Ein Mann mit Schutzmaske überreicht einer Frau eine Schutzmaske.

Corona-Tagebuch

16.04.2020: „Aufklärung statt Freizeichen.“

Corona-Tagebuch

An dieser Stelle berichtet unser Kollege Henning Neuhaus regelmäßig über die Lage in Addis Abeba sowie unseren Projektgebieten und beschreibt, wie sich der Alltag in Äthiopien aufgrund des Virus verändert.
Henning Neuhaus, der zusammen mit Muluneh Tolesa für die PR-Arbeit von Menschen für Menschen in Äthiopien zuständig ist, lebt seit 2018 in Addis Abeba und ist dort einer von nur drei nicht-äthiopischen Mitarbeitern im Project Coordination Office (PCO). Der Großteil der MitarbeiterInnen des Büros in Addis Abeba arbeitet mittlerweile aus dem Homeoffice.
Seit dem ersten bestätigten Fall einer Covid-19-Infektion in Äthiopien am 12. März ist nun etwas mehr als ein Monat vergangen. Inzwischen haben wir 85 bestätigte Fälle und es ist zu erwarten, dass die Zahlen weiter steigen werden. Jedem hier im Land ist bewusst, dass eine Masseninfektion wie in vielen anderen Ländern unbedingt vermieden werden muss. Um den Menschen Hygiene und die Wichtigkeit von sozialer Distanz im ganzen Land bewusst zu machen, braucht es vor allem eines: Aufklärung.

Aufklärung statt Freizeichen

Ich war ziemlich überrascht darüber, dass Ethio Telecom, der staatliche und einzige Mobilfunkanbieter, schon in der ersten Woche von Corona in Äthiopien eine simple aber geniale Idee hatte, um auch in den tiefsten Winkel dieses Landes jeden über Covid-19 zu informieren. Bei jedem Telefonanruf – egal ob mobil oder Festnetz – wurde das klassische Freizeichen durch eine automatische Ansage auf Amharisch ersetzt, die über Symptome von Covid-19, Prävention und Hilfe über informiert.

Information per Megaphon

Aber natürlich reicht das nicht, denn besonders in ländlichen Gebieten, gibt es auch viele Menschen die kein Mobiltelefon besitzen. Ich habe aus dem Menschen für Menschen-Projektgebiet Abune Ginde Beret ein Video geschickt bekommen, das zeigt, wie einer meiner Kollegen mit einem Megaphon durch eine ziemlich leere Ortschaft läuft und über Coronavirus informiert. Als ich mir dieses Video zum ersten Mal ansah, war ich wirklich überrascht darüber, wie leer die Straße im Ort ist. Es scheint so, dass das Motto #stayathome in Abune Ginde Beret ziemlich ernst genommen wird.

Einkommensquelle darf nicht versiegen

Anders sieht es offenbar im Projektgebiet Dano aus. Gestern rief ich den stellvertretenden Projektmanager Tesfa an und er erzählte mir, dass gestern mal wieder Markttag in Ijaji war und es wie gewohnt prall gefüllt mit Bauern aus der gesamten Region war. Diese Menschen können auf ihre oft einzige Einkommensquelle kaum verzichten.
Ein Mann mit Schutzmaske überreicht einer Frau eine Schutzmaske.
Anfang April erreichte eine Lieferung an Schutzmaterial unsere Projektregionen. Agegnehu, Leiter der Gesundheitsprojekte in der Region Jeldu überreicht Sekretärin Regatu Desinfektionsmittel und Schutzmaske.

Ostern im kleinen Kreis

An diesem Freitag beginnt hier in Äthiopien das orthodoxe Osterfest, einer der höchsten Feiertage und normalerweise Anlass, Familie und viele Freunde zu treffen und zusammen zu feiern. Zusammenkünfte mit mehr als vier Personen sind durch den in der letzten Woche verhängten Ausnahmezustand jedoch verboten. In Addis werden Zuwiderhandlungen gegen die neuen Versammlungsverordnungen mit hohen Geldstrafen und bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft.

Die Äthiopier, mit denen ich mich in letzten Tagen unterhalten habe, meinten, dass sie dieses Osterfest nur im engsten Kreis der Familie feiern werden. Es werden nicht wie sonst Ochsen geschlachtet und auch die Großfamilie wird nicht zusammenkommen. So ein Osterfest gab es meines Wissens noch nie in der äthiopischen Geschichte. Ich werde euch am Montag dann meine Eindrücke schildern.
- Henning Neuhaus, Menschen für Menschen, aus Addis Abeba
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