
Projektbericht von Martina Hollauf
Gemeinsam versetzen wir Berge
Martina Hollauf zeigt in ihrem Projektbericht, wie viel möglich wird, wenn Menschen gemeinsam anpacken. Zufahrtswege werden freigeschaufelt und Wasserrohre verlegt, damit medizinische Versorgung möglich wird und Familien Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort entstehen Projekte, die weit über den Ausbau von Infrastruktur hinausgehen. Sie stärken den Zusammenhalt, schaffen Vertrauen und geben Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Wer schon einmal im ländlichen Äthiopien unterwegs war, kennt das Gefühl: Das Auto kämpft sich über holprige Wege, es rumpelt unaufhörlich und jede Erschütterung spürt man bis in die letzte Faser seines Körpers. So unangenehm das auch ist, es macht greifbar, wie wertvoll selbst die einfachsten Straßen und Zufahrtswege sind.
Nur wo ein Weg hinführt, kann Entwicklung auch ankommen. Wo hingegen keiner ist, wird jeder Fortschritt zu einem unbeschreiblichen Kraftakt. Keine Straße bedeutet etwa, dass kein Krankenwagen fahren kann. Verletzte oder gebärende Frauen müssen dann per Trage in viele Stunden entfernte Gesundheitseinrichtungen gebracht werden. Zudem verhindern fehlende Anbindungen, dass Wasserversorgungssysteme oder Schulen überhaupt gebaut werden können. Alles stockt, wenn es keine Wege gibt.
Nur wo ein Weg hinführt, kann Entwicklung auch ankommen. Wo hingegen keiner ist, wird jeder Fortschritt zu einem unbeschreiblichen Kraftakt. Keine Straße bedeutet etwa, dass kein Krankenwagen fahren kann. Verletzte oder gebärende Frauen müssen dann per Trage in viele Stunden entfernte Gesundheitseinrichtungen gebracht werden. Zudem verhindern fehlende Anbindungen, dass Wasserversorgungssysteme oder Schulen überhaupt gebaut werden können. Alles stockt, wenn es keine Wege gibt.
Manchmal kam es vor, dass
ein Esel die Böschung hinuntergestürzt und gestorben ist.
Hayisha über die Gefahren des steilen Geländes

Motiviert zum Anpacken
Das wissen auch die Frauen und Männer, die am zweiten Tag des Projektbesuchs in Albuko zusammengekommen sind, um einen Weg freizumachen. Rund fünfzig Menschen arbeiten hier mit Hacken und Schaufeln, teils sogar mit bloßen Händen daran, Wurzelwerk zu entfernen, um eine Zufahrt zu ermöglichen. Eine von ihnen ist Hayisha, die sich gut gelaunt ins Zeug legt.
„Ich freue mich, dass ich beim Bau der Zufahrtstraße mithelfen kann. Ich wohne weiter unten im Tal und wenn der Weg endlich befahrbar ist, wird alles viel einfacher für uns“, so die 45-Jährige und erklärt, dass nicht nur die Menschen vom Bau der Straße profitieren werden: „Das steile Gelände verursachte auch oft Probleme mit unseren Lasttieren. Manchmal kam es vor, dass ein Esel die Böschung hinuntergestürzt und gestorben ist.“ Auch der Schulweg ihrer Kinder sei momentan noch sehr gefährlich, erzählt Hayisha. Das macht es umso verständlicher, dass hier und heute so viele Leute mitanpacken.
„Ich freue mich, dass ich beim Bau der Zufahrtstraße mithelfen kann. Ich wohne weiter unten im Tal und wenn der Weg endlich befahrbar ist, wird alles viel einfacher für uns“, so die 45-Jährige und erklärt, dass nicht nur die Menschen vom Bau der Straße profitieren werden: „Das steile Gelände verursachte auch oft Probleme mit unseren Lasttieren. Manchmal kam es vor, dass ein Esel die Böschung hinuntergestürzt und gestorben ist.“ Auch der Schulweg ihrer Kinder sei momentan noch sehr gefährlich, erzählt Hayisha. Das macht es umso verständlicher, dass hier und heute so viele Leute mitanpacken.
