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Eine Frau erntet eine

Die "falsche Banane" macht einen echten Unterschied.

Alles Banane?

Im Dorf Sogodo dreht sich heute alles um die Banane, oder besser gesagt, um die Ensete, auch falsche Banane oder Zierbanane genannt. Zwar ist die Frucht der „falschen Banane“ nicht essbar, aber viele anderen Teile der Ensete können zu schmackhaften und nährstoffreichen Gerichten verarbeitet werden. 32 Frauen aus dem Dorf haben sich nun versammelt, um am Ensete-Kochkurs von Menschen für Menschen teilzunehmen. Sie lernen hier, wie man aus den Blattstämmen der Pflanze wertvolles Bananenmehl gewinnen kann.
Gespannt hören die Frauen zu, als Kursleiterin Abarash erklärt, wie die großen grünen Blätter der Pflanze richtig abgetrennt werden, um an deren stärkehaltiges Innere zu gelangen. Danach werden die kohlenhydratreichen Fasern der Blattstämme mit einem Holzwerkzeug abgeschliffen, in einen Korb aus geflochtenen Ensete-Blättern gelegt und für einige Wochen in einem Erdloch fermentiert. Vermischt mit Weizenmehl, lässt sich daraus dann beispielsweise das äthiopische Fladenbrot Injera backen – ein Grundnahrungsmittel für viele Familien in Äthiopien. Obwohl die Arbeit anstrengend ist, haben die Frauen sichtlich Spaß und sind mit großem Eifer bei der Sache. Viele Frauen nutzen die Gelegenheit auch gleich, um sich von Abarash Tipps über die richtige Ernährung in der Schwangerschaft abzuholen und sich über Kindergesundheit auszutauschen.
In einem Kochkurs lernen die Frauen in Sogodo verschiedene Verwendungsmöglichkeiten der Ensete kennen.
Die in Äthiopien so typische „falsche Banane“ Ensete liefert unter anderem Bananenmehl, das zu Fladenbrot verarbeitet wird.

Steigende Lebensmittelpreise

Für die Frauen aus Sogodo ist das Wissen über die Verarbeitungsmöglichkeiten von Ensete und anderen Obst- und Gemüsesorten eine wertvolle Unterstützung für ihren oft sehr schwierigen Alltag. Denn in den vergangenen Monaten sind die Lebensmittelpreise aufgrund der Coronapandemie spürbar gestiegen. Und damit auch die Sorge der Frauen, wie sie ihre Familien satt bekommen. Gerade jene, die schon unter normalen Umständen kaum über die Runden kommen, sind von diesen Verteuerungen stark betroffen und ohnehin schon schwierige Lebenssituationen verschlimmern sich.

So geht es auch der Ensete-Kochkursteilnehmerin Ruse. Die sechsfache Mutter verdient ihr schmales Einkommen mit dem Verkauf von Gewürzen auf dem Markt. Vor Ausbruch der Pandemie konnte sie damit monatlich noch rund 1.000 Birr verdienen, momentan sind es weniger als 500 Birr (500 Birr entsprechen knapp 10 Euro). „Die Preise für Getreide, Gewürze und viele andere Produkte sind seit Ausbruch der Pandemie stark gestiegen. Vieles kann ich mir jetzt nicht mehr leisten. Eine Zeitlang war das Geld so knapp, dass ich meine Kinder nur mit geröstetem Getreide und gekochten Kartoffeln versorgen konnte“, erzählt die sechsfache Mutter.
Ruse und ihre Kinder stehen vor ihrem Haus.
Ruse kann heute ihrer Familie aus dem eigenen Gemüsegarten ein gutes Mahl zubereiten.

Hoffnung aus dem Gemüsegarten

Um ihre Familie zu versorgen, baut die Witwe in einem kleinen Garten Mais und – seit sie mit Menschen für Menschen zusammenarbeitet – auch ein wenig Gemüse und Ensete an. Ruses Tochter Kifle freut sich über die neue, vitaminreiche Kost aus dem Garten: „Am liebsten esse ich Karotten, rote Rüben, Avocado und Äpfel,“ zählt sie auf. Der Anbau von eigenem Obst und Gemüse wird die Familie in Zukunft nicht nur mit wichtigen Vitaminen versorgen, sondern bedeutet auch Unabhängigkeit und schafft Perspektiven. Denn die Möglichkeiten sich und seine Lieben selbst versorgen zu können und unabhängig von den Preisen am Markt zu sein, macht gerade vor dem Hintergrund der Coronapandemie einen großen Unterschied.

Wenn der Eigenbedarf der Familien ausreichend mit Obst und Gemüse gedeckt ist, können Überschüsse der Ernte auf dem Markt verkauft werden und so für ein zusätzliches Einkommen sorgen. „Ich wünsche mir, dass ich meinen Kindern eine gute Schulausbildung ermöglichen kann, damit sie sich einmal eine gute Zukunft aufbauen können“, erzählt Ruse von ihrem größten Wunsch. Und wenn wir uns ansehen, wie viel die sechsfache Mutter bereits erreicht hat, sind wir uns sicher, dass sich dieser Wunsch erfüllen wird.
Vier Frauen verarbeiten
Zur Fermentierung wird Ensete in Blätter gehüllt und vergraben.

Ensete – Wunderpflanze gegen Hunger?

Mehr als 100 Millionen Menschen könnte der Einsatz der „falschen Banane“ Ensete Ernährungssicherheit bieten. Zu diesem Schluss kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie von Forscher:innen aus Äthiopien bzw. Großbritannien. Sie untersuchten das Potential zur weiteren Verbreitung der Pflanze über die Grenzen Äthiopiens hinaus, wo sie vor allem im Südwesten ein Grundnahrungsmittel darstellt. Im südlichen und östlichen Afrika wären demnach die klimatischen Bedingungen für den Anbau von Ensete geeignet. Insbesondere in den Monaten vor der Erntezeit – wenn die Getreidespeicher leer und viele Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind – könnte der Anbau von Ensete ihnen Ernährungssicherheit bieten.

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