Aus jedem einzelnen Spenden-Euro werden 27!

 

Die Frauen aus dem Washa Catchment und der Return on Investment Ihrer Spende

Eine Gruppe Frauen hat sich vor einer Lehmhütte in einem abgelegenen Talkessel, dem Washa Catchement, in der Projektregion Ginde Beret versammelt. Das Gebiet ist so abgelegen, dass bis in die Siebziger Jahre hier sogar eine Lepra Station betrieben wurde –  als „land locked“ werden derartige Regionen bezeichnet, da sie keine Anbindung an eine öffentliche Infrastruktur haben.

Die versammelten Frauen diskutieren eifrig über die Frage wie sich ihr Leben in den letzten Jahren verändert hat, seit Menschen für Menschen in der Region tätig ist. Ihre übereinstimmende Antwort „Alles“ begleitet von einem breiten Lächeln.

Die Frage wurde von zwei jungen Wissenschaftlerinnen der Wirtschaftsuniversität Wien, Olivia Rauscher und Ena Pervan, gestellt. Sie haben den weiten Weg von Österreich auf sich genommen um herauszufinden welche Auswirkungen die von Menschen für Menschen in der Region getätigte Arbeit auf die dort lebenden Frauen haben. Wie haben die Frauen und in Folge auch ihr Umfeld von den durchgeführten Maßnahmen profitiert? Und welchen Wert besitzen diese Veränderungen, auch in monetärer Hinsicht? Eine derartige Analyse wird in Fachkreisen als SROI (=Social Return on Investment) Analyse bezeichnet, das Spezialgebiet der beiden Forscherinnen.

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Das Ergebnis der Studie ist beeindruckend: Jeder Spenden-Euro, der in die untersuchten Frauenprojekte investiert wurde, bringt das rund 27-fache an Wert für die Gesellschaft. Das bedeutet: Ein von Ihnen gespendeter Euro an Menschen für Menschen ist am Ende 27 Euro wert.

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Schulung zum Mikrokredit-Programm

Mit einer Spende von 23 Euro ermöglichen Sie eine Schulung zum Kleinkreditprogramm, welche wirtschaftliche Grundlagen vermittelt und Frauen optimal auf ihren Start ins Geschäftsleben vorbereitet.

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NGOs als Investmentbanker der anderen Art

Ausgegangen wird dabei vom „Return on Investment“ – der Kapitalrendite, wie sie als Entscheidungsgrundlage bei Wirtschaftsinvestitionen herangezogen wird. Diese betriebswirtschaftliche Kennzahl gibt das prozentuale Verhältnis von Gewinn zum eingesetzten Kapital an und wird auch bei der Bewertung von unterschiedlichen Investitionsalternativen angewandt. Je höher die Zahl, desto gewinnbringender die Investition. Die Antwort „Alles“ bezeichnet sozusagen den Gewinn in Form von positiven Auswirkungen auf alle Beteiligten, die das soziale Investment (=Engagement) einer Hilfsorganisation gebracht hat. Stellt man nun Gewinn und „Investitionen“ gegenüber erhält man den „Social Return on Investment – die soziale Kapitalrendite“, eine Kennzahl die Auskunft darüber geben soll, wie wirksam die Arbeit einer Hilfsorganisation war.

Klingt einfach, doch für die beiden Forscherinnen tun sich sehr komplexe Fragestellungen auf. Welche konkreten Veränderungen gibt es und welchen monetären Wert haben diese? Um dies bewerten zu können werden die Frauen ganz gezielt nach den Veränderungen in den einzelnen Lebensbereichen gefragt. „Wie ernährt ihr euch? Was kocht ihr heute im Vergleich zu früher? Wie sieht es mit dem Einkommen sowie sozialem Status aus?

Die Frauen diskutieren in Kleingruppen die einzelnen Fragen. In den Antworten zeigt sich ganz konkret was die Frauen nun anders machen als früher und was sie selbst als Veränderung empfinden. Tsehay Berassa erzählt, dass sich der soziale Status der Frauen stark verändert hat. Vor allem das Kreditprogramm habe viel bewirkt, da die Frauen jetzt auch mit einem kleinen Geschäft oder anderen Tätigkeiten etwas verdienen. Heute müssen sie nicht mehr ihre Männer fragen ob sie an einer Gemeindeversammlung teilnehmen dürfen. Sie werden nun auch gehört und ernst genommen. Etwas das ihr Leben aber enorm erleichtert habe, sei der holzsparende Herd merkt eine der Frauen an und die anderen nicken zustimmend, da sie nun viel weniger Holz sammeln müssen, das sei eine unglaubliche Zeitersparnis. All diese Faktoren müssen nun bewertet werden um zu einem SROI zu kommen. Neben den Gruppendiskussionen werden aber auch zahlreiche Einzelgespräche mit Behördenvertretern, Ältestenräten und Nutznießern geführt um ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen.

