Nagaya Magazin 1/2017 – Ein Meisterstück

Das NGO-Magazin zu aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklungshilfe

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Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe

  • Handwerk in Äthiopien – Mehr als nur Einkommen
  • Mit Motivation in die Zukunft – Auftakt in Jeldu
  • Spendenabsetzbarkeit NEU – Mehr Service für Sie

 

Reportage – „Eine Zunft mit Zukunft“

Landwirtschaft ist für den Großteil der ländlichen Bevölkerung Äthiopiens nach wie vor die Haupteinnahmequelle. Doch für die Zukunft muss es dazu Alternativen geben.

Viele Kinder, doch zu wenig Land, um sie zu versorgen: Diese Situation steht beispielhaft für viele Familien im ländlichen Äthiopien. Auch Chaltus Familie fällt es schwer ein Auskommen zu finden. „Hätte ich die Möglichkeit gehabt, hätte ich lieber die Schule beendet, statt so früh zu heiraten und so viele Kinder zu bekommen.“ Doch Chaltu hatte diese Möglichkeit nicht. Ihre Eltern suchten für sie den Mann aus und mit 17 war sie bereits verheiratet, insgesamt sieben Kinder folgten und sind heute zwischen sechs und 21 Jahre alt. Mit nur einem Hektar Land – das sind etwa eineinhalb Fußballfelder – ist es fast unmöglich eine so große Familie anständig zu versorgen. Meist ist der Ertrag nach vier Monaten aufgebraucht, an Reserven für schlechtere Zeiten ist gar nicht erst zu denken.

 

Alternativen zur Landwirtschaft

Glücklicherweise haben Chaltu und ihr Mann aber Alternativen zum landwirtschaftlichen Einkommen. Ihr Mann stellt Sättel her – traditionellerweise aber ein Geschäft, das saisonabhängig ist: „Zwischen November und Jänner sind viele Feiertage, wofür Pferde oft besonders geschmückt werden. Es ist auch der Beginn der Erntezeit und deshalb haben die Leute eher Geld für einen neuen Sattel“, erzählt Chaltu als wir sie bei einem Besuch im Trainingscenter in Bake Kelate treffen. Dort möchte sie mithilfe eines Töpferkurses ihren Beitrag zum Familieneinkommen zukünftig erhöhen. „Mit der neuen Töpferscheibe kann ich in derselben Zeit doppelt so viele Kaffeekannen herstellen wie früher.“ Ein immenser Vorteil, denn so spart sich Chaltu viel Zeit. Außerdem lernt sie im Kurs, wie sie die Qualität ihrer Waren verbessern kann, wodurch sie pro Stück auch mehr verdient. „Ich bin sehr glücklich über diese Chance und nutze sie, um meinen Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen.“

 

(Noch) kein ehrenwerter Beruf

Handwerk wurde im ländlichen Äthiopien bisher schlecht angesehen. Das betrifft Frauen wie Chaltu, die ihr Einkommen mit Töpfern verdienen, genauso wie Weber, traditionell ein Männerberuf. Durch das Angebot von Kursen trägt Menschen für Menschen auch dazu bei, das zu ändern. Denn im Handwerk liegt für viele Familien auch die Zukunft. Vor allem für jene, die über wenig oder gar kein Land verfügen, ist es oft die einzige Möglichkeit ein Auskommen zu finden.

 

Die Eisen im Feuer

Auch Ermias Bekeles Zunft war früher nicht hoch angesehen. Der 27-Jährige ist Metallarbeiter in Alem Katema im ehemaligen Projektgebiet Merhabete. Hier hat Menschen für Menschen 2009 die Projektarbeit abgeschlossen und fünf Jahre später auf ihre langfristige Wirkung hin untersuchen lassen. Die Studie beweist, dass sich „die Lebensbedingungen der Menschen in Merhabete nachhaltig verbessert haben.“ Die Arbeit von Menschen für Menschen hat eine Grundlage geschaffen, auf der sich die Region weiter entwickelt hat. Details zur Untersuchung finden sich unter http://www.mfm.at/transparenz

 

Von der Weiterentwicklung hat auch Ermias profitiert. Während seine Geschwister noch weite Strecken zurücklegen mussten, um die Schule zu besuchen, konnte er direkt in Alem Katema seine Ausbildung absolvieren und machte seinen Abschluss am örtlichen TVET (Technical Vocational Education and Training – eine berufsbildende technische Ausbildung). Heute hat er seinen eigenen Betrieb im Ort und fertigt mithilfe von drei Angestellten Betten, Türen und Wellblechwände an. „Wenn das Geschäft gut läuft, beschäftige ich noch zwei weitere Mitarbeiter“, erzählt Ermias vom raschen Erfolg seines Unternehmens, womit er ebenso dazu beiträgt, dass junge Menschen eine Beschäftigung finden und sich die Region als Ganzes weiterentwickelt.

 

Nachhaltige Entwicklung?

Ermias‘ Beispiel zeigt, wie Entwicklung langfristig wirken kann. Durch die Förderung von Bildungsmöglichkeiten in der Region konnte Ermias in seinem Heimatdorf eine Ausbildung absolvieren und gibt heute das Gelernte an seine Mitarbeiter weiter. Diese können dadurch ihre Familien versorgen – und das unabhängig von der Landwirtschaft. Das Unternehmen trägt außerdem zur allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung in der entlegenen Region bei.

 

Ein Rad im Getriebe

Die Förderung von Handwerk oder Kooperativen ist nur ein Rad im Getriebe langfristiger Entwicklung. Damit eine Frau zum Beispiel überhaupt an einem Näh- oder Töpferkurs teilnehmen kann, muss sie zunächst in ihren täglichen Aufgaben entlastet werden. Ein Brunnen in der Nähe ihres Dorfes und ein holzsparender Ofen sorgen bereits dafür, dass Frauen mehr Zeit haben, um Schulungsangebote wahrzunehmen. Auch Informationen zu und das Angebot von Familienplanung wirkt sich darauf aus, ob eine Frau sich am wirtschaftlichen Leben einer Region beteiligen kann. Davon profitieren wiederum die Männer, die schließlich nicht mehr alleine dafür verantwortlich sind die Familie zu versorgen. „Früher musste ich meinen Mann wegen jeder Kleinigkeit um Geld bitten“, erzählt auch die 42-jährige Wubayehu. „Seit ich selbst mein Geld verdiene, verstehen wir uns besser und Entscheidungen werden prinzipiell gemeinsam getroffen.“ Wubayehu hat vor vielen Jahren am Kleinkreditprogramm von Menschen für Menschen teilgenommen und konnte ihrer Familie über die Jahre ein gutes Leben ermöglichen. Einer ihrer Söhne konnte zum Beispiel eine Pharmazie-Ausbildung abschließen und führt nun im Nachbarort eine Apotheke und eine kleine Klinik. So hat gewissermaßen eine ehemalige Bäuerin mit etwas Hilfe von Menschen für Menschen und viel persönlichem Einsatz die Gesundheitsversorgung in ihrer Heimat verbessert.

 

Helfen Sie mit und ermöglichen Sie den Menschen in Äthiopien eine bessere Zukunft!

Schulung zum Mikrokredit-Programm

Mit einer Spende von 23 Euro ermöglichen Sie eine Schulung zum Kleinkreditprogramm, welche wirtschaftliche Grundlagen vermittelt und Frauen optimal auf ihren Start ins Geschäftsleben vorbereitet.

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