Eine Mechanikerin repariert ein Fahrzeug.

Ein Mensch für Menschen

Bezawit Fikadu

Ein fokussierter Blick unter die Motorhaube, die Hände routiniert an der komplexen Technik: Wenn Bezawit Fikadu in der Werkstatt des Projektkoordinierungsbüros zur Tat schreitet, wird schnell klar, dass hier Professionalität und Leidenschaft am Werk sind.
Ohne sie läuft wortwörtlich nichts: Die Mechaniker:innen von Menschen für Menschen sorgen dafür, dass Projektautos, Lieferwägen und LKWs gut gewartet ihren Dienst antreten können. Der reibungslose und sichere Transport ist das Um und Auf für die Arbeit in den Projektregionen. Nur so können etwa Baumaterialien, Saatgut und Fachpersonal in noch so entlegene Dörfer gelangen.

In der Werkstatt im Projektkoordinierungsbüro in Addis Abeba sorgt Bezawit dafür, dass die Fahrzeuge der Organisation stets einsatzbereit sind. „Ich habe früher schon zu Hause kleine Reparaturen erledigt, etwa an Öfen oder Türgriffen“, erinnert sie sich an ihre ersten eigenen Gehversuche in der Technik. „Mein Bruder hat eine kleine Schweißerei und mir einiges beigebracht.“
Mechaniker:innen der Werkstatt des Projektkoordinationsbüros in Addis Abeba reparieren ein Fahrzeug.
Bezawit und ihre Kollegen im in der Werkstatt des Projektkoordinationsbüros in Addis Abeba.

Von der Bäckerei in die Werkstatt

Ein entscheidender Wendepunkt kam dann an unerwarteter Stelle: „Nach der Schule habe ich in der Bäckerei meiner Schwester ausgeholfen. Einer unserer Stammkunden erzählte mir dann von den Ausbildungsmöglichkeiten im ATTC in Harar“, berichtet die 27-Jährige vom entscheidenden Hinweis.

Das ATTC (Agro-Technical Training College) ist eine praxisorientierte Ausbildungsstätte mit Fokus auf technische Berufe, die 1992 von Menschen für Menschen gegründet wurde. Die Ausbildung dort legte den Grundstein für Bezawits Karriere. „Im College habe ich neben dem theoretischen Wissen vor allem viel praktische Erfahrung gesammelt. Aber es hat mich auch persönlich sehr geprägt. Die Ausbildung hat mich Disziplin gelehrt und auch mein Selbstvertrauen gestärkt“, berichtet sie stolz.

Ich ermutige junge Frauen, an sich selbst zu glauben, hart zu arbeiten und keine Angst davor zu haben, technische Berufe zu ergreifen.

Bezawit Fikadu, Mechanikerin bei Menschen für Menschen Äthiopien

Eine Mechanikerin steht in der Werkstatt des Projektkoordinationsbüros in Addis Abeba; im Hintergrund sind die Fahrzeuge zu sehen, die repariert werden müssen.

Mit Vorbildfunktion voraus

Dass sie im Bereich Automobiltechnik arbeitet, stieß anfangs auf Skepsis. „Mechanik wird oft als männlich dominiertes Feld angesehen, aber meine Erfahrung war sehr positiv. Diese Arbeit hat mir geholfen, persönlich zu wachsen und in meine Fähigkeiten zu vertrauen“, blickt sie heute zufrieden auf ihre Entscheidung zurück und möchte anderen ein Vorbild sein: „Ich ermutige junge Frauen, an sich selbst zu glauben, hart zu arbeiten und keine Angst davor zu haben, technische Berufe zu ergreifen“, betont sie.

Wie entscheidend Bezawits Know-how für den Projekterfolg ist, zeigte ein besonderes Erlebnis bei der Umsetzung des Wasserversorgungsprojekts in Jarre: Als es dort ein technisches Problem mit der Bohranlage gab, übernahm sie die fachgerechte Instandsetzung. „Nachdem ich die Maschine repariert hatte, erstellte ich einen Bericht über die grundlegenden Probleme und welche praktische Lösung es dafür gibt“, berichtet sie. Dass ihre Empfehlungen direkt umgesetzt wurden, gab ihr Vertrauen in ihr Können. „Ich habe gesehen, dass meine Arbeit echte und direkte Wirkung hat und durch sie die Projekte wieder reibungslos weiterlaufen können.“

Antrieb für die Gemeinschaft

Diese Momente sind es, die Bezawit besonders motivieren. „Mich erfüllt es mit viel Freude, wenn ich ein technisches Problem lösen kann und eine Maschine durch meine Arbeit wieder richtig funktioniert“, beschreibt sie ihre Leidenschaft für das Handwerk. „Besonders stolz bin ich aber, dass ich meine Expertise in eine Organisation einbringen kann, die so viel Positives im Leben der Menschen bewirkt. Das gibt mir die Möglichkeit, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben,“ ergänzt sie mit einem strahlenden Lächeln.

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