 

Die Studie des Kompetenzzentrums für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien

Das NPO & SE Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien führte im Herbst 2015 eine Studie zum „Social Return On Investment“ des Frauenprogrammes von Menschen für Menschen durch. Die Ergebnisse belegen die gesellschaftliche Wirkung in eindrücklicher Weise:

Jeder Spenden-Euro, der in die untersuchten Frauenprojekte investiert wurde, bringt das rund 27-fache an Wert für die Gesellschaft.

„Der Wert ist ausgesprochen hoch“, so die Studienleiterin Olivia Rauscher. „Die Studie zeigt ganz deutlich, welch hohe positive Wirkungen durch das Frauenprogramm von Menschen für Menschen in dieser Region erzielt wurden. Nicht nur für die Frauen selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft vor Ort.“

Olivia Rauscher vom Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien leitete die SROI Studie im Washa Catchment. Wir haben der engagierten Forscherin einige Fragen zu dem noch jungen Feld der Social Return on Investment Analyse gestellt:

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Was sind die großen Herausforderungen bei der Durchführung derartiger Studien?

Herausfordernd ist meist, jene Wirkungen zu identifizieren, die tatsächlich aufgrund der Projektaktivitäten und nicht aufgrund anderer Einflüsse entstanden sind und diese anschließend zu bewerten. Im konkreten Fall war es auch wichtig, einen spezifischen Bereich zu untersuchen und sich nicht in der Komplexität der vielen Projekte von Menschen für Menschen zu verlieren, die von Bildung, über Gesundheit bis hin zu Landwirtschaft reichen. Wir haben uns schließlich auf das Entwicklungsprojekt für Frauen und die Frauenförderung konzentriert.

Wie kann man soziale Auswirkungen in Zahlen gießen?

Das ist tatsächlich eine große Herausforderung. Manche Wirkungen können wir sehr einfach in Geldeinheiten bewerten, bei anderen wird es schon sehr komplex. Die Verwendung eines holzsparenden Ofens anstatt einer offenen Feuerstelle hat zum Beispiel viele Auswirkungen. Die Feuerholzersparnis bewirkt zum einen ganz einfach eine Zeitersparnis. Dadurch können die Bewohner anderen Tätigkeiten nachgehen. Zum anderen belastet er aber auch die Gesundheit der Frauen deutlich weniger, da es zu einer geringeren Rauchentwicklung und weniger Verbrennungen kommt, als bei einem offenen Feuer. Die Tonplatten, auf denen das äthiopische Fladenbrot gebacken wird, halten auf den neuen Öfen ebenfalls länger. Somit hat jede Familie einen unmittelbaren finanziellen Vorteil. All diese Auswirkung werden monetär, also in Geldeinheiten, bewertet und fließen in unsere Analyse mit ein. Schwieriger wird es zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, wie viel die bessere soziale Stellung der Frauen oder mehr Mitspracherecht in der Gesellschaft wert sind. Es muss für jede einzelne Wirkung ein Indikator oder eine Art Hilfskonstrukt gefunden werden, um die Wirkung monetär ausdrücken zu können. Dadurch können schlussendlich alle Wirkungen addiert und den Investitionen in das Projekt gegenübergestellt werden. Das Ergebnis der Analyse ist also eine Verhältniskennzahl, der sogenannte SROI-Wert. Dieser gibt an, wie hoch die gesellschaftlichen Wirkungen sind, die sich aus einem in das Projekt investierten Euro ergeben. Ein Wert von 1:10 würde beispielsweise bedeuten, dass ein in das Projekt investierter Euro gesellschaftliche Wirkungen im monetarisierten Gegenwert von 10 Euro ergibt. Salopp gesprochen ist der Nutzen, der aus dem Projekt entstanden ist, zehn Mal so hoch, wie die Investitionen in das Projekt.

SROI-Analysen sind ein relativ junges Feld. Sind sie künftig die Messlatte für soziale Projekte?

SROI-Studien können eine Hilfestellung sein, um den Wert der Arbeit einer NGO sichtbar zu machen und Investoren den gesellschaftlichen Return ihres sozialen Engagements zu zeigen. So wird offensichtlich, welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen ein soziales Engagement hat. In Zeiten, in denen der Rechtfertigungsdruck auf Investoren steigt, ist es oft sehr hilfreich, die Veränderungen belegen zu können, die durch ihr Engagement erzielt wurden. Dennoch darf man die Ergebnisse aus unterschiedlichen SROI-Studien nicht einfach unreflektiert nebeneinander stellen. Es muss immer darauf geachtet werden, wie methodisch vorgegangen wurde und in welchem wirtschaftlichen und sozialen Kontext die Projekte umgesetzt wurden. So können z.B. SROI-Werte von Projekten in Osteuropa nicht einfach mit jenen von Projekten in Äthiopien verglichen werden.

Mehr zu den Frauenprojekten von Menschen für Menschen >>

Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship >>

 

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