Nahrungsmittelhilfe während der Dürre in Äthiopien

5,6 Millionen Menschen leiden unter Missernte und sind von Hunger bedroht.

Bereits Ende 2015 waren Teile Äthiopiens von der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren betroffen, deren Folgen sich bis heute fortsetzen. Waren Anfang 2016 nach Angaben der Vereinten Nationen noch 10 Millionen Menschen aufgrund der anhaltenden Dürre auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, so liegen die aktuellen Angaben bei rund 5,6 Millionen Menschen, die von Hunger bedroht sind.

 

In vielen Regionen Äthiopiens hatte es in der ersten Hälfte des Jahres 2016 rechtzeitig zu regnen begonnen und die Menschen brachten bereits ihr Saatgut aus. Auch in Agarfa hatte sich die Lage bereits entspannt und die Berichte aus der Region gaben Grund zur Hoffnung, die rasch wieder zerstört wurde, da die dringend benötigten Regenfälle wieder aufgehört haben. Die Menschen sind aktuell erneut auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Wir gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass rund 16.500 Menschen in Agarfa weiter Unterstützung benötigen werden. Dafür brauchen wir entsprechende Spenden. (Stand: Februar 2017)

 

Bereits im November 2015 startete Menschen für Menschen ein Nothilfeprogramm in Agarfa, südöstlich der Hauptstadt Addis Abeba. Die Region liegt außerhalb der Projektgebiete der Organisation.

32.500 Menschen wurden in Agarfa schließlich mit Lebensmitteln versorgt. Jeder Mensch erhielt monatlich ein Nahrungsmittelpaket wie es vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen empfohlen wird: 15 kg Getreide, 1,5 kg Hülsenfrüchte und 0,45 kg Speiseöl. Schwangere Frauen, stillende Mütter und Kleinkinder bekommen außerdem ein vitamin- und nährstoffreiches Nahrungsergänzungsmittel.

 

Rasche Hilfe dank österreichischer Spender

Die Nahrungsmittelhilfe erfolgt zusätzlich zur Arbeit in den Projektregionen. Deshalb sind auch entsprechend mehr finanzielle Mittel notwendig. „Menschen für Menschen finanziert sich rein aus privaten Spenden“, so Vorstand Rupert Weber. „Nur durch den raschen Einsatz unserer Spenderinnen und Spender und die sofortige großzügige Unterstützung unseres langjährigen Partners, der RED CHAIRity-Initiative konnten wir schnell handeln und in der Region Agarfa alle 32.500 von der Dürre betroffenen Menschen über viele Monate unterstützen.“

Bisher konnte der österreichische Verein Menschen für Menschen 1,7 Mio. Euro für die laufende Nahrungsmittelhilfe bereitstellen.

 

Rasche Hilfe, ermöglicht Zukunft

Alfia Muktar, die im November 2015 verzweifelt im Bericht der ZIB-24 ihre Lage geschildert hat, hat heute wieder Hoffnung und Zuversicht. Sie verdankt der raschen Nahrungsmittelhilfe, dass ihre Kinder nicht unter den Folgen und Schäden von Mangelernährung leiden müssen.

 

„Meine Kinder waren bereits so geschwächt, dass sie nicht mehr die Schule besuchen konnten. Ich habe mir große Sorgen gemacht und hatte Angst um sie. Dank der Nahrungsmittel haben sie zum Glück keine nachhaltigen gesundheitlichen Schäden erlitten und können auch wieder zur Schule gehen. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Heute engagiere ich mich bei gemeinschaftlichen Maßnahmen, um die weitere Erosion unserer Felder zu bekämpfen. Ich habe durch die Dürre gelernt wie wichtig Aufforstung und der Schutz unserer Felder ist.“

Im November 2015 startete die Nothilfe von Menschen für Menschen. Die ZIB-24 berichtete:

 

Mit 50 Euro ermöglichen Sie zum Beispiel die Versorgung einer vierköpfigen Familie mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln für ein Monat.

Nothilfe gestartet – Bericht aus Agarfa

Am 30. November 2015 startete die Nothilfe in der Region Agarfa. Die Region ist eigentlich für ihre hohe Weizenproduktion bekannt. In manchen Gegenden der Region hat es allerdings schon seit zwei Jahren nicht mehr richtig geregnet. Viele Bauern erzählen, dass sie schon zum dritten Mal ausgesät haben – ohne Erfolg.

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Auf dem Weg in die Gemeinde Makala, wo ein Verteilzentrum von Menschen für Menschen eingerichtet ist, wird ersichtlich wie dramatisch die Lage ist. Die Hänge sind voll vertrockneter Felder.

