Corona-Tagebuch 11.05.2020: „Die Preise steigen.“

An dieser Stelle berichtet unser Kollege Henning Neuhaus regelmäßig über die Lage in Addis Abeba sowie unseren Projektgebieten und beschreibt, wie sich der Alltag in Äthiopien aufgrund des Virus verändert.
Henning Neuhaus, der zusammen mit Muluneh Tolesa für die PR-Arbeit von
Menschen für Menschen in Äthiopien zuständig ist, lebt seit 2018 in Addis Abeba und ist dort einer von nur drei nicht-äthiopischen Mitarbeitern im Project Coordination Office (PCO). Der Großteil der MitarbeiterInnen des Büros in Addis Abeba arbeitet mittlerweile aus dem Homeoffice.

Dass die globale Pandemie sich auf den Welthandel auswirkt, spürt man auch hier in Äthiopien. Dies betrifft besonders die Waren, die aus dem Ausland eingeführt werden. Auch wenn die Auswahl geringer ist, findet man in den Supermärkten in Addis Abeba fast alles, was es auch in Europa zu kaufen gibt. Da diese Produkte aus Übersee kommen, versteht es sich von selbst, dass diese deutlich teurer sind als etwa in Österreich. Mit der Ausbreitung von Covid-19 und den damit einhergehenden Verzögerungen im globalen Warenverkehr, mangelt es nun an vielen Produkten, die vorher gut erhältlich waren. Ich persönlich merkte dies, als es auf einmal bestimmte ausländische Hygieneartikel nicht mehr vorrätig gab oder sich der Preis für Parmesankäse fast verdoppelt hatte.

Heute habe ich mich im Büro mit den Kolleginnen und Kollegen über meine persönlichen Erkenntnisse ausgetauscht. Und auch sie berichteten mir, dass auch bei lokalen Produkten, etwa Teffmehl, deutliche Preissteigerungen zu spüren seien. Meine Kollegin Bahritu erzählte mir, dass sie in der Zeitung sehr viele Stellenausschreibungen für LKW-Fahrer gesehen habe. Das läge daran, dass viele Lastwagenfahrer Angst hätten, in das benachbarte Djibouti zu fahren. Dort liegt der nächste Hafen, über den Äthiopien seine Importe bezieht. „Allerdings hat sich das Coronavirus dort deutlich stärker ausgebreitet und die Gefahr, sich zu infizieren, ist höher als in Äthiopien,“ erzählt Bahritu.

Aus Angst sich mit dem Virus zu infizieren bleiben viele Bäuerinnen und Bauern dem Wochenmarkt fern und büßen so einen wichtigen Teil ihrer Einkünfte ein. (Foto aus dem Archiv)

Auch Lebensmittel werden teurer

Aber auch im Inland hat Covid-19 Auswirkungen auf den Binnenhandel. Berhanu Bedassa, unser Projektmanager in Gindeberet und Abune Gindeberet berichtete uns etwa, dass die Preise für Teff, Mais und Sorghum pro Zentner um bis zu 15 Prozent gestiegen seien. Er erzählt mir, dass die Bauern Angst hätten auf den Wochenmarkt zu gehen, da die GroßhändlerInnen aus Addis Abeba möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert sein könnten. Daher blieben die Bauern lieber mit ihren Waren zu Hause, obwohl sie vergleichsweise gute Preise dafür erhalten würden, so Berhanu. Am Ende trifft es die EndverbraucherInnen hier im Land, die für ihre Lebensmittel deutlich mehr zahlen müssen.

Henning Neuhaus, Menschen für Menschen, aus Addis Abeba

Arzt mit Mundschutz behandelt Patienten in Äthiopien

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