Hügelige Landschaft von Tigray

Erneute Kämpfe im Norden

Die aktuelle Lage in Äthiopien

Die Sicherheitslage im Norden Äthiopiens hat sich seit Ende September 2026 erneut verschärft. Wir beobachten die Entwicklungen aufmerksam und stehen in engem Austausch mit unseren Kolleg:innen sowie Partnerorganisationen vor Ort.

Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden, Projektpartner und der Menschen, mit denen wir arbeiten, hat für Menschen für Menschen höchste Priorität. Nach aktuellem Stand gibt es keine direkten Auswirkungen auf unsere Projektarbeit. Unsere Projekte und Aktivitäten laufen weiter.

Erneute Kämpfe im Norden

Nach monatelangen Spannungen kommt es seit dem 22. September im Norden Äthiopiens wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Betroffen sind insbesondere die Regionen Tigray, Amhara und Afar.

Die erneuten Kämpfe setzen das Friedensabkommen von Pretoria von 2022 unter Druck, mit dem der Krieg in Tigray beendet worden war. Viele Menschen in der Region haben die Folgen des damaligen Konflikts noch nicht überwunden.

Parallel dazu haben sich sieben Gruppen aus verschiedenen Teilen Äthiopiens zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Zu den beteiligten Gruppen gehören unter anderem die Tigray People’s Liberation Front (TPLF), Fano aus Amhara und die Oromo Liberation Army (OLA). Teilweise standen sich diese Gruppen in der Vergangenheit selbst als Gegner gegenüber. Gemeinsam richten sie sich nun gegen die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed.

Welche Seite die jüngsten Kämpfe begonnen hat, wird von den Konfliktparteien unterschiedlich dargestellt. Die TPLF erklärt, auf eine Offensive der Bundesregierung reagiert zu haben. Die äthiopische Regierung wiederum beschuldigt Tigray-Kräfte, mit den Kampfhandlungen begonnen zu haben. Die Vorgänge vor Ort lassen sich derzeit teilweise nur schwer unabhängig überprüfen.

Ist auch Addis Abeba betroffen?

In der Nacht zum 1. Oktober wurden in Addis Abeba mehrere Explosionen gemeldet. Nach Angaben von Anwohner:innen und diplomatischen Quellen waren unter anderem Bereiche im Westen nahe dem Militärhauptquartier sowie ein Gebiet im Süden der Hauptstadt betroffen.

Die Explosionen ereigneten sich wenige Stunden nachdem die äthiopischen Sicherheitsbehörden ein unbefristetes Verbot von Drohnenflügen über Addis Abeba und den umliegenden Gebieten verhängt hatten. Die Behörde begründete dies mit dem Schutz von Regierungsvertretern, kritischer Infrastruktur und größeren öffentlichen Veranstaltungen.

Eine mit dem Oppositionsbündnis verbundene Quelle sagte Reuters, das Bündnis habe mehrere Drohnenangriffe in Addis Abeba durchgeführt, darunter auch auf militärische Einrichtungen. Diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden. Auch zu möglichen Schäden oder Verletzten gab es keine offiziellen Informationen. In den lokalen Medien lagen zu dem Zeitpunkt keine bestätigten Berichte über die Ursache der Explosionen vor.

Nach aktuellem Stand ist die Lage in Addis Abeba ruhig. Ein Kollege aus dem Münchner Büro unserer deutschen Schwesterorganisation, der sich derzeit vor Ort befindet, berichtete heute Morgen, dass das tägliche Leben in der Hauptstadt regulär seinen Lauf nimmt.

Spannungen mit Eritrea verschärft

Die jüngsten Entwicklungen haben auch die Beziehungen zwischen Äthiopien und dem Nachbarland Eritrea weiter verschärft. Die äthiopische Regierung wirft Eritrea vor, bewaffnete Oppositionsgruppen zu unterstützen. Eritrea weist diese Vorwürfe zurück.

Am 1. Oktober teilte Äthiopien mit, seine Botschaft in Eritreas Hauptstadt Asmara zu schließen und zehn eritreische Diplomaten auszuweisen. Eritrea reagierte darauf mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien. Die Afrikanische Union rief die beteiligten Staaten inzwischen zu Zurückhaltung und zur Lösung ihrer Differenzen über diplomatische Kanäle und durch friedlichen Dialog auf.

