Corona-Tagebuch

06.05.2020: „Ramadan ganz anders – aber das Wesentliche bleibt.“

Corona-Tagebuch

An dieser Stelle berichtet unser Kollege Henning Neuhaus regelmäßig über die Lage in Addis Abeba sowie unseren Projektgebieten und beschreibt, wie sich der Alltag in Äthiopien aufgrund des Virus verändert.
Henning Neuhaus, der zusammen mit Muluneh Tolesa für die PR-Arbeit von Menschen für Menschen in Äthiopien zuständig ist, lebt seit 2018 in Addis Abeba und ist dort einer von nur drei nicht-äthiopischen Mitarbeitern im Project Coordination Office (PCO). Der Großteil der MitarbeiterInnen des Büros in Addis Abeba arbeitet mittlerweile aus dem Homeoffice.
Religion spielt im Leben der Menschen in Äthiopien eine überaus große Rolle und die jeweiligen religiösen Feste werden immer intensiv zelebriert. Sei es das orthodoxe Osterfest, welches vor drei Woche von den ChristInnen im Land gefeiert wurde, oder nun der Fastenmonat Ramadan. Immerhin sind knapp 34 Prozent der ÄthiopierInnen muslimischen Glaubens. Wie das Osterfest, ist auch der Ramadan in diesem Jahr stark durch Covid-19 beeinträchtigt. Daher habe ich mich gefragt, wie die MuslimInnen in Äthiopien diesen wichtigen Fastenmonat in Zeiten der Pandemie verbringen.

Beste Kaffeeköchin von Bole Bulbula

Als ich heute im Büro war, habe ich direkt unsere liebe Kollegin Bizu gefragt, wie es ihr ergeht. Bizu macht nicht nur den besten Kaffee von Bole Bulbula, sie ist auch immer für einen Scherz zu haben und wir lachen viel und gerne zusammen. Als ich mir dann meinen üblichen Morgenkaffee bei Bizu einschenke, kommen wir ins Gespräch über den Ramadan.
Frau kocht Kaffee mit Mundmaske
Bizu ist im Menschen für Menschen Projekt-Koordinationsbüro (PCO) in Addis Abeba als beste Kaffeeköchin bekannt.

Alles ganz anders

„Es ist schon alles anders als sonst. Wie alle Kirchen im Land, ist auch unsere Moschee schon seit Ende März geschlossen. Wir beten nur noch zu Hause und ich vermisse das gemeinsame Freitagsgebet in der Moschee“, erzählt Bizu, während sie eine neue Kanne Kaffee aufsetzt. Ich frage sie, wie es nun während des Ramadans ist, wo eigentlich zum täglichen Fastenbrechen, dem „Iftar“, viele Menschen zusammenkommen und gemeinsam essen? Bizu sagt, dass sie und ihre Familie normalerweise während des Ramadans die Armen aus ihrem Viertel zum gemeinsamen abendlichen Fastenbrechen einladen.

Gemeinsam organisieren für die Armen im Viertel

Jetzt können wir das natürlich nicht so machen. Es ist ja gerade nicht möglich, so viele Menschen auf einmal bei uns im Haus haben, weil das ja auch gegen die Regularien der Regierung verstößt. Daher haben wir uns im Viertel organisiert und verteilen Lebensmittel und etwas Geld an die ärmeren Familien in unserer Nachbarschaft, damit diese auch mit ihren Familien „Iftar“ zelebrieren können.
Bizu und ihre Familie besinnen sich zu Ramadan auf das Wesentliche und unterstützen die Armen in ihrer Nachbarschaft.

Besinnung auf das Wesentliche

Während ich mir schon die zweite Tasse Kaffee gönne, erzählt mir Bizu, dass es beim Ramadan besonders darum geht, gemeinsam mit allen – egal ob reich oder arm – das Fasten zu brechen und sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen. „Dass wir das in diesem Jahr nicht so feiern können wie sonst, ist sehr schade. Aber ich bete dafür, dass wir alle das gut und heil überstehen und nächstes Jahr alles wieder wie gewohnt stattfinden kann.“

Nach unserem Gespräch möchte ich noch ein Foto von Bizu machen und wir lachen wieder, weil sie sagt: „Henning, man sieht doch gar nichts von mir auf dem Bild!“
- Henning Neuhaus, Menschen für Menschen, aus Addis Abeba
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