Essl Social Prize 2011

Einzigartiger Preis für Almaz und Karlheinz Böhm – Solarenergie für Äthiopien

Almaz und Karlheinz Böhm wurden im 30. Jubiläumsjahr von Menschen für Menschen mit dem Essl Social Prize ausgezeichnet. Der mit 1 Million Euro dotierte Preis wurde 2007 von Martin und Gerda Essl ins Leben gerufen, um besonders effiziente und nachhaltige Projekte zu fördern. Almaz und Karlheinz Böhm werden dabei nicht nur für ihr jahrzehntelanges Engagement gewürdigt, sondern insbesondere für die erfolgreiche Umsetzung von „integrierten ländlichen Projekten“ mit ihrer Organisation Menschen für Menschen in Äthiopien.
Im Rahmen dieser Projekte verzahnt Menschen für Menschen gemeinsam mit der in der Region lebenden Bevölkerung Maßnahmen aus den Bereichen Bildung, Landwirtschaft, Wasser, Gesundheit, Infrastruktur und Soziales und setzt sich für die Besserstellung der Frauen ein.

 

Preisverleihung

Am 26. März 2011 wurde im Rahmen einer feierlichen Gala in den Redoutensälen der Wiener Hofburg der Essl Social Prize 2011 verliehen.
Fotos davon finden Sie hier >>

 

Engagement in einem neuen Projektgebiet

Ende des Jahres 2010 wurde, unabhängig von der Preisvergabe, Ginde Beret als neues Projektgebiet in Äthiopien ausgewählt. Dieses wird ausschließlich durch Fördergelder und Spenden aus Österreich finanziert. Ginde Beret ist in der Provinz West-Shoa gelegen, rund 180 km nördlich von Addis Abeba, auf einer Höhe zwischen 1.000 und 2.600 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Projektgebiete kennenlernen >>

 

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Das Preisgeld von 1 Million Euro kommt nun der Umsetzung von Entwicklungsprojekten mit dem Schwerpunkt Solarenergie im Washa-Catchment zugute. Dieses wurde als erstes Teilgebiet des Projektgebiets Ginde Beret für die Projektarbeit ausgewählt. Das Washa-Catchment umfasst etwa 70 km² mit circa 10.000 Bewohnern, die direkt von der Arbeit von Menschen für Menschen profitieren werden. Aufgrund der abgeschiedenen Lage ist das Washa-Catchment an kein Energienetz angeschlossen – ein Problem, das aller Voraussicht nach noch die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre bestehen bleibt.

Aus diesem Grund entschied Menschen für Menschen, hier einen Schwerpunkt auf Solarenergie zu setzen.

 

Umsetzung mithilfe der Bevölkerung – Das System der „Solarunternehmer“

Anfang 2011 wurde bereits mit der praktischen Umsetzung des Projektes begonnen. Die Einbindung von Solarenergie in die „integrierte ländliche Entwicklung“ von Menschen für Menschen sieht dabei vor, Bewohner der Region zu sogenannten „Solarunternehmern“ auszubilden. Diese sind dadurch befähigt, Solar-Systeme zu verkaufen, zu installieren und sie zu warten.

Im Detail bedeutet das, dass in einem ersten Schritt die Betreiber örtlicher Werkstätten oder Vergleichbarem angesprochen werden, die Ausbildung zum „Solarunternehmer“ für ihre Region zu absolvieren. Diese Ausbildung schließt sowohl technische als auch wirtschaftliche Kurse mit ein. In einem weiteren Schritt erhalten die Solarunternehmer Kontakt zu den äthiopischen Lieferanten der Solar-Systeme und werden mit einem Grundstock an verschiedenen Geräten zu Demonstrations- und Testzwecken ausgestattet. Die Unternehmer treten fortan als Verkäufer, Installateur und Wartungsbeauftragter gleichermaßen auf. Fünf verschiedene Systeme haben sie zur Auswahl, die sie auf Bestellung potentiellen Kunden zur Verfügung stellen können. Die Bevölkerung hat hierbei die Möglichkeit alle verfügbaren Systeme zunächst zu testen, ehe sie sich für eines zum Kauf entscheiden.

 

Ziele und Nutzen

Ziel ist es, die Bevölkerung verstärkt in die Umsetzung des Projekts einzubinden und damit auch zu höherer Eigenständigkeit beizutragen. Durch die Schaffung eines neuen Wirtschaftszweiges und neuer Berufssparten wird die Region als Gesamtes wirtschaftlich aufgewertet. Der Einsatz von Solarenergie hat weitreichende positive Konsequenzen: Vom gesundheitlichen Aspekt über die Schonung von natürlichen Ressourcen bis hin zur Stärkung der sozialen Stellung von Frauen und Mädchen, die dank der solarbetriebenen Lichtquelle weniger Feuerholz sammeln müssen. Nicht zuletzt damit fügt sich der Einsatz von Solarenergie in den „integrierten ländlichen Ansatz“ von Menschen für Menschen ein.