Die Hintergründe der Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea sind komplex. Eine wichtige Rolle spielt unter anderem die Frage des Zugangs Äthiopiens zum Roten Meer. Beide Länder haben zudem unterschiedliche Interessen hinsichtlich der Entwicklung in Tigray.

Entwicklung für die Bevölkerung

Die erneuten Kämpfe erschweren das Leben der Menschen in den betroffenen Regionen weiter. Die Verkehrsverbindungen und Kommunikationsmöglichkeiten sind teilweise unterbrochen, und die Versorgung mit wichtigen Gütern wird schwieriger. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Menschen erneut ihre Häuser verlassen müssen.

Besonders betroffen ist Tigray: Nach Angaben der UN waren dort bereits vor der aktuellen Eskalation hunderttausende Menschen infolge des früheren Krieges innerhalb der Region vertrieben. Die erneuten Kämpfe treffen damit eine Bevölkerung, die vielerorts noch mit den Folgen des vergangenen Konflikts und einer schwierigen humanitären Situation zu kämpfen hat. Zudem drohen nun auch noch Ernteausfälle durch Dürre.

Keine aktuellen Auswirkungen auf unsere Projektarbeit

Nach aktuellem Stand gibt es auch in unseren Projektgebieten keine direkten Auswirkungen durch die jüngsten Entwicklungen. Unsere Mitarbeitenden sind vor Ort im Einsatz und unsere Projekte und Aktivitäten laufen weiter.

Wir stehen in engem Austausch mit unseren lokalen Teams und Partnern und beobachten die Sicherheitslage aufmerksam. Insbesondere in Gebieten, die geografisch näher an Tigray liegen, werden die Entwicklungen eng verfolgt. Sollte sich die Situation verändern oder Auswirkungen auf unsere Projektarbeit ergeben, werden wir unsere Aktivitäten entsprechend anpassen.

Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden, Projektpartner und der Menschen, mit denen wir arbeiten, hat für Menschen für Menschen höchste Priorität. Wir stehen auch in schwierigen Situationen an der Seite der Menschen in Äthiopien
.

Q&A: Die aktuelle Lage in Äthiopien erklärt

Seit Ende September 2026 kommt es im Norden Äthiopiens erneut zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Betroffen sind insbesondere die Regionen Tigray, Amhara und Afar.

Sieben Gruppen aus verschiedenen Teilen des Landes haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das sich gegen die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed richtet. Zu den beteiligten Gruppen gehören unter anderem die TPLF aus Tigray, Fano aus Amhara und die Oromo Liberation Army (OLA).

Teilweise standen sich diese Gruppen in der Vergangenheit selbst als Gegner gegenüber. Die aktuellen Entwicklungen setzen das Friedensabkommen von 2022 unter Druck, mit dem der damalige Krieg in Tigray beendet wurde.
Das im November 2022 geschlossene Pretoria-Friedensabkommen beendete die großflächigen Kämpfe, viele Konfliktfragen blieben jedoch ungelöst.
Der Tigray-Krieg begann im November 2020 zwischen der äthiopischen Bundesregierung und der TPLF (Tigray People’s Liberation Front). In den Krieg waren auch weitere Akteure involviert, darunter Eritrea und Kräfte aus der Region Amhara.

Der Konflikt dauerte rund zwei Jahre und hatte verheerende Folgen für die Bevölkerung. Rund 600.000 Menschen starben infolge von Gewalt, Hunger und dem Zusammenbruch grundlegender Versorgungssysteme; Millionen Menschen wurden vertrieben.

Im November 2022 wurde mit dem sogenannten Pretoria-Abkommen ein Friedensabkommen geschlossen. Es beendete die großflächigen Kämpfe, löste jedoch nicht alle politischen und territorialen Konflikte.
Das Pretoria-Abkommen wurde im November 2022 unter Vermittlung der Afrikanischen Union geschlossen. Es beendete den großflächigen Krieg zwischen der äthiopischen Bundesregierung und der TPLF. Das Abkommen sah unter anderem die Einstellung der Feindseligkeiten und die Entwaffnung der Tigray-Kräfte vor. 

