Glückspilze

 

Pilze sind unterschätzte Alleskönner. In Jeldu entfalten sie jetzt ihr Potential.

„Der Anbau von Pilzen ist in Äthiopien weitgehend unbekannt. Dabei ist er vor allem für jene Menschen von Vorteil, die kaum Land zur Verfügung haben“, sagt Dr. Asefa Keneni. Er ist Experte auf dem Gebiet des Pilzanbaus an der Universität von Ambo. Und er ist besonders glücklich, dass er sein Wissen kürzlich mit 29 jungen Männern in der Projektregion Jeldu teilen konnte.


Dr. Asefa Keneni zeigt Äthiopischen Farmern am Land wie Pilze
Dr. Asefa von der Universität in Ambo kennt seine Pilze und ihr Potential, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen. Zerihun ist einer dieser jungen Menschen. Wie viele seiner Altersgenossen lebt der 20-Jährige ohne Aussicht auf Arbeit: „Viele in meinem Alter führen kein gutes Leben. Unsere Familien sind enttäuscht, weil wir keinen Job in der Region finden und in den Tag hinein leben. Deshalb zieht es so viele von uns in die Städte, wo wir aber auch nur als Tagelöhner Arbeit finden.“

Doch der junge Mann sieht einen Silberstreif am Horizont: „Ich möchte dazulernen, ein gutes Einkommen haben und dadurch die Chance erhalten, meine Ausbildung abzuschließen.“ Deshalb kam die Möglichkeit zum Pilzanbau genau richtig. Im Kurs lernte Zerihun, wie die Sporen ausgebracht werden müssen, wie und wann die ersten Pilze geerntet werden können und auch, wie sie schmecken. Denn zeitgleich zum Training fand auch ein Kochkurs statt.

Äthiopische Farmer bereiten die Sporen für Pilze vor.

Doch bevor die Pilze verspeist werden können, müssen sie erstmal gedeihen. Dr. Asefa zeigte den Kursteilnehmern, wie die Sporen erstmal vermehrt werden müssen. Dazu lässt man sie auf Sorghum-Körnern austreiben, die dann wiederum auf einem Trägersubstrat ausgebracht werden.

Äthiopische Farmer bereiten das Substrat für Pilze vor.

Um zu erfahren, welches Substrat sich am besten in der Region eignet, haben die Kursteilnehmer zu Versuchszwecken verschiedene ausprobiert, die zuerst natürlich pasteurisiert wurden: Zweige der Ackerbohne, unterschiedliches Stroh sowie Gras.

Äthiopische Farmer bereiten das Substrat für Pilze vor.

Die jeweiligen Säcke wurden markiert und mit Luftlöchern versehen. Danach hieß es erstmal warten, aber nicht all zu lange. Denn schon nach zwei Wochen sollten die ersten Pilze reif für die Ernte sein. „In der Regel können wir von einem Sack etwa fünf Mal in Folge Pilze ernten“, so Dr. Asefa.

Äthiopische Farmer wiegen Austernpilze die sie selbst angepflanzt haben.

Insgesamt sollten so bis zu 3,5 kg an Pilzen zusammenkommen, die in der Hauptstadt 50-75 Birr (1,50-2,30 Euro) pro Kilo erzielen werden. Und das mit überschaubarem Aufwand. Denn bis auf die fachgerechte Vorbereitung und die gelegentliche Befeuchtung sind Austernpilze einfach in der Aufzucht. Zum Vergleich: Ein Kilo grüner Kaffeebohnen kostet derzeit etwa 90 Birr.

Äthiopische Farmer in Jeldu probieren zum ersten Mal Pilze.

Zum Abschluss des Tages haben Zerihun und seine Kollegen zum ersten Mal in ihrem Leben Pilze gegessen. Ungewohnt, aber „Sehr gut!“ ist das Fazit. Und gut für die Zukunft der Region, wie Dr. Asefa weiß: „Es gibt eine große Nachfrage nach Speisepilzen im Land. Hotels und Restaurants in den Städten verlangen verstärkt danach, der Bedarf kann aktuell gar nicht gedeckt werden.“

Mit dem Pilzanbau bietet sich den jungen Leuten also eine gute und noch dazu nahrhafte Zukunftsperspektive. Wir bleiben natürlich dran und berichten über die Fortschritte und Erfahrungen von Zerihun und seinen Kollegen.

Bitte helfen Sie mit und schenken Sie jungen Menschen eine Perspektive für die Zukunft!

Fünftägiger Landwirtschaftskurs

Mit einer Spende von 15 Euro ermöglichen Sie einen 5-tägigen Landwirtschaftskurs für einen Bauern zur Verbesserung der Erträge und den Schutz der Umwelt.

Ich will spenden!