Verbindung zwischen den Menschen
Der Bau der Straße wurde ursprünglich von der Regierung initiiert, die auch den Bulldozer bereitstellte, um im Gelände den Weg frei zu räumen. Doch damit die Straße befahrbar wird, braucht es die Gemeinschaftsleistung. Das ist auch das Thema, das unser Projektleiter Berhanu Bedassa an diesem Tag mit Abdu Said bespricht. Der 52-Jährige ist Gemeindevorsteher und in dieser Rolle ein wichtiger Verbindungsmann zwischen Menschen für Menschen und den örtlichen Behörden. So diskutierte Abdu beispielsweise vorab mit der Organisation die notwendigen Maßnahmen, während Berhanu und seine Mitarbeitenden die Bevölkerung mobilisieren, um diese umzusetzen.

Maza berichtet von den täglichen Strapazen beim Wasserholen und freut sich auf das neue Versorgungssystem in Tosa Falana.
Gemeinschaft als Motor der Entwicklung
Dass die Kraft der Gemeinschaft und die Schaffung von Wegen der Motor jeder Entwicklung ist, wird schon einen Tag zuvor in Tosa Falana deutlich. Als Berhanu, Fotograf Tesfaye und ich dort ankommen, herrscht eine erwartungsvolle Unruhe. Dutzende Frauen, Männer und Kinder haben sich versammelt, um über das Thema zu sprechen, das hier alle beschäftigt: die fehlende Versorgung mit sauberem Trinkwasser.
Die Menschen erzählen, wie das Wasserholen Tag für Tag zu einem Kraftakt wird. Die meisten Familien holen ihr Wasser aus einem kleinen Rinnsal, das mit Bakterien und Ungeziefer verseucht ist. „In der Trockenzeit versiegt aber auch diese Quelle“, schildert Maza die aktuelle Situation, „dann müssen wir sehr früh am Morgen los, um rechtzeitig eine weitere entfernte Wasserstelle zu erreichen.“ Das kostet Frauen wie Maza viel Zeit und setzt vor allem ihre Gesundheit aufs Spiel, wie die 38-Jährige erzählt: „Nach einer Geburt gibt es oft nicht genug Wasser, damit sich die Mütter waschen können. Oft müssen sie bis zu 24 Stunden in ihren blutigen Kleidern in der Klinik bleiben. Auch die Bettlaken werden oft nicht gründlich gereinigt.“
Die Menschen erzählen, wie das Wasserholen Tag für Tag zu einem Kraftakt wird. Die meisten Familien holen ihr Wasser aus einem kleinen Rinnsal, das mit Bakterien und Ungeziefer verseucht ist. „In der Trockenzeit versiegt aber auch diese Quelle“, schildert Maza die aktuelle Situation, „dann müssen wir sehr früh am Morgen los, um rechtzeitig eine weitere entfernte Wasserstelle zu erreichen.“ Das kostet Frauen wie Maza viel Zeit und setzt vor allem ihre Gesundheit aufs Spiel, wie die 38-Jährige erzählt: „Nach einer Geburt gibt es oft nicht genug Wasser, damit sich die Mütter waschen können. Oft müssen sie bis zu 24 Stunden in ihren blutigen Kleidern in der Klinik bleiben. Auch die Bettlaken werden oft nicht gründlich gereinigt.“
Großprojekt für große Veränderung
Doch für Maza und mindestens 7.000 weitere Menschen ist Besserung in Sicht. Sie werden von einem Wasserversorgungssystem profitieren, das Menschen für Menschen in Tosa Falana aufbauen wird. Die versammelte Gemeinschaft ist sogar davon überzeugt, dass es bis zu 12.000 Menschen aus den umliegenden Dörfern sein werden. Auch bei einem solchen Großprojekt ist der Einsatz vieler Beteiligter gefragt, von den örtlichen Behörden bis zur Gemeinschaft, die sich beispielsweise an der Verlegung der Wasserrohre beteiligt und schließlich gemeinsam mit den Behörden die Verantwortung übernimmt: „Insgesamt sieht die Planung die Errichtung von sechs Entnahmestellen vor“, erklärt Mohammed Ahmed, der bei Menschen für Menschen als Ingenieur für Bewässerung und Wasserressourcen in Albuko für das Projekt verantwortlich ist.
