Nagaya Magazin 4/2015 – Dürre in Äthiopien

Das NGO-Magazin zu aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklungshilfe

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Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe

  • Eine Hand voll Kartoffeln ist zu wenig! – Zur Lage in Agarfa
  • „Wir hoffen auf Unterstützung!“ – Rupert Weber über die Nothilfemaßnahmen
  • Inkubatoren nach Kachisi geliefert – Frühchen haben jetzt eine Chance

 

Reportage – Eine Hand voll Kartoffeln ist zu wenig!

Äthiopien ist von der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren betroffen. Das hat zur Folge, dass bereits 8,2 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Menschen für Menschen leistet in dieser Situation selbstverständlich Nothilfe außerhalb der Projektregionen. Wie schlimm die Situation vor Ort ist, davon hat sich Rupert Weber, geschäftsführender Vorstand des österreichischen Vereins, selbst ein Bild gemacht.

Kamele trotten gemächlich über ein Maisfeld und zupfen die Blätter von den Stauden. Warum, fragt man sich, lassen die Bauern die Tiere auf ihr Feld, wenn doch die Ernte bereits so schlecht ausfällt? Aber es ist keine Unaufmerksamkeit der Bauern – die Kamele sind aus einem guten Grund auf den Feldern; wenigstens sie sollten etwas zu essen bekommen. Denn die Maisstauden scheinen nur auf den ersten, fernen Blick normal zu wachsen. Bei genauerem Hinsehen wird erkennbar: Sie sind verkümmert, tragen kaum Früchte. Selbst wenn, sind die Maiskolben viel zu klein und ohne Körner. Den Bauern bleibt deshalb nichts anderes übrig, als die Felder den Tieren zu überlassen, ehe die Pflanzen komplett vertrocknet sind. Die Kamele sind die letzte Notreserve für die Menschen hier, südöstlich von Harar, der heiligen Stadt die 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

 

Drohende Katastrophe

Ähnlich sieht es zurzeit in weiten Teilen Äthiopiens aus. Besonders der Südosten ist von der starken Dürre betroffen und es kommt zu kompletten Ernteausfällen, wie zum Beispiel in der Region Agarfa, wo Menschen für Menschen ab November mit der Ausgabe von Nahrungsmitteln startet. Wie dringend diese Nothilfe ist, zeigt sich bei einem Besuch vor Ort, wo sich Rupert Weber ein Bild von der Lage gemacht hat. „Hier ist es wirklich extrem schlimm und wenn jene Länder die es sich leisten können nicht sehr rasch helfen, steuern wir auf eine humanitäre Katastrophe hin. Jeder Tag der vergeht macht die Situation noch schlimmer.“

 

Ein Jahr ohne Ernte

Suleman Denboba und seine Frau Shasho Mohammed leben in Agarfa. Schon im Frühjahr fiel ihre Ernte aus, weil die kleine Regenzeit bereits ausgeblieben war. Ihre ganze Hoffnung legten sie deshalb in die große Regenzeit, die normalerweise über die Sommermonate Juli und August die Pflanzen mit notwendigem Wasser versorgt. Doch der Regen kam zu spät, Suleman und Shasho konnten nicht rechtzeitig aussäen. „Als wir die Saat endlich ausbringen konnten, war der Regen aber noch immer zu schwach. Das Getreide ist kaum gewachsen“, berichtet Suleman von der Katastrophe, „Mais und Sorghum, es ist alles vertrocknet. Alles was uns geblieben ist, sind ein paar Hühner und ein kleiner Haufen Kartoffeln, die wir am Markt noch kaufen konnten.“
Eine Hand voll Kartoffeln kann aber keine Familie ernähren und die Getreidespeicher sind leer. Die Familie von Suleman und Shasho hat mittlerweile alle Hoffnung verloren, sie haben keine Möglichkeit, kein Geld, um sich noch Essen kaufen zu können. „Wir sind eigenständige Bauern, wollten nie kostenlose Hilfe annehmen“, erzählt Suleman, „aber wir haben keine andere Möglichkeit mehr, um unsere Kinder zu ernähren. Wir sind nun von der Hilfe anderer abhängig.“ Damit ist die Familie hier nicht alleine: Rund 28.000 Menschen sind in Agarfa auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Sie erhalten vorerst Hilfe von Menschen für Menschen.