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Wenn etwas gewachsen ist, dann sind die Pflanzen verkümmert. Der Mais ist nur hüfthoch und trägt kaum Früchte. Die Ähren des mickrig gewachsenen Weizens sind leer.

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Insgesamt werden in der Region Agarfa 28.000 Menschen zunächst vier Monate lang mit Nahrungsmittelhilfe unterstützt. In Makala, der erste Ort den wir besuchen, sind 6.000 der 6.024 Einwohner auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die übrigen 24 Einwohner sind schon längst ins Hochland gezogen, wo sie von Verwandten unterstützt werden.

Die Menschen in Makala sind von der Dürre besonders stark betroffen. Es gibt hier kaum noch Wasser. Die komplett verkümmerten Felder werden den wenigen Tieren überlassen, die die Bauern noch nicht verkaufen mussten.

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Schnell ist klar: Die Lage ist brisant. Wer jetzt nicht hilft, riskiert Menschenleben. Die Familien erhalten Weizen, Erbsen und Öl. Ein Standardpaket, das vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen empfohlen wird. Hinzu kommt nährstoffreiches Famix, das Kleinkinder, schwangere Frauen und stillende Mütter mit zusätzlichen Kalorien versorgt.

Getreide und Hülsenfrüchte wurden nach einer öffentlichen Ausschreibung in Bale Robe in der Nähe von Agarfa eingekauft, Famix bei der herstellenden Firma Fafa Food in Addis Abeba. Der Einkauf eines hochwertigen mit Vitaminen angereicherten Speiseöls erfolgte ebenfalls in Addis Abeba, bei der Mojo Edible Oil Factory.

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Die Lebensmittel werden in Agarfa Stadt gelagert – die Lagerräume werden Menschen für Menschen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Von dort aus erfolgt die Verteilung auf drei weitere Standorte in der Region, von wo aus die Verteilung für insgesamt 28 Gemeinden stattfindet.

Menschen für Menschen greift auf die eigene Infrastruktur zurück. Die Nahrungsmittel werden mit Lastwagen der Organisation in die betroffenen Regionen gebracht und von äthiopischen Mitarbeitern vor Ort verteilt. Ein Konzept, das sich bereits bei der Hungerkatastrophe 2011 bewährt hat. So können wir sicherstellen, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie am meisten gebraucht wird.

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Jede Person erhält 15 kg Getreide, 1,5 kg Hülsenfürchte und 0,45 kg Speiseöl. Schwangere Frauen, stillende Mütter und Kleinkinder bekommen außerdem noch Famix, ein nährstoffreiches Nahrungsergänzungsmittel.
Jeder der eine Lebensmittelration bekommt, wird registriert. Bei der Verteilung wird die Abholung vermerkt bzw. muss diese mit Unterschrift oder Fingerabdruck bestätigt werden. Die Ausgabe der Nahrungsmittel erfolgt monatlich.

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projekte-gebiete-abune-gindeberet-Red-chairity-logo-webDurch die sofortige großzügige Unterstützung der RED CHAIRity-Initiative konnte rasch gehandelt werden und die Nahrungsmittelhilfe in der Region Agarfa auf alle 32.500 von der Dürre betroffenen Menschen ausgeweitet werden. Wir danken RED CHAIRity für das Vertrauen in unsere Arbeit und die bedeutende Unterstützung.

Welche Regionen sind betroffen?

Vor allem die Regionen im Norden und Osten des Landes leiden unter der massiven Dürre. Menschen für Menschen leistet in der Region Agarfa, südöstlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, Nothilfe. Dieses betroffene Gebiet liegt außerhalb der Projektgebiete von Menschen für Menschen und wird aufgrund der aktuellen Notsituation unterstützt.

Wo Menschen für Menschen Nothilfe leistet, wird in Rücksprache mit der Regierung und nach eigenständiger Evaluierung entschieden. Ursprüngliche Planungen sahen die Nothilfe für die Nachbarregionen Dinsho und Adaba vor. Eine eingehende Prüfung vor Ort hat ergeben, dass unsere Hilfe in der Region Agarfa noch dringender benötigt wird. Deshalb wird die Nothilfe zunächst in dieser Region umgesetzt.

Die akute Dürre trifft auch Projektgebiete von Menschen für Menschen. Der nachhaltige Ansatz mildert jedoch die Folgen. Nach aktuellem Stand ist in diesen Gebieten keine Verteilung von Nahrungsmitteln seitens der Organisation Menschen für Menschen notwendig.

