbnomad:innen kennen, die mit seiner Hilfe ein Hungerlager verlassen konnten und zu sesshaften Bäuerinnen und Bauern wurden. Gemeinsam gründeten sie das Dorf „Nagaya“ – namensgebend für dieses Magazin. Siebzig Kilometer von der „Wiege von Menschen für Menschen“ entfernt mache ich mir ein Bild vom Baufortschritt der Obosha-Schule, deren Errichtung ebenfalls durch das Engagement von „Schule Äthiopien“ ermöglicht wird. Sie wird die erste weiterführende Schule in der Gegend sein. Der Rohbau ist gut fortgeschritten und nach aktuellem Stand werden schon im Herbst die ersten Kinder hier den Unterricht besuchen können. Auf dem Rückweg nach Harar nutze ich noch die Gelegenheit, eine weitere Bohrstelle zu besuchen. Im Ort Al-Ethiopia kam das Tiefbohrgerät von Menschen für Menschen zum Einsatz, um auch hier die Errichtung eines Wasserversorgungssystems zu ermöglichen. In diesem Fall wird dieses von den örtlichen Behörden fertiggestellt und von den Menschen freilich schon sehnlichst erwartet.
Muluneh Tolessa und Markus Schwarz-Herda tragen beide blaue Menschen für Menschen-Shirts und unterhalten sich an die Mauer eines Rohbaus einer Schule gelehnt.
Kurzer Austausch im Schatten des Rohbaus der Obosha-Schule mit Muluneh Tolessa, der für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche bei Menschen für Menschen in Äthiopien zuständig ist.

Gemeinsam als „Menschen für Menschen

Jede Reise nach Äthiopien zeigt mir, wie wichtig die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen vor Ort für die Menschen und schließlich auch für das ganze Land ist. Jedes Mal bin ich von ihrem beispiellosen Einsatz überwältigt – wie viel Herzblut und Stolz sie in ihre Aufgabe stecken, langfristige Veränderungen zu bewirken. Das und die vielen Geschichten der Menschen, denen Sie mit Ihrer Spende helfen, geben auch mir die Kraft, mich mit voller Überzeugung als ein „Mensch für Menschen“ einzusetzen.
Markus Schwarz-Herda von Menschen für Menschen

Markus Schwarz-Herda

Vorstand,
Projektarbeit und Kooperationen

E-Mail: m.schwarz-herda@mfm.at
Tel.: +43 (0)1/58 66 950-18
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Menschen für Menschen

Titelseite des Nagaya-Magazins 2/2024, das eine Gruppe Kinder zeigt. Ein Mädchen im Vordergrund lächelt in die Kamera und hebt den Daumen nach oben

Ausgabe 2/2024

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Portrait von Aida Edemariam; Fotonachweis: David Levene
Durch die Augen von…

Aida Edemariam

Aida Edemariam ist Journalistin und Autorin und arbeitet für die britische Zeitung „The Guardian“. Im Interview berichtet Aida über die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe zu ihrem Buch „The Wife’s Tale“. Dieses erzählt die persönliche Lebensgeschichte ihrer Großmutter Yetemegnu in Äthiopien und verbindet sie mit historischen Ereignissen ihrer Zeit.
Durch die Augen von...
Aktuelles
Eine Gruppe äthiopischer Kinder in Schuluniformen. Im Vordergrund ein Mädchen und ein Bub, die den Daumen nach oben heben und lächeln
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Nagaya Magazin 2/2024: Veränderungen für die nächste Generation

In dieser Ausgabe des Nagaya-Magazins berichtet Markus Schwarz-Herda von Menschen für Menschen Österreich von seinem Projektbesuch in Äthiopien. Außerdem erfährst du von Imkerlehrer Kassahun alles über das große Potenzial der Bienenzucht.
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Ein Mann blickt über ein karges Feld im Hochland von Äthiopien
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ARTE-Dokumentation: Die Erde am Limit

"Zu viel Konsum? Zu viele Menschen? Die Erde am Limit". In der ARTE-Dokumentation widmet sich Regisseurin Lourdes Picareta der Frage, was es braucht, um Bevölkerungswachstum zu bremsen und die Konsequenzen überbordenden Konsums zu verringern. Dazu war sie unter anderem im Menschen für Menschen-Projektgebiet Boreda unterwegs.
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