 

Rasche und unmittelbare Hilfe

Für die Organisation ist es selbstverständlich, in dieser Notsituation rasch und unmittelbar Hilfe zu leisten, ehe ein gefährlicher Kreislauf in Gang gesetzt wird. In einem ersten Schritt werden die 28.000 Betroffenen in Agarfa für vier Monate mit Nahrungsmittelhilfe versorgt. Dabei greift Menschen für Menschen auf die eigene Infrastruktur zurück und auch die eigentliche Verteilung wird von Mitarbeitern der Organisation in Zusammenarbeit mit den äthiopischen Behörden durchgeführt.
Es ist wichtig die Umsetzung der Nothilfe mit den äthiopischen Behörden abzustimmen, denn besonders in einer Ausnahmesituation gilt es, den Überblick zu behalten, um genau zu wissen, was wo gebraucht wird. Nur so kann die Hilfe direkt bei den Menschen ankommen. Aus diesem Grund führten Mitarbeiter von Menschen für Menschen auch eine Untersuchung vorab durch, bei der die Lage in Agarfa unter die Lupe genommen wurde. Auf Basis dieser Untersuchung wird festgehalten, wie viel Getreide, Öl, Hülsenfrüchte und Nahrungsergänzungsmittel für Kleinkinder und Schwangere benötigt werden.

 

Ablauf der Nothilfe

Der Einkauf der notwendigen Nahrungsmittel erfolgt nach einer öffentlichen Ausschreibung: Um die Transportwege so kurz wie möglich zu halten, wird versucht so viele der Lebensmittel wie möglich in nahe gelegenen Regionen einzukaufen. Der Transport selbst wird mit Lastwagen von Menschen für Menschen durchgeführt – die Lagerung ist in diesem konkreten Fall in einer Halle in der Region Agarfa möglich, die von den Behörden kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Die gute Kooperation mit den Behörden ermöglicht es Menschen für Menschen also auch, Kosten zu sparen.
Für die Ausgabe selbst müssen zunächst alle Menschen registriert werden, die Nahrungsmittelhilfe benötigen. Sie erhalten dann eine Lebensmittelkarte, die sie vorweisen müssen und auf der die Ausgabe vermerkt wird. Jeder Mensch erhält pro Monat ein Standardpaket, das den Empfehlungen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen entspricht: 15 kg Getreide, 0,45 kg Speiseöl und 1,5 kg Hülsenfrüchte. Zusätzlich werden Kleinkinder und Schwangere mit einem Nahrungsergänzungsmittel versorgt, das wertvolle Vitamine und Mineralstoffe enthält.

 

Wir müssen jetzt helfen!

Diese dringende Nothilfe leistet Menschen für Menschen zusätzlich zur langfristig geführten Projektarbeit, wie Rupert Weber erläutert: „Die Kosten für diese außerordentliche Nothilfe belaufen sich aktuell auf insgesamt rund 1,2 Millionen Euro. Damit können wir in Agarfa 28.000 Menschen vier Monate lang mit überlebensnotwendigen Nahrungsmitteln versorgen. Welche weiteren Maßnahmen folgen, ist vor allem von der Entwicklung der Situation vor Ort abhängig und ob wir über ausreichende Spendenmittel verfügen, da wir aktuell auf Rücklagen zurückgreifen müssen, um die Nothilfe finanzieren zu können. Für uns ist es aber selbstverständlich, jetzt zu helfen und nicht erst, wenn wir Bilder von hungernden Kindern sehen.“

Verhindern Sie großes Leid. Unterstützen Sie bitte unsere Nothilfe und spenden Sie für lebenswichtige Nahrungsmittel:

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Danke für Ihre Hilfe!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei alles Spendern, die unsere Nothilfe während der verheerenden Dürre 2015 und 2016 unterstützt haben. Dank Ihnen konnten die Menschen in Agarfa das Schlimmste überstehen. Nun können wir uns wieder unserer nachhaltigen Arbeit widmen: Solchen Katastrophen vorzubeugen, damit Notsituationen wie diese gar nicht erst entstehen.

Ich will spenden!

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