Unser Konzept – Hilfe zur Selbsthilfe

Unser Ziel für unsere Projekte in Äthiopien:
Dass man uns möglichst bald nicht mehr braucht.

 

So erreichen wir dieses Ziel:
Indem wir die Menschen befähigen, sich selbst zu helfen und dabei alle Lebensbereiche in unsere Arbeit einbeziehen.

Unser Ziel ist immer, die Menschen dazu zu befähigen, sich selbst aus der Armut zu befreien und dadurch unabhängig von fremder Hilfe zu werden. Die Mitwirkung und Eigenverantwortlichkeit der unterstützten Menschen ist daher natürlich unerlässlich und auch Voraussetzung für unsere Hilfe. Wir geben keine Almosen und sehen die Frauen, Männer und Kinder nicht als passive Hilfsempfänger, sondern als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe, die ihr Leben mit unserer Hilfe selbst und anhaltend verbessern können.

 


 

Im Detail: Wie wir helfen und warum

Menschen für Menschen entwickelt im ländlichen Äthiopien ganze Projektgebiete mittels eines integrierten Ansatzes unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung mit dem Ziel die Region nach etwa 10 Jahren nachhaltig unabhängig von fremder Hilfe zu machen.

So weit so gut. Doch was bedeutet dieser äußerst sperrige Satz nun in der Praxis? Was bedeutet schon „integriert“ oder „nachhaltig“? Lassen Sie uns diese Fragen Schritt für Schritt betrachten:

 

Wieso ganze Projektgebiete?

In den wirklich armen ländlichen Gegenden Äthiopiens, in denen wir tätig sind, mangelt es meist allen Menschen gleichermaßen am Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Versorgung oder Schulbildung. Unsere Projekte haben zum Ziel, Regionen und ihre Bewohnerinnen und Bewohner als Gesamtheit in allen Bereichen des Lebens zu entwickeln und weder einzelne Gruppen noch Bereiche herauszugreifen. Durch Projekte in allen Bereichen des Lebens von Wasser über Landwirtschaft und Gesundheit bis hin zur Bildung profitieren letztendlich alle Bewohnerinnen und Bewohner. Dies verringert soziale Unterschiede und ermöglicht eine bessere Nachhaltigkeit sowie die Umsetzung von Projekten mit Hilfe der Bevölkerung oder Dorfgemeinschaft, da alle profitieren. Somit können Spendengelder noch effizienter eingesetzt werden, da die Bevölkerung im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit hilft, die Projekte umzusetzen, z.B. durch das Graben eines Brunnens.

(Erfahren Sie hier mehr über die einzelnen Projektgebiete >>)

Einige Beispiele: Baut man einen Brunnen, hat ein ganzes Dorf Wasser. Zeigt man einem Bauern wie er seine Felder besser bepflanzt, wird sein Nachbar es ihm gleichtun. Ein Kleinkredit trägt reiche Früchte nicht nur für die Frau, die ihn bekommt, sondern für ihre ganze Familie und alle, mit denen sie Geschäfte macht. Durch eine neue Schule erhalten im Laufe der Jahre viele tausende Kinder das Rüstzeug für eine selbständige Zukunft und können sich durch einen Beruf versorgen.

Was bitte ist ein „integrierter Ansatz“?

Im täglichen Leben sind die Bereiche Ernährung, Gesundheit, Wasser, Bildung und Erwerbstätigkeit (im ländlichen Äthiopien fast ausschließlich Landwirtschaft) untrennbar miteinander verbunden. Daher beinhaltet unser „integrierter Ansatz“ alle diese Bereiche und berücksichtigt auch die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bereichen.

Jede unserer einzelnen Maßnahmen bringt bereits eine erhebliche Verbesserung der Lebensumstände, doch nur gemeinsam können sie ihre ganze Wirkkraft entfalten. Denn es gibt Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Lebensbereichen, die so stark sind, wie man es auf den ersten Blick oft nicht für möglich halten würde. Lässt man diese außer Acht, kann das dazu führen, dass einzelne Projekte fast völlig ohne Wirkung bleiben. Erkennt man diese aber und geht darauf ein, wird plötzlich das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Dadurch hilft Ihre Spende nicht nur in einem Teilbereich, sondern verbessert das Leben der unterstützten Menschen als Ganzes.

Beispiele: Nur wenn es einen Brunnen in der Nähe gibt, haben die Frauen, die traditionellerweise das Wasser holen, genug Zeit mit einem Kleinkredit ein Geschäft zu gründen. Nur wenn die Landwirtschaft genug abwirft, müssen die Kinder nicht auf dem Feld helfen und können in die neu gebaute Schule gehen.

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Wie wird die betroffene Bevölkerung einbezogen?

Die Eigeninitiative und der persönliche Einsatz der Leute ist ein entscheidender Faktor. Wir können nur unterstützen. Umsetzen müssen die Menschen die Veränderungen selbst. Das ist der einzige Weg, wie wir Hilfe geben können, die von den Betroffenen nicht nur gerne angenommen, sondern verstanden, wertgeschätzt und selbst weitergeführt wird.

Unsere Unterstützung soll den Menschen konkret helfen ihr Leben zu erleichtern. Die Betroffenen selbst können uns dabei am besten sagen, was ihnen fehlt. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung können unsere Mitarbeiter meist sehr schnell gute Lösungen anbieten. Wir erarbeiten aber nie Projektpläne ohne vorher die Menschen einer Region nach ihren Bedürfnissen gefragt zu haben. Und damit meinen wir alle Gruppen: Frauen genauso wie Männer, Kinder wie Dorfälteste, Tagelöhner wie „Bürgermeister“.