Einige zentrale Streitfragen – etwa die Zukunft umstrittener Gebiete und die Rückkehr von Vertriebenen – blieben jedoch ungelöst. Die aktuelle Eskalation setzt die Umsetzung des Abkommens erneut unter Druck. Die Afrikanische Union hat deshalb zu Zurückhaltung und einer Rückkehr zum Dialog aufgerufen.
  • TPLF – Tigray People’s Liberation Front:
Die TPLF ist eine politische und militärische Organisation aus Tigray. Sie war über Jahrzehnte eine der einflussreichsten politischen Kräfte Äthiopiens und spielte eine zentrale Rolle im Tigray-Krieg.
  • Fano:
    Fano bezeichnet bewaffnete Amhara-Gruppen. Teile der Fano kämpften im Tigray-Krieg an der Seite der äthiopischen Bundesregierung. Inzwischen stehen Teile der Fano in Konflikt mit der Regierung und sind Teil des neuen Bündnisses gegen sie.
  • OLA – Oromo Liberation Army: Die OLA ist eine bewaffnete Organisation mit Wurzeln in der Oromo-Bevölkerung. Sie kämpft seit Jahren gegen die äthiopische Bundesregierung und ist ebenfalls Teil des neuen Bündnisses. Dass diese Gruppen nun gemeinsam auftreten, ist bemerkenswert, da sie unterschiedliche politische Ziele und teilweise eine konfliktreiche gemeinsame Vergangenheit haben.
Das neue Bündnis vereint sieben Gruppen aus verschiedenen Regionen Äthiopiens. Gemeinsames Ziel ist nach eigenen Angaben, die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed abzulösen. Die Gruppen verfolgen jedoch nicht in allen Fragen dieselben Interessen. Deshalb ist derzeit offen, wie dauerhaft und belastbar das Bündnis sein wird.
Eritreas Verhältnis zu Äthiopien ist von einer langen und konfliktreichen Geschichte geprägt. Im Mittelpunkt stehen heute vor allem Sicherheitsinteressen, die Entwicklung in der angrenzenden Region Tigray und die Frage des Zugangs zum Roten Meer. Eritrea ist ein wichtiger Akteur in der Region. Eritreische Truppen unterstützten während des Tigray-Krieges die äthiopische Bundesregierung. Eritrea war jedoch nicht Teil des Pretoria-Friedensabkommens. 

Inzwischen sind die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea erneut stark angespannt. Die äthiopische Regierung wirft Eritrea vor, bewaffnete Oppositionsgruppen zu unterstützen. Eritrea weist diese Vorwürfe zurück. Anfang Oktober 2026 eskalierte der diplomatische Konflikt: Äthiopien schloss seine Botschaft in Eritrea und wies eritreische Diplomaten aus. Eritrea kündigte daraufhin an, die diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien abzubrechen.
Die Lage ist dynamisch und schwer vorherzusagen. Von einem erneuten landesweiten Bürgerkrieg zu sprechen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt jedoch verfrüht. Entscheidend wird sein, ob die Konfliktparteien die Kämpfe eindämmen und zu politischen Verhandlungen zurückkehren können. Die Afrikanische Union und die regionale Organisation IGAD haben zu einem Ende der Gewalt und zur Wiederaufnahme des Dialogs aufgerufen.
Für die Bevölkerung bedeutet die erneute Gewalt vor allem Unsicherheit. Kämpfe können
  • Menschen zur Flucht zwingen, 
  • den Zugang zu medizinischer Versorgung erschweren und 
  • die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern beeinträchtigen.
    Besonders schwierig ist die Situation für Menschen in Tigray, die bereits durch den Krieg von 2020 bis 2022 vertrieben oder deren Lebensgrundlagen zerstört wurden.
Wir führen unsere Projekte nach aktuellem Stand weiter und stehen weiterhin in engem Austausch mit unseren Kolleg:innen und Partner:innen vor Ort. Gleichzeitig beobachten wir die Sicherheitslage aufmerksam. Sollte sich die Situation verändern, werden wir unsere Arbeit entsprechend anpassen. 

Menschen für Menschen arbeitet seit 45 Jahren mit Menschen in Äthiopien und setzt auf langfristige Zusammenarbeit. Wenn sich die Sicherheitslage verändert, prüfen wir die Situation und den humanitären Bedarf in den betroffenen Gebieten.

Bereits 2023 haben wir in Tigray Nothilfe geleistet, um Menschen nach dem Krieg zu unterstützen. Die aktuelle Entwicklung erinnert daran, wie fragil die Lebenssituation vieler Menschen in der Region weiterhin ist. Unser Fokus liegt auf der Unterstützung der Menschen vor Ort – unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder politischer Position.
Sobald es relevante Veränderungen für unsere Projektarbeit gibt, informieren wir dich über unsere Website, unseren Newsletter und unsere Social-Media-Kanäle.