 

Hintergrundinformationen: Einsatz von Solarenergie

Der Verein hat sich bereits in der Vergangenheit mit dem Thema Solar beschäftig – so wird beispielsweise dieses Jahr ein Projekt abgeschlossen, in dessen Zuge 144 Schulen und Unterkünfte für Lehrer mit Solar-Systemen ausgestattet wurden. Die so gesammelten Erfahrungen bilden die Basis für das Engagement in Ginde Beret. In Krankenstationen kommt Solarenergie ebenfalls bereits zum Einsatz, um beispielsweise die Kühlung von Impfstoffen zu gewährleisten.

 

Solarenergie für Gesundheit und Bildung

Der Einsatz von Solarenergie hat zahlreiche Vorteile für die Menschen. So nutzt zum Beispiel der Großteil der Bevölkerung Kerosinlampen zur Beleuchtung. Diese einfachen Lampen – oft handelt es sich lediglich um eine Dose mit einem Docht – bergen unmittelbar die Gefahr von Verbrennungen. Außerdem wirkt sich der entstehende Rauch schädlich auf Atemwege und Augen aus.

 

Sichere und kostengünstige Alternative

Abends wird es in Äthiopien früh dunkel – bereits ab 18 Uhr werden zusätzliche Lichtquellen benötigt. Damit Kinder auch in den Abendstunden lernen können oder Erwachsene nach erledigter Arbeit Bildungskurse besuchen können, brauchen sie Licht. Solarbetriebene Lampen sind hier in jeder Hinsicht die gesunde, saubere und sichere Lösung. Langfristig sind solarbetriebene Lampen auch die günstigere Alternative. Berücksichtigt man die aktuellen Kosten für Kerosin, kann damit gerechnet werden, dass sich die Ausgaben für ein einfaches Solar-System bereits nach knapp zwei Jahren amortisieren.

 

Almaz und Karlheinz Böhm freuen sich über den außergewöhnlichen Preis

Karlheinz Böhm Copyright: www.p-rigaud.com

 

 

 

„Diese bedeutsame Wertschätzung unserer Arbeit freut mich ganz besonders, da der mit 1 Million Euro dotierte Essl Social Prize eine weltweit einzigartige Anerkennung für soziales Engagement ist“, so Karlheinz Böhm, Begründer der Organisation. „Dieser Preis würdigt wie wichtig unsere Arbeit für die Menschen in Äthiopien ist und ermöglicht uns neue Projekte. Die damit verbundene Anerkennung gebührt aber in erster Linie den Menschen, die uns schon seit fast 30 Jahren tatkräftig unterstützen. Nur durch die Hilfe unserer Spender ist all das, was wir bis jetzt bewegen konnten, möglich geworden und mein Dank gebührt jedem Einzelnen von ihnen.“

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„Die Auszeichnung, die uns der Essl Social Prize verleiht, ist eine besondere Ehre. Er würdigt unseren ganzheitlichen Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit, bei dem wir Regionen als Gesamtes entwickeln, damit die Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Eine Schule dort und ein Brunnen da sind zu wenig, wenn es darum geht die Ursachen und Zusammenhänge von Armut auf der Welt zu erkennen und gezielt dagegen anzugehen. Mein besonderer Dank gilt unseren 800 Mitarbeitern in Äthiopien, die tagtäglich mit vollem Einsatz, gemeinsam mit den Menschen des Landes, an einer besseren Zukunft arbeiten“, meint Almaz Böhm, die die Nachricht von der Auszeichnung während eines Projekteinsatzes in Äthiopien erreicht.

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Was ist der Essl Social Prize?

Der Essl Social Prize wurde vom Ehepaar Martin und Gerda Essl im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Er ist der einzige hochdotierte internationale Preis für soziales Engagement.

Die Familie Essl will mit diesem Preis nachhaltige Unterstützung und Hilfe für Menschen in Not im Sinne eines umfassenden sozialen Verantwortungsbewusstseins bieten. Jährlich werden besonders förderungswürdige, effiziente und wegweisende Projekte und Ideen von Gründerpersönlichkeiten im sozialen Bereich mit einer Zuwendung von 1 Million Euro bedacht.

Ziele des Preises

  • Unterstützung bewährter Sozialprojekte und/oder zukunftsweisender Ideen von Gründerpersönlichkeiten im Sozialbereich
  • Ehrung der Social Entrepreneurs für ihre Leistungen und für ihr Engagement
  • Ausbildung und Förderung von Social Entrepreneurs
  • Know-how-Transfer von wirtschaftlichen Unternehmen zu sozialen Unternehmen, mit dem Ziel, bei den letzteren das unternehmerische Denken zu fördern und die Effizienz nachhaltig zu erhöhen

Mehr zum Essl Social Prize und der Essl Stiftung >>

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