„Um jede dieser Stellen wird sich ein eigenes Wasserkomitee kümmern“, erklärt Mohammed. So wird sichergestellt, dass die Anlage später von der Gemeinschaft selbst verwaltet und gewartet werden kann. Der entscheidende erste Schritt ist die Testbohrung. Sobald ein stabiler Wasserertrag bestätigt ist, folgt das Design der Anlage und die ersten baulichen Maßnahmen.
Gleichzeitig wird geprüft, ob hier im Hochland ein Solarsystem zum Einsatz kommen kann, um die Pumpe zu betreiben und das System unabhängig von teuren Treibstoffen zu machen. Bis ein solch umfangreiches Wasserprojekt fertiggestellt ist, ist es ein langer Weg. Aber er lohnt sich, denn mit dem sauberen Wasser kommt die Veränderung: Frauen und Mädchen sparen viel Zeit und Kraft beim Wasserholen und die Familien können das Wasser zum Beispiel für die Bewässerung von Gemüse nutzen, was zur Ernährungssicherheit beiträgt, und zusätzliches Einkommen ermöglicht.
„Um jede dieser Stellen wird sich ein eigenes Wasserkomitee kümmern“, erklärt Mohammed. So wird sichergestellt, dass die Anlage später von der Gemeinschaft selbst verwaltet und gewartet werden kann. Der entscheidende erste Schritt ist die Testbohrung. Sobald ein stabiler Wasserertrag bestätigt ist, folgt das Design der Anlage und die ersten baulichen Maßnahmen.
Gleichzeitig wird geprüft, ob hier im Hochland ein Solarsystem zum Einsatz kommen kann, um die Pumpe zu betreiben und das System unabhängig von teuren Treibstoffen zu machen. Bis ein solch umfangreiches Wasserprojekt fertiggestellt ist, ist es ein langer Weg. Aber er lohnt sich, denn mit dem sauberen Wasser kommt die Veränderung: Frauen und Mädchen sparen viel Zeit und Kraft beim Wasserholen und die Familien können das Wasser zum Beispiel für die Bewässerung von Gemüse nutzen, was zur Ernährungssicherheit beiträgt, und zusätzliches Einkommen ermöglicht.


Sauberes Wasser verändert Leben
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Sauberes Wasser verändert alles
Welche unmittelbare Wirkung sauberes Wasser auf das Leben der Menschen und vor allem vieler Frauen hat, bestätigt auch Estifanos Tayu. Der 30-Jährige ist Leiter der Geburtenabteilung im Gesundheitszentrum von Felana. „Sauberes Wasser ist entscheidend, um Mütter und Kinder ordentlich versorgen zu können. Allein, wenn wir uns ordentlich die Hände waschen können, vermeiden wir schon viele Infektionen. Aktuell ist es auch noch so, dass oft die Eltern der Mütter die Bettlaken mit nach Hause nehmen, um sie dort zu waschen“, verleiht er der Aussage Mazas Nachdruck.
Beim Besuch des Gesundheitszentrums ist die Geburtenstation an diesem Tag leer, doch insgesamt herrscht reges Treiben. Die dunklen Gänge füllen sich nach und nach mit Müttern, die ihre Kinder zur Impfung bringen. Am Eingang des Geländes suchen zahlreiche ältere Frauen und Männer Schutz im Schatten einer schlichten Blechhütte. Sie sind gekommen, um ihre Augen von Tegegn Fentaw untersuchen zu lassen, der in Albuko für die Gesundheitsmaßnahmen von Menschen für Menschen verantwortlich ist.
Beim Besuch des Gesundheitszentrums ist die Geburtenstation an diesem Tag leer, doch insgesamt herrscht reges Treiben. Die dunklen Gänge füllen sich nach und nach mit Müttern, die ihre Kinder zur Impfung bringen. Am Eingang des Geländes suchen zahlreiche ältere Frauen und Männer Schutz im Schatten einer schlichten Blechhütte. Sie sind gekommen, um ihre Augen von Tegegn Fentaw untersuchen zu lassen, der in Albuko für die Gesundheitsmaßnahmen von Menschen für Menschen verantwortlich ist.