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The security situation in northern Ethiopia has deteriorated again since the end of September 2026. We are closely monitoring developments and are in close contact with our colleagues and partner organizations on the ground.

The safety of our staff, project partners, and the people we work with is our top priority. As of now, there are no direct impacts on our project work. Our projects and activities are continuing as usual.

Renewed Fighting in the North

After months of tension, armed clashes have resumed in northern Ethiopia since September 22. The regions of Tigray, Amhara, and Afar have been particularly affected. The renewed fighting is putting pressure on the 2022 Pretoria Peace Agreement, which had ended the war in Tigray. Many people in the region have not yet recovered from the consequences of that conflict.

At the same time, seven groups from different parts of Ethiopia have formed an alliance. The participating groups include, among others, the Tigray People’s Liberation Front (TPLF), Fano from Amhara, and the Oromo Liberation Army (OLA). In some cases, these groups were even opponents of one another in the past. Together, they are now opposing the government of Prime Minister Abiy Ahmed.

The parties to the conflict offer differing accounts of which side initiated the recent fighting. The TPLF claims to have responded to an offensive by the federal government. The Ethiopian government, in turn, accuses Tigray forces of having initiated the hostilities. At present, it is sometimes difficult to independently verify what is happening on the ground.

Is Addis Ababa also affected?

Several explosions were reported in Addis Ababa on the night of October 1. According to residents and diplomatic sources, the explosions affected, among other areas, the western part of the city near the military headquarters and an area in the south of the capital.

The explosions occurred just hours after Ethiopian security authorities imposed an indefinite ban on drone flights over Addis Ababa and surrounding areas. The authorities cited the need to protect government officials, critical infrastructure, and major public events as the reason for the ban.

A source linked to the opposition coalition told Reuters that the coalition had carried out several drone attacks in Addis Ababa, including on military facilities. These claims could not initially be independently confirmed. There was also no official information regarding possible damage or injuries. At the time, there were no confirmed reports in the local media regarding the cause of the explosions.

As of now, the situation in Addis Ababa is calm. A colleague from the Munich office of our German sister organization, who is currently on the ground, reported this morning that daily life in the capital is proceeding as usual.

Tensions with Eritrea have escalated

Recent developments have also further strained relations between Ethiopia and its neighbor, Eritrea. The Ethiopian government accuses Eritrea of supporting armed opposition groups. Eritrea rejects these accusations.

On October 1, Ethiopia announced that it was closing its embassy in Eritrea’s capital, Asmara, and expelling ten Eritrean diplomats. Eritrea responded by severing diplomatic relations with Ethiopia. The African Union has since called on the countries involved to exercise restraint and to resolve their differences through diplomatic channels and peaceful dialogue.

The background to the tensions between Ethiopia and Eritrea is complex. Among other factors, the issue of Ethiopia’s access to the Red Sea plays a significant role. Both countries also have differing interests regarding developments in Tigray.

Development for the People

The renewed fighting is making life even more difficult for people in the affected regions. Transportation links and communication channels have been partially cut off, and the supply of essential goods is becoming more difficult. At the same time, there is a risk that people will once again be forced to flee their homes.

Tigray is particularly hard hit: According to the UN, even before the current escalation, hundreds of thousands of people there had already been internally displaced as a result of the previous war in the region. The renewed fighting is thus affecting a population that, in many places, is still grappling with the aftermath of the past conflict and a dire humanitarian situation. In addition, crop failures due to drought now pose a further threat.

No current impact on our project work

As of now, there are no direct impacts from the recent developments in our project areas either. Our staff are on the ground, and our projects and activities are continuing as usual.

We are in close contact with our local teams and partners and are closely monitoring the security situation. We are paying particular attention to developments in areas that are geographically closer to Tigray. Should the situation change or have an impact on our project work, we will adjust our activities accordingly.

The safety of our staff, project partners, and the people we work with is the top priority for Menschen für Menschen. We stand by the people of Ethiopia even in difficult situations.
Portraitbild von Katharina Schuh-Tesch, Menschen für Menschen Österreich

Katharina Schuh-Tesch

Ihre Ansprechpartnerin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: k.schuh-tesch@mfm.at
Mobil: +43 (0)670 400 31 08
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