Ist die Bedarfssituation geklärt, heißt es die Betroffenen zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt, ihre Situation zu verbessern. Dabei wird niemandem etwas aufgezwungen. Immer geht es darum, den Menschen möglichst gut zu erklären, wie sie von den Maßnahmen profitieren und welche Erfolge sie damit erzielen können. Sie sollen nicht abhängig gemacht werden von unserer Hilfe, sondern die Chancen, die wir ihnen bieten, annehmen, um sich selbst aus der Armut zu befreien.

Wie viel Erklärungsbedarf hier teilweise gegeben ist, darf nicht unterschätzt werden.  Einige Beispiele: Für Eltern, die selbst nie lesen und schreiben gelernt haben, ist nicht sofort klar, warum sie auf die dringend benötigte Mithilfe der Kinder auf dem Bauernhof verzichten sollen, damit diese zur Schule gehen können. Und auch die Bauern gehen ein hohes Risiko ein, wenn sie neue Anbaumethoden ausprobieren, deren Wirksamkeit ihnen nicht bekannt ist. In armen Gebieten kann von einer schlechten Ernte das Überleben der Familie bedroht sein. Deshalb bedarf es viel Vertrauen der Bauern in unsere Mitarbeiter, die neuen Methoden auch erstmals zu versuchen. Besonders Mutige werden deswegen zu Modellbauern gemacht. Bereits nach der ersten wesentlich erfolgreicheren Ernte ist meist auch die Nachbarschaft überzeugt und macht mit. Erzwingen kann man solche Verbesserungen jedoch nicht. Das Verständnis für die Sinnhaftigkeit der vielen Veränderungen muss erst wachsen. Genauso wie das gegenseitige Vertrauen.

Wo immer es möglich ist, müssen die Leute aus der Umgebung helfen, wenn Projekte umgesetzt werden. Dadurch lernen sie einerseits viel dazu und haben es später leichter, das Erreichte selbst weiterzuführen. Andererseits ist es wie überall sonst auf der Welt: Wenn man in etwas eigene Arbeit investiert hat, ist das Geschaffene mehr wert, wird mehr geschätzt und besser in Stand gehalten.

Beispiele: Bauen wir einen Brunnen, graben die Männer selbst das Loch und helfen unserem Fachmann beim Auskleiden und Fertigstellen des Brunnens. Bekommen die Frauen einen holzsparenden Ofen, müssen sie diesen zu einem geförderten Preis von ihrem eigenen Geld kaufen. Errichten wir eine Schule, stellt die Gemeinde das Grundstück dafür gratis zur Verfügung. Wir geben den Menschen das, was sie selbst nicht beisteuern können, wie zum Beispiel für eine arme Landgemeinde sehr teure Baumaterialien oder Geräte für einen Brunnen, eine Schule oder eine Straße. Und vor allem Wissen. Das ist unsere Starthilfe. Ihre Arbeitskraft und ihren Einsatz müssen die Menschen aber selbst beisteuern. Und das tun sie auch mit Begeisterung, wenn sie vom Projekt überzeugt sind.

Unsere Mitarbeiter in Äthiopien sind fast ausschließlich selbst Äthiopier. Sie stammen meist aus denselben einfachen Verhältnissen, wie die Menschen, denen sie helfen und verstehen dadurch besonders gut, was die Leute benötigen. Sie stehen den Familien in der ersten Zeit nach Umsetzung einer Neuerung regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite. Sie leben in den Dörfern mit den Menschen, die sie beraten und bekommen gleich mit, wenn es irgendwo Schwierigkeiten gibt. (Lernen Sie hier Entwicklungsberater Habtamu Bacha kennen >>)

Beispielsweise gab es in einem Dorf Probleme mit der Umsetzung einer Familienplanungskampagne, da die Frauen sich weigerten, Kondome zu benutzen. Sämtliche Zurechtweisungen der Männer konnten gegen ihren Wiederstand nichts ausrichten. Erst als unsere Mitarbeiter sich mit den Frauen zusammensetzten, fanden sie heraus, dass diese der Meinung waren, Kondome seien nur etwas für Prostituierte und nicht für ehrbare Ehefrauen. Einfühlsames Erörtern des Themas konnte diese Einstellung jedoch ändern und das Projekt für alle zu einem befriedigenden Ende führen. Das war jedoch nur möglich, weil die Schwierigkeit erkannt und in Zusammenarbeit mit den Beteiligten gelöst wurde. So wird sichergestellt, dass die Projekte später aus eigenem Antrieb fortgeführt werden und nachhaltige Verbesserungen erzielen.

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Unabhängig von fremder Hilfe – ist das nicht eine Wunschvorstellung?

„Die Lebensbedingungen der Menschen in Merhabete haben sich nachhaltig verbessert“, zu diesem Schluss kommt Dr. Currle, nachdem er die aktuelle Situation im vor fünf Jahren abgeschlossenen Projektgebiet von Menschen für Menschen ausführlich evaluiert hat. Und weiter: „Auf der Grundlage dieser Bewertung kann das auf Nachhaltigkeit angelegte Leitprinzip von Menschen für Menschen als Grundlage für den Fortschritt der Region identifiziert werden.“

Das ist der Beweis: Die von der unabhängigen Organisation FAKT durchgeführte Studie zeigt deutlich, dass selbst nachdem wir uns aus einem Gebiet zurückgezogen haben, unsere Arbeit dort von den Menschen weitergeführt wird. Die Erfolge bleiben bestehen und werden sogar noch ausgebaut!

Mehr über die Studie und ihre Ergebnisse finden Sie hier >>

Ein großer Erfolg, den wir mit Ihrer Hilfe in anderen Gebieten wiederholen können – als Menschen für Menschen!