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Eine Gruppe Mütter mit ihren Babys bei einer Impfaktion vor einer Gesundheitsstation in Äthiopien

Nagaya Magazin 3/2023

Hauptsache gesund

Das NGO-Magazin zu aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklung

Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe

  • Entwicklung ist die beste Medizin – ein Bericht aus Albuko
  • Gesundheitsversorgung im ländlichen Äthiopien
  • Im Gespräch: Hayat Mohammed, Leiterin der Gesundheitsprojekte

Entwicklung ist die beste Medizin

In der neuen Projektregion Albuko gehört der Mangel zum Alltag. Bei der medizinischen Versorgung wird das besonders deutlich. Die engagierten Gesundheitsmitarbeiter:innen stehen täglich vor großen Herausforderungen, um mit einfachen Mitteln möglichst vielen Menschen zu helfen.

Bevor Menschen für Menschen die Arbeit in einer Region aufnimmt, wird eine Bestandsaufnahme gemacht: Wie ist es um die Wasserversorgung bestellt? Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung aus? Haben die Leute sanitäre Einrichtungen? Dies sind nur ein paar der Fragen, die eine erste Untersuchung vor Ort beantworten soll und damit die Grundlage für die weitere Projektplanung bietet. Die vorab durchgeführten Studien in der neuen Projektregion Albuko zeigen, dass nur etwa die Hälfte der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser und nur ein Viertel zu sanitären Einrichtungen hat.

Mangel an allen Ecken
Insgesamt gibt es in Albuko nur vier Gesundheitszentren und 18 Gesundheitsstationen für über 104.000 Menschen. Diese Einrichtungen haben gemein, dass sie kaum mit dem Nötigsten ausgestattet und oft in sehr desolatem Zustand sind. Das bestätigt auch Aregash Yimar, die in einer Gesundheitsstation in der Gemeinde Tulu Tosa beschäftigt ist: „In den Gesundheitsstationen mangelt es an allem: an Medikamenten, Verhütungsmitteln und einer angemessenen medizinischen Ausrüstung. Außerdem gibt es keinen Strom oder sauberes Wasser. Selbst die Behandlung einfacher Fälle ist hier eine Herausforderung“, beklagt Aregash die vielfältigen Probleme, mit denen sie in ihrer Arbeit konfrontiert ist. Seit 15 Jahren ist sie bereits im Gesundheitsbereich tätig. Sie ist für die Menschen in der entlegenen Gemeinde erste Ansprechperson für allerlei Beschwerden. „Durchfallerkrankungen kommen am häufigsten vor, was mit der schlechten Wasserversorgung zusammenhängt. Trachom und Tuberkulose sind ebenfalls weit verbreitet“, erläutert Aregash. „Infektionen sind vor allem für Kleinkinder besonders gefährlich. Viele in der Region sind chronisch unterernährt, was dazu führt, dass sie in ihrer Entwicklung zurückbleiben.“
Eine Gesundheitsmitarbeiterin steht vor einer Gesundheitsstation im ländlichen Äthiopien
In der Gesundheitsstation, die Aregash Yimar betreut, mangelt es an Medikamenten, Impfstoffen und einer grundlegenden medizinischen Ausstattung.
Impfungen für die Kleinsten
Durch Unter- und Mangelernährung geschwächte Kinder sind besonders anfällig für Krankheiten wie Masern oder Keuchhusten, die sich durch Impfungen leicht vermeiden lassen. „Ich bin hier unter anderem für die Durchführung des Impfprogramms für Kinder zuständig“, erklärt Aregash. „Die Versorgung mit Impfstoffen ist leider nicht ausreichend, aber ich versuche tagtäglich, bestmöglich zu helfen.“ Gut ein halbes Dutzend Frauen ist an diesem Tag gekommen, um ihre Kinder impfen zu lassen. Eine von ihnen ist Fatuma, die ihren zwei Monate alten Sohn unter anderem gegen Polio, Diphtherie und Keuchhusten impfen lässt. Für die junge Mutter ein Angebot, das sie selbstverständlich annimmt: „Ich habe gelernt, dass die Impfung meine Kinder vor ansteckenden Krankheiten schützt. In meiner Gemeinde leisten die Gesundheitsmitarbeiter gute Arbeit hinsichtlich der Aufklärung zu gesundheitlichen Fragen und Hygienemaßnahmen.“
Eine Mutter hält ihr Baby am Schoß während es eine Impfung bekommt
In Albuko sind viele Kleinkinder von Mangelernährung betroffen. Das macht sie anfällig für Krankheiten. Impfungen schützen die Kleinen.
Ursachen bekämpfen
Die grundlegende Bewusstseinsbildung ist ein wichtiges Fundament für die weitere Entwicklung bis in die entlegensten Dörfer hinein. Denn so können die Ursachen der Krankheiten vermieden werden, statt nur Symptome zu bekämpfen. Der guten Arbeit des Gesundheitspersonals ist es zu verdanken, dass Fatuma auch in einem anderen wichtigen Bereich ein Vorbild in ihrer Gemeinde ist: „Ich sorge dafür, dass meine Familie sauberes Wasser zum Trinken und für die Hygiene bekommt, auch wenn es mühsam ist. Zur nächsten geschützten Wasserstelle bin ich eine Stunde zu Fuß unterwegs. Der Rückweg mit dem schweren Kanister dauert meist länger. Zwei Mal am Tag nehme ich die Strapazen auf mich. Nur so kann ich meine Familie vor vermeidbaren Krankheiten schützen.“ Gäbe es einen Brunnen in der Nähe von Fatumas Dorf, würde sie sich mehr als vier Stunden Fußweg und viel Kraft sparen, die sie auf andere Weise nutzen könnte, etwa um an einem Kurs oder dem Mikrokreditprogramm teilzunehmen. Um Frauen wie Fatuma diese Möglichkeit zu eröffnen, wird Menschen für Menschen in der ersten Projektphase fünf Brunnen errichten.

