Corona-Tagebuch 03.04.2020: „Den Leuten in den Dörfern ist die weltweite Lage durchaus bewusst.“

An dieser Stelle berichtet unser Kollege Henning Neuhaus regelmäßig über die Lage in Addis Abeba sowie unseren Projektgebieten und beschreibt, wie sich der Alltag in Äthiopien aufgrund des Virus verändert.
Henning Neuhaus, der zusammen mit Muluneh Tolesa für die PR-Arbeit von
Menschen für Menschen in Äthiopien zuständig ist, lebt seit 2018 in Addis Abeba und ist dort einer von nur drei nicht-äthiopischen Mitarbeitern im Project Coordination Office (PCO). Der Großteil der MitarbeiterInnen des Büros in Addis Abeba arbeitet mittlerweile aus dem Homeoffice.


„Den Leuten in den Dörfern ist die weltweite Lage durchaus bewusst.“
– Ein Gespräch mit Projektleiter Berhanu Bedassa

Mir ist es in diesem Tagebuch immer ein wichtiges Anliegen, auch die Situation in den Projektgebieten von Menschen für Menschen zu schildern. Hier in Addis hat man inzwischen das Gefühl, dass sich der Großteil der Menschen mit der neuen Situation und den entsprechenden Auswirkungen soweit wie möglich arrangiert hat. Doch wie ist die Lage im ländlichen Äthiopien? Wie bereits erwähnt, sind Hygiene und soziale Distanz dort in vielerlei Hinsicht schwer umzusetzen. Die Projektgebiete Ginde Beret und Abune Ginde Beret liegen ca. 180 km nordwestlich von Addis Abeba. Der Hauptort von Ginde Beret ist Kachisi mit ca. 14.000 EinwohnerInnen und daher interessiert mich sehr, wie die aktuelle Situation in solch einer Kleinstadt und den umliegenden Dörfern ist. Ich rufe also Berhanu Bedassa, unseren Projektmanager vor Ort, an und es klingelt nicht lange bis er den Hörer abnimmt:
 

Mitarbeiter von menschen für Menschen in Äthiopien

Hallo Berhanu, wie geht es dir und unseren KollegInnen? Wie gehen sie persönlich mit dieser Situation um?

Die reguläre Arbeit geht wie bisher weiter, aber alle KollegInnen sind sich der Gefahr durch Covid-19 sehr bewusst. Die MitarbeiterInnen waschen und desinfizieren sich regelmäßig die Hände und gehen auch auf soziale und physische Distanz.
 

Zwei Männer in Äthiopien waschen sich vor Wasserkanistern die Hände.
Vor dem Projektbüro in Kachisi stehen Waschmöglichkeiten für die MitarbeiterInnen bereit.

 

Welche Maßnahmen bei der Arbeit in den Dörfern habt ihr intensiviert, um auch dort die Menschen aufzuklären?

Wir haben unsere EntwicklungsberaterInnen und SozialarbeiterInnen darauf angewiesen, auf Gemeindeebene zusammen mit einflussreichen Personen, wie Bürgermeister, Ältestenräte oder religiösen Vertretern, ein Bewusstsein für Covid-19 bei den Menschen zu schaffen. Dieses Bewusstsein versuchen alle MitarbeiterInnen und auch ich persönlich bei den Menschen zu stärken.
Zusätzlich haben wir Präventionsmaterial an alle Gesundheitszentren und an das Krankenhaus in Kachisi verteilt. Wir haben auch Informationsposter drucken lassen und diese an die Leute verteilt. Um mit gutem Beispiel voran zu gehen, haben wir zusätzlich alle Trainings oder sonstige Zusammenkünfte abgesagt. Wir raten den Menschen auch, andere Zusammenkünfte erst einmal zu meiden.

 

Ein junger Äthiopier wäscht sich vor einem Haus die Hände.
Waschmöglichkeiten an jeder Ecke der 14.000 EinwohnerInnen-Stadt Kachisi.

 

Ist den Menschen in Kachisi bewusst, dass Covid-19 sehr gefährlich sein kann?

Den Menschen hier ist das sehr bewusst. Sie haben davon entweder bereits im Fernsehen, im Radio oder einige wenige auch bei Facebook gelesen beziehungsweise gehört. Also aus den Medien, aus denen sie ihre tagtäglichen Informationen beziehen. Aber auch die Bezirksverwaltung und andere Regierungsbehörden versuchen die Menschen über das Coronavirus aufzuklären.
 

Was wissen die Menschen in Kachisi über die Covid-19-Situation in Europa und den Rest der Welt?

Den Leuten hier ist die weltweite Lage durchaus bewusst.
 

Ein Mann wäscht sich in einem äthiopischen Dorf die Hände
Auch in den Dörfern wird auf Hygienemaßnahmen hingewiesen: „Bitte waschen Sie sich die Hände.“

 
Und was ist mit den Leuten, die in den besonders entlegenen Dörfern wohnen?

Auch die wissen wie die Lage in Äthiopien und in Europa ist. Faszinierenderweise berichtet die Bevölkerung, egal ob hier in Kachisi oder in einem abgelegenen Dorf, dem Gesundheitsamt im Bezirk, wenn Neuankömmlinge ankommen. So können diese erst einmal isoliert und ihre gesundheitliche Entwicklung beobachtet werden. Es gibt aktuell einige Leute, die aus den arabischen Ländern nachhause kamen, sich in Quarantäne begaben und noch unter Beobachtung des Gesundheitsamts stehen.
 

Eine Frau wäscht sich vor einer Brunnenanlage in Äthiopien die Hände.
Sogar bei den Handpumpbrunnen haben die DorfbewohnerInnen Waschmöglichkeiten mit Seife angebracht.

 
Was sind denn die Hauptpräventivmaßnahmen, die von den Menschen in Kachisi und in den Dörfern getroffen werden, um eine Ansteckung durch Covid-19 zu vermeiden?

Alle Menschen, egal ob in den städtischen oder ländlichen Gebieten, waschen sich regelmäßig die Hände. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig es ist, in den entlegenen Dörfern durch den Bau von Brunnen den Zugang zu sauberem Wasser zu sichern. Die Menschen haben außerdem ihre physischen Kontakte, wie zum Beispiel Händeschütteln, sehr stark minimiert. Allerdings muss vor allem die soziale Distanz der Leute noch stärker umgesetzt werden.

 

Henning Neuhaus, Menschen für Menschen, aus Addis Abeba

Arzt mit Mundschutz behandelt Patienten in Äthiopien

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