Nagaya Magazin 4/2017 – Hilfe ist das schönste Geschenk

Das NGO-Magazin zu aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklungshilfe

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Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe

  • Streben nach Glück – Die ersten Schritte in eine bessere Zukunft
  • Mehure TVET – Ausbildungszentrum eröffnet
  • Doro Wot – Ein äthiopisches Weihnachtsessen

 

Reportage – „Das Streben nach Glück“

„Zwei Kinder sind vorerst genug“, sagt Tujube, nachdem sie es sich auf der Behandlungsliege so bequem wie möglich gemacht hat, um sich ein Verhütungsstäbchen einsetzen zu lassen. „Mein Mann und ich besitzen selbst kein Land, sondern bewirtschaften das Feld von jemand anderem. Dafür erhalten wir einen Teil der Ernte. Wir haben sehr wenig Einkommen und die Arbeit ist sehr anstrengend. Mehr Kinder könnten wir gar nicht ernähren.“

Tujube ist mit dieser Meinung nicht allein. Gut ein Dutzend Frauen ist heute beim Health Post in Taphisa Sankori zusammengekommen, um sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Empfängnisverhütung zu informieren. Die Beratungen führen Gemechu Chala, Leiter der  Gesundheitsabteilung von Menschen für Menschen in Ginde Beret und Abune Ginde Beret, und Chaltu Tameru gemeinsam durch. Chaltu ist eine sogenannte „Health Extension Worker“ (HEW) der Regionalbehörde und betreut seit zehn Jahren die Gesundheitsstation in der entlegenen Region. „Bis auf zwei Jahre, die ich auf Fortbildung verbracht habe“, erzählt die junge Frau, die ursprünglich aus einem nicht weit entfernten Dorf stammt. Sie ist es auch, die Tujube das Verhütungsstäbchen schließlich einsetzt.

 

Erfolgsgeheimnis Mundpropaganda

„Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit habe“, sagt Tujube, die nur ein paar Minuten entfernt vom Health Post gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt. Erfahren hat sie davon von ihren Nachbarinnen, die das Angebot schon genutzt haben. Mundpropaganda ist auch ein wichtiger Faktor für die Arbeit der Organisation. Ist eine Frau mit ihrer Entscheidung zufrieden, wird sie ihren Freundinnen, Verwandten und Nachbarinnen davon erzählen. Auch andere Maßnahmen vertrauen darauf, dass sich ihr Erfolg herumspricht. „Ein Bauer, dessen Ertrag ohnehin schon gering ausfällt, wird kaum das Risiko eingehen und ihm unbekanntes Gemüse anbauen“, erläutert Berhanu Bedassa, Projektleiter in Ginde Beret und Abune Ginde Beret. „Sieht er aber, dass es bei seinem Nachbarn funktioniert und dieser einen höheren Ertrag, ein besseres Einkommen und mehr auf dem Teller hat, dann wird auch er es ausprobieren.“ Tujube selbst lernt gerade erst die unterschiedlichen Maßnahmen kennen, die Menschen für Menschen in ihrem Dorf anbietet. Verantwortlich dafür, dass die Menschen hier in Taphisa Sankori etwas über die Arbeit der Organisation lernen, ist Entwicklungsberater Tashome, der auch im Dorf lebt, um den Menschen immer mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können. „Die Entwicklungsberater sind das Herz von Menschen für Menschen“, sagt Berhanu Bedassa. „Sie kommen oft selbst aus der Region, kennen die Menschen und ihre Gewohnheiten und arbeiten auf Augenhöhe mit der Bevölkerung. So schaffen wir eine Vertrauensbasis und wir lernen direkt von den Menschen, welche Bedürfnisse und Anliegen sie haben.“

 

Kleine Schritte, große Wirkung

Heute hat Tashome die Aufgabe, holzsparende Öfen an die Familien auszugeben. Dafür bezahlen diese einen kleinen Selbstbehalt von 40 Birr (rund 1,20 Euro). Auch Tujube hat einen der Öfen bestellt, der ihr dabei helfen wird, Holz zu sparen. Bisher nutzte sie die traditionelle Kochstelle, bei der eine Tonplatte auf drei Steine am Boden gelegt wird. Der neue Ofen besteht aus massiven Betonringen und wird erhöht aufgebaut. Das bringt mehrere Vorteile: Durch die geschlossenen Ringe wird Tujube nur noch halb so viel Brennmaterial benötigen, wodurch sie Zeit beim Holzsammeln spart. Der Ofen hat auch einen Abzug, in der Küche entsteht dadurch weniger Rauch, was ihre Gesundheit und die ihrer Kinder schont. Diese laufen außerdem nicht mehr Gefahr, sich am Feuer zu verbrennen. Eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung also. Ofen und Verhütung sind zwei erste Schritte in eine bessere Zukunft. Noch müssen Tujube und ihr Mann Kisi jedoch Jahr für Jahr zusehen, wie sie über die Runden kommen. „In den Winter monaten vor der nächsten Ernte haben wir immer zu wenig zu essen“, beklagt Tujube ihre derzeitige Situation. „Wir müssen uns dann von unseren Nachbarn Mais leihen, den wir nach der Ernte in Teff zurückzahlen.“ Kein gutes Geschäft, denn Teff ist drei Mal so teuer wie Mais, Tujube und ihr Mann müssen aber dasselbe Gewicht zurückzahlen. „Ein Quintal Mais kostet 500 Birr, für dieselbe Menge Teff würden wir 1.600 Birr erhalten.“ Ein Teufelskreis, aus dem sich die kleine Familie nun langsam befreien will. Dass sie voll Tatendrang an dieses Vorhaben herantreten, beweist auch ihr Mann Kisi, der sich schon bei Aufforstungsarbeiten von Menschen für Menschen beteiligt hat.

 

Alternativen schaffen

„Mein Schwiegervater baut auch Cassava und Kaffee an“, erzählt Tujube, „und meine Schwiegermutter hat das Hühnertraining von Menschen besucht.“ Sie leben auf demselben Hof, gemeinsam mit Geschwistern ihres Mannes. Fast gleicht der Hof einem kleinen Familiendorf. „Ich hatte früher 2 Hektar Land und habe das Land auf meine Kinder aufgeteilt. Das ist natürlich nicht ausreichend, um mehrere Familien zu ernähren“, erzählt Schwiegervater Jebesa von den Herausforderungen. Gerade deshalb ist es wichtig, auch die Möglichkeit zu haben, abseits von reiner Landwirtschaft ein Einkommen erhalten zu können. So hat Kisi zum Beispiel einen Kurs zum Häuten und Gerben von Fellen absolviert – eine Fähigkeit, die er in Zukunft in seinem Dorf als Experte anbieten kann. Tujube und Kisi haben noch viele kleine Schritte zu machen, um zum Glück zu gelangen, aber sie sind auf dem besten Weg dorthin. Wie viele Familien vor ihnen, die mit ein wenig Unterstützung von Menschen für Menschen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie Tashome heute ein besseres Leben führen. Und eine Perspektive für die Zukunft ihrer Kinder haben.

 

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