Mit Mut und Überzeugung für die Menschen in Äthiopien: Berhanu Negussie erhält Bundesverdienstkreuz

„Ihre Überzeugung und ihr Mut machen Sie zu einem echten Vorbild für Menschen in Äthiopien und weltweit“, mit diesen Worten verlieh die deutsche Botschafterin Brita Wagener – stellvertretend für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – Berhanu Negussie, Landesrepräsentant von Menschen für Menschen in Äthiopien, das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Auszeichnung wurden Negussies jahrzehntelanges Engagement und sein großer Beitrag für die Menschen in Äthiopien gewürdigt.

 

Eine Frau überreicht einem äthiopischen Mann eine Urkunde.
Botschafterin Brita Wagener überreicht Berhanu Negussie das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland in der Deutschen Botschaft in Addis Abeba.

 

„Ato Berhanu inspiriert uns nicht nur täglich durch sein unermüdliches Engagement, sondern vor allem durch seine Fähigkeit Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Lebensweisen zu bauen sowie Verständnis füreinander zu schaffen. Wie kaum ein anderer lebt uns Berhanu die Werte von Menschen für Menschen jeden Tag vor. Durch seinen Einsatz hat er das Leben zahlreicher Menschen berührt und zum Besseren verändert. Berhanu zeigt uns immer wieder, wie viel durch Solidarität, Beharrlichkeit und Kreativität – auch angesichts großer Herausforderungen – erreicht werden kann. Diese Auszeichnung ist eine wohlverdiente Anerkennung für Berhanus Arbeit und eine große Freude für die gesamte Organisation Menschen für Menschen“, sagt Rupert Weber, Vorstand von Menschen für Menschen Österreich.

Negussies Weg bei Menschen für Menschen führt bis in die Entstehungstage der Organisation zurück. Negussie war der erste Mitarbeiter von Gründer Karlheinz Böhm und wurde bald zu dessen Freund und engstem Vertrauten bei der Arbeit in Äthiopien. Anfangs war Negussie als Böhms Dolmetscher und Fahrer tätig, schon bald übernahm er jedoch weitere Aufgaben. Seit bereits achtzehn Jahren ist Berhanu Negussie heute Landesrepräsentant von Menschen für Menschen in Äthiopien und leitet eine Organisationseinheit mit rund 640 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

 

Eine Gruppe Menschen lächelt in die Kamera.
Menschen für Menschen freut sich über das Bundesverdienstkreuz für Berhanu Negussie (v.l.n.r.): Peter Renner (Vorstand der deutschen Stiftung), Berhanu Negussie (Landesrepräsentant Äthiopien), Benjamin Freiberg (stv. Landesrepräsentant), Brita Wagener (Botschafterin), Dr. Sebastian Brandis (Sprecher des Vorstands der deutschen Stiftung), Mulugeta Kifle (Leiter Finanzen Äthiopien)

 

Über seine Beziehung zu Karlheinz Böhm erzählte Berhanu Negussie vor kurzem im Interview mit der Main Post: „Ich hatte viele Diskussionen mit ihm. Karl wusste, dass er die Tradition, die Kultur, den Glauben der Menschen respektieren musste. Er hat niemals versucht, den Bauern etwas aufzudrängen, sondern ihnen eine Veränderung in Aussicht gestellt. Darüber wurde dann intensiv diskutiert.“ Die jahrelange, enge Zusammenarbeit zwischen Negussie und Böhm war geprägt von gegenseitigem Respekt und Sympathie. „Karl machte mich zu der Persönlichkeit, die ich heute bin“, erzählte Negussie 2019 im Gespräch mit der Kronen Zeitung.

Insbesondere das Verständnis der Menschen füreinander ist Negussie ein großes Anliegen bei seiner Arbeit. Er selbst versteht sich als Vermittler zwischen den Spenderinnen und Spendern in Deutschland und Österreich und den Menschen in Äthiopien. In Äthiopien hat sich Negussie stets mit großem Engagement für die Familien in den Projektregionen von Menschen für Menschen eingesetzt und nahm dabei zum Teil auch erhebliche Gefahren in Kauf.

„Seit 2013 arbeite ich nun mit Ato Berhanu zusammen“, sagt Peter Renner, Vorstand der Menschen für Menschen Stiftung in Deutschland. „Stets hat mich seine offene, warmherzige Art sowie sein wacher und für Veränderungen bereiter Geist beeindruckt.“

 

Zwei Männer lachen in die Kamera.
Zwischen Berhanu Negussie und Karlheinz Böhm entstand über die Jahre ein enges Vertrauensverhältnis.

 

Vom Übersetzer zum Landesrepräsentanten

Berhanu Negussie Woldemikael wird 1955 in Audigdig bei Harar im Osten Äthiopiens geboren und wächst dort in einer Bauernfamilie mit vier Brüdern und vier Schwestern auf. Während er auf die Sekundarschule geht, wird der Kaiser gestürzt und das Derg-Regime kommt an die Macht. Negussie besucht danach das College in Harramaya, wo er Soziale Arbeit studiert und gleichzeitig als Sozialarbeiter beim Deutschen Leprahilfswerk tätig ist.

Negussie arbeitet in einer Leprastation im Erer-Tal, als er 1981 Karlheinz Böhm kennenlernt. Der Schauspieler hat soeben durch seinen Auftritt in der TV-Sendung „Wetten, dass..“ 1,2 Millionen D-Mark an Spendengeldern erhalten und sucht einen Übersetzer, der ihn bei seinen ersten Besuchen in einem Flüchtlingslager in Babile unterstützt. Negussie wird schnell unverzichtbar für Böhm und wechselt wenig später fest zu Menschen für Menschen.

 

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und blättert in seinen Akten.
Seit 2002 ist Berhanu Negussie Landesrepräsentant von Menschen für Menschen in Äthiopien.

 

„Viele meiner Freunde haben nicht verstanden, dass ich meinen sicheren Job aufgab. Sie waren überzeugt, dass es die Organisation nach ein bis zwei Jahren nicht mehr geben würde“, erzählt der heute 64-Jährige. „Mich hingegen hat beeindruckt, dass ein erfolgreicher europäischer Schauspieler sein bisheriges Leben aufgibt, um Menschen in Äthiopien zu helfen.“

1984 wird er „Resident Representative“ im Erer-Tal, dem ersten Projektgebiet von Menschen für Menschen. 1992 übernimmt er die Position des Verwaltungsleiters am Agro Technical and Technology College (ATTC) in Harar, von 1996 an ist Negussie als Projektleiter für die Projektgebiete Merhabete, Mida und Derra zuständig, ehe er 2001 in die Zentrale in der Hauptstadt Addis Abeba wechselt.

2002 übernimmt Berhanu Negussie das Amt des Landesrepräsentanten von Menschen für Menschen in Äthiopien, welches er bis heute innehat.

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