Mit dem verbesserten Zugang zu sauberem Trinkwasser – und damit zu besseren Hygienemaßnahmen – geht eine Krankheit zurück, die besonders die Menschen im ländlichen Äthiopien noch stark betrifft: Trachom, eine durch Bakterien verursachte Augenkrankheit, die zu einer schmerzhaften Erblindung führen kann.
Ein Gesundheitsmitarbeiter von Menschen für Menschen untersucht eine ältere Person am Auge
Menschen für Menschen führt regelmäßig Schwerpunkttage durch, an denen zum Beispiel die Augengesundheit im Mittelpunkt steht.
Rund 75 Millionen Menschen sind in Äthiopien dem Infektionsrisiko ausgesetzt. Bleibt die Krankheit unbehandelt, dreht sich das Augenlid nach innen und die Wimpern beginnen die Hornhaut zu zerkratzen. In diesem schmerzvollen Stadium befindet sich auch Damisie, der zur Abklärung seines Zustands in das Gesundheitszentrum von Neti gekommen ist. Regelmäßig organisiert Menschen für Menschen Schwerpunkttage in den medizinischen Einrichtungen. Diese finden großen Anklang bei der Bevölkerung und so sind zahlreiche, vor allem ältere Frauen und Männer angereist, um sich in Neti untersuchen zu lassen. „Ich leide schon länger unter großen Schmerzen am Auge. Es ist oft gerötet und tränt“, klagt Damisie Gesundheitsmitarbeiter Tegegn Fentaw sein Leid. „Ich kann mich nicht mehr um meinen Hof kümmern. Allein unterwegs zu sein ist nicht mehr möglich, weil ich kaum noch was sehe. Ständig muss mich jemand begleiten.“ Durch die Krankheit hat sich das Leben des 70-Jährigen immer weiter verschlechtert. Sogar seine Frau habe ihn verlassen, weil er die Familie nicht mehr versorgen konnte.

Symptome lindern
Erleichterung in allen Bereichen bringt eine kleine Operation, bei der das Augenlid nach außen gedreht wird, sodass die Wimpern nicht mehr auf dem Auge kratzen. Durchgeführt wird diese von Gesundheitsmitarbeiter Tegegn Fentaw selbst, der bereits seit zehn Jahren für Menschen für Menschen tätig ist. Der Eingriff dauert etwa 15 Minuten und wenige Wochen später hat Damisie nur das Beste darüber zu berichten: „Es tat gar nicht weh und ich fühlte mich gleich danach viel besser. Ich bin sehr glücklich!“ Durch den Eingriff, der ihm die Schmerzen genommen und das Augenlicht gerettet hat, blickt Damisie wieder hoffnungsvoll in die Zukunft: „Ich kann wieder auf meinem Hof arbeiten und finde mich wieder allein zurecht. Es ist, als wäre ich neu geboren worden.“
Ein Gesundheitsmitarbeiter von Menschen für Menschen mit einem älteren Mann der nach einer Trichiasis-Operation einen Verband am Auge trägt
Gesundheitsmitarbeiter Tegegn Fentaw mit Damisie, der durch einen kurzen Eingriff vor einer schmerzhaften Erblindung geschützt wurde.
Traum von Veränderung
Hoffnungsvoll gibt sich auch Gesundheitsmitarbeiterin Aregash: „Ich bin vielleicht eine Träumerin, aber ich wünsche mir so sehr, dass es in Albuko irgendwann ein richtiges Krankenhaus geben wird und die Menschen auch in den entlegenen Regionen eine ordentliche medizinische Versorgung vorfinden.“ Eines der größten Probleme stellen hierbei noch fehlende Straßen und Zufahrtswege dar. Die Dörfer liegen oft so abgelegen, dass sie für Ambulanzfahrzeuge unerreichbar sind. Kranke Menschen müssen weite Strecken zurücklegen oder von Angehörigen oder Nachbar:innen auf Tragen zur nächsten Gesundheitseinrichtung gebracht werden. Besonders schwer trifft das noch immer Mütter bei der Geburt: „Viele Kinder sterben während der Geburt, weil die Mütter beziehungsweise die Babys nicht zeitgerecht Hilfe erhalten.“ Auch die Müttersterblichkeit ist in Äthiopien noch hoch: bei 100.000 Geburten sterben jährlich etwa 270 Mütter – etwa 50-mal so viele wie in Österreich. Aber trotz dieser dramatischen Zahl, bleibt die Hoffnung auf Veränderung: Denn die Müttersterblichkeit konnte in Äthiopien in den vergangenen zehn Jahren halbiert werden. Das zeigt, dass sich im Land bereits vieles zum Besseren verändert. Auch dank des Engagements von Menschen wie Aregash und Tegegn, die jeden Tag wichtiges Wissen und medizinische Versorgung bis in den letzten Winkel von Albuko bringen.

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Martina Hollauf von Menschen für Menschen

Martina Hollauf

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