Mit meinem besseren Auge kann ich gerade noch die Kaffeetasse vor mir sehen, aus der ich trinke.
Bei Zamu wurde grauer Star diagnostiziert

Mit Stock und Holz in ein neues Leben
Mit geübtem Blick führt Tegegn die Untersuchungen durch und verschreibt unter anderem Salben gegen Bindehautentzündungen oder antibiotische Mittel für die Behandlung von Trachom. Andere wiederum, wie etwa Zamu, erhalten einen Überweisungsschein. Sie benötigt eine Operation am grauen Star. „Auf dem linken Auge bin ich komplett blind“, erzählt die 75-Jährige. „Mit meinem besseren Auge kann ich gerade noch die Kaffeetasse vor mir sehen, aus der ich trinke.“
Doch wer denkt, Zamu hätte sich ihrem Schicksal ergeben, täuscht sich. Sie erzählt mit Stolz, dass sie trotz ihrer Sehschwäche darauf besteht, den Weg ins Gesundheitszentrum selbstständig zurückzulegen. Dafür habe sie ja ihren Stock, merkt sie mit einem verschmitzten Lächeln an. Es sind Begegnungen wie diese, die eine Projektreise so bedeutend machen: Wenn aus einer ernsten Unterhaltung durch eine kleine Geste oder Bemerkung ein besonderer Augenblick wird, der zeigt, dass hinter jeder Bilanz oder Statistik ein Mensch mit seiner Geschichte steht.
Doch wer denkt, Zamu hätte sich ihrem Schicksal ergeben, täuscht sich. Sie erzählt mit Stolz, dass sie trotz ihrer Sehschwäche darauf besteht, den Weg ins Gesundheitszentrum selbstständig zurückzulegen. Dafür habe sie ja ihren Stock, merkt sie mit einem verschmitzten Lächeln an. Es sind Begegnungen wie diese, die eine Projektreise so bedeutend machen: Wenn aus einer ernsten Unterhaltung durch eine kleine Geste oder Bemerkung ein besonderer Augenblick wird, der zeigt, dass hinter jeder Bilanz oder Statistik ein Mensch mit seiner Geschichte steht.

Zamu wird von Tegegn Fentaw auf Augenerkrankungen untersucht. Bei ihr wird grauer Star diagnostiziert.
So etwa auch Hussen, dessen Lebensweg symbolisch für das Ankommen in der Gemeinschaft steht. „Vor fünf Jahren wohnten wir noch einsam oben am Berg im Wald. Jetzt leben wir mitten unter den Menschen. Das finde ich sehr schön“, erzählt der freundliche Familienvater. Für Hussen bedeutet Gemeinschaft heute vor allem Verantwortung und Teilhabe. Er engagiert sich aktiv im Idir, dem sozialen Rückgrat Äthiopiens. In der Moschee bespricht er, wie man Bedürftigen helfen kann, oder schlichtet Spannungen im Dorf.
Es ist dieses Vertrauen der Menschen untereinander, das Albuko zusammenhält und die Basis dafür schafft, dass Familien heute mutig in die Zukunft planen können. Von seinem Nachbarn hat Hussen erstmals vom Wurmkompost erfahren, den Menschen für Menschen in der Region fördert. „Ich habe gesehen, wie sehr der Wurmkompost die Fruchtbarkeit der Erde verbessert“, freut er sich bereits darauf, dass bald auch in sein Wurmbeet die kleinen Helferlein einziehen werden. Auch seine Geschichte zeigt: Wenn Wege geebnet werden, entstehen Träume, die weit über den nächsten Tag hinausreichen.
Es ist dieses Vertrauen der Menschen untereinander, das Albuko zusammenhält und die Basis dafür schafft, dass Familien heute mutig in die Zukunft planen können. Von seinem Nachbarn hat Hussen erstmals vom Wurmkompost erfahren, den Menschen für Menschen in der Region fördert. „Ich habe gesehen, wie sehr der Wurmkompost die Fruchtbarkeit der Erde verbessert“, freut er sich bereits darauf, dass bald auch in sein Wurmbeet die kleinen Helferlein einziehen werden. Auch seine Geschichte zeigt: Wenn Wege geebnet werden, entstehen Träume, die weit über den nächsten Tag hinausreichen.
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