 

Die Hintergründe des Hungers

Die aktuelle Dürre in Äthiopien ist eine Folge von El Niño. Das Wetterphänomen tritt unregelmäßig auf und Meteorologen befürchten, dass es dieses Jahr besonders verheerende Auswirkungen haben wird. Die ersten Folgen sehen wir bereits in Äthiopien. In dem Land, wo rund 85% der Menschen in der Landwirtschaft tätig sind – der Großteil als Kleinstbauern – ist die Bevölkerung auf die große Regenzeit zwischen Juni und September angewiesen. Dieses Jahr hat dieser wichtige Regen zu spät eingesetzt und fiel zu gering aus. Besonders Regionen im Norden und Osten des Landes sind davon betroffen.

Hilfsorganisationen wie Menschen für Menschen und natürlich auch die äthiopische Regierung beobachten und untersuchen die Auswirkungen von Dürreperioden wie dieser genau und bereiten sich auf eventuelle Notsituationen vor.

Wie die Zahl der Bedürftigen, so wurde natürlich auch die Höhe der notwendigen finanziellen Mittel seit dem ersten Aufruf der äthiopischen Behörden drastisch nach oben korrigiert. Mit Stand 13. Oktober werden laut offiziellen Angaben noch im Jahr 2015 insgesamt knapp 600 Millionen Dollar benötigt, um den drohenden Hunger und dessen Folgen zu verhindern. Quellen: Humanitarian ResponseHumanitarian Requirements Mid-Year Review

 

Hunger kommt nicht über Nacht

Dürreperioden können nicht verhindert werden. Doch wenn Familien Vorräte anlegen können, weil ihre Felder genug Ertrag bringen und sie zusätzlich über ein Einkommen abseits der Landwirtschaft verfügen, gelingt es die Folgen derartiger Dürreperioden deutlich abzuschwächen.

Die Projektarbeit von Menschen für Menschen setzt genau hier an: Die Menschen in den Projektregionen erhalten in Kursen neues Wissen über Erosionsbekämpfung, verbesserte Anbaumethoden und Bewässerung. Die Einführung von neuen und ertragreicheren Obst- und Gemüsesorten verbessert zusätzlich den Ertrag und damit das Einkommen der Bauern, die dadurch Reserven für Notzeiten anlegen können. Weitere Maßnahmen von Menschen für Menschen wie Kleinkreditprogramme oder Handwerkskurse bieten den Menschen außerdem die Möglichkeit, abseits der Landwirtschaft ein Einkommen zu erwirtschaften.

In Äthiopien leben nach wie vor rund 85% der Menschen von Landwirtschaft, der Großteil von ihnen muss als Kleinstbauer ein Auskommen finden. (Quelle: CIA World Factbook online: retrieved February 2015)

 

Unter- und Mangelernährung – Anhaltende Auswirkungen

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Die ersten 1.000 Tage nach der Empfängnis sind entscheidend für die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes. Bei Unterernährung werden Gehirn und Nervensystem schlecht entwickelt und das Immunsystem geschwächt. Dadurch leiden die betroffenen Kinder öfters an Anämie, Durchfallerkrankungen, Fieber und Infektionen der Atemwege. Auch die Kindersterblichkeit ist erhöht. 28% aller Sterbefälle bei Kindern  in Äthiopien sind auf Unterernährung zurückzuführen.

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Mangelernährte Kinder bzw. chronisch unterernährte Kinder gehen im Durchschnitt über ein Jahr kürzer zur Schule. 16% der Klassenwiederholungen in Grundschulen sind auf Unterernährung zurückzuführen. Dies erhöht die Kosten für Bildung und belastet das Schulsystem zusätzlich.

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67% der erwachsenen Bevölkerung in Äthiopien waren als Kinder von Unterernährung betroffen. Dadurch haben sie meist einen geringeren Bildungsgrad und verrichten einfache manuelle Tätigkeiten. Zusammengefasst sind sie weniger produktiv und können dadurch weniger zur Wirtschaftsleistung und Entwicklung des Landes beitragen. Bei Frauen kann Unterernährung eine Schwangerschaft gefährden und dazu führen, dass Kinder bereits im Mutterleib und noch nach der Geburt geschädigt sind.

Bitte helfen Sie! Ermöglichen Sie Ernährungssicherheit:

Mit 15 Euro ermöglichen Sie Gemüsesaatgut und Schulung im Anbau von Gemüse für eine Person.

So sichern sie langfristig die Ernährung von ganzen Familien.