Nagaya Magazin 2/2018 – Aufforstung und Umweltschutz

Das NGO-Magazin zu aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklungshilfe

Nagaya Magazin 2/2018 als PDF herunterladen

 

Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe

  • Kein verflixtes siebtes Jahr – Bäume füllen die Kaffeekassen
  • Die Papaya fällt nicht weit vom Stamm – Eine Saft-Bar forstet auf
  • Katzen würden Bäume pflanzen – Aufforstung für Mensch und Tier

 

Kein verflixtes siebtes Jahr

„Um die Affen zu verjagen, haben wir früher den Wald auf dem Hügel abgebrannt“, erzählt Tolessa fast beiläufig, als wir uns mit ihm und anderen Bauern aus dem Washa Catchment über die Entwicklung des abgelegenen Talkessels unterhalten. Warum wollten sie die Affen vertreiben? „Sie haben unsere Ziegen angegriffen. Wir wussten uns nicht anders zu helfen“, erklärt Tolessa ihre Entscheidung, die schwerwiegende Folgen für die Region haben sollte: Die Brandrodung führte zu erodierten Hängen, ohne Baumwurzeln konnte sich die Erde nicht mehr halten und wurde abgeschwemmt. Mit den Affen verschwand also auch die fruchtbare Erde, was wiederum zu schlechteren Ernten führte und zu großen Erosionsgräben, die nach und nach die Felder verschlangen. „Heute wissen wir, dass wir falsch
gehandelt haben. Aber bis vor sieben Jahren wusste niemand von uns, was man gegen diese schlimmen Auswirkungen machen kann.“

Vor sieben Jahren begann Menschen für Menschen mit der Arbeit in der Region. „Wir lebten im wahrsten Sinne des Wortes in einer Höhle“, erzählt Fufa und spielt damit auf den Namen der Region an, denn „Washa“ ist Amharisch für „Höhle“. „Niemand zeigte uns bessere Anbautechniken“, erzählt Fufa und Tolessa ergänzt: „Wir wussten auch nicht, wie man Bäume anpflanzt oder wie wichtig es ist, verschiedene Bäume anzupflanzen. Die Erosion der Böden war ein großes Problem für uns.“

Abholzung auf den Grund gehen

Dabei sind es gar nicht so drastische Methoden wie Brandrodung, die in Äthiopien die Bodenerosion voranschreiten lassen. Holz ist ein wichtiger Nutzstoff und wird beispielsweise zum Hausbau verwendet, aber auch in der Küche kommt viel des wertvollen Rohstoffs zum Einsatz: Traditionelle Kochstellen bestehen lediglich aus drei am Boden liegenden Steinen, auf denen eine Tonplatte platziert wird. Dieses offene Feuer verbraucht massenhaft Brennmaterial. Dafür wird getrockneter Dung verwendet, der wiederum als Dünger auf den Feldern fehlt, aber vor allem Reisig und Holz, die in den umliegenden, ausgedünnten Wäldchen gesammelt werden. Außerdem führt der Kinderreichtum der Familien dazu, dass mehr landwirtschaftliche Fläche gebraucht wird, wozu Wald oft gerodet wird. Heute sind nur noch 11% der Landesfläche Äthiopiens von Wald bedeckt. Wer sich das schlecht vorstellen kann, findet in Europa Vergleichbares: Auch in Großbritannien oder den Niederlanden beläuft sich die von Wald bedeckte Fläche auf etwa denselben Anteil. Aber es sah dort tatsächlich schon schlechter aus: Rund um 1900 wiesen beide Länder lediglich eine Waldfläche von 2 – 3% auf. Auch in Äthiopien ist mittlerweile ein kleiner Aufwärtstrend zu verzeichnen, was groß angelegten Aufforstungsprojekten zu verdanken ist sowie dem Schutz bestehender Wälder, wie zum Beispiel des Chilimo Waldes westlich der Hauptstadt Addis Abeba, den man auf dem Weg in die österreichischen Projektregionen durchquert.

Vielfältige Wälder

„Wir beschäftigen Menschen aus der Region, um Samen der heimischen Bäume aus dem Chilimo Wald zu sammeln“, erzählt Abayneh Aleme, der in den Projektregionen Ginde Beret und Abune Ginde Beret für die agrarökologischen Maßnahmen verantwortlich ist. Die Samen werden anschließend in den Baumschulen von Menschen für Menschen ausgesät und zu Setzlingen aufgezogen. „Gepflanzt werden diese Setzlinge dann wiederum von der Bevölkerung. Sie kommen unter anderem bei großflächigen Aufforstungsprojekten zum Einsatz. Manche heimische Bäume wachsen zwar langsam, aber bringen viele wichtige Vorteile mit sich“, erklärt Abayneh den Nutzen einer Mischpflanzung: „Schnell wachsende Bäume können von der Bevölkerung relativ rasch als Nutzholz genutzt werden, zum Beispiel für den Hausbau oder als Einkommensquelle. Zwischen ihnen werden andere Bäume, Sträucher und Gräser gepflanzt, die langfristig zur Bodenkonservierung beitragen. So werden ganze Landstriche wieder fruchtbar gemacht und dank des Wurzelwerks kehren auch Wasserquellen wieder zurück.“ Mischpflanzung erfolgt aber nicht bloß zur Aufforstung,
sondern kommt auch auf den Höfen der Bauern und Bäuerinnen zum Einsatz. Statt großflächig Eukalyptus zu pflanzen, um damit schnell Geld verdienen zu können, lernen sie in Kursen von Menschen für Menschen beispielsweise
über den Vorteil schattenspendender Bäume für Kaffeesträucher oder über die Aufzucht und Pflege von Obstbäumen, wie Avocado-, Papaya- oder Apfelbäume. Die Setzlinge dafür stammen ebenfalls aus den Baumschulen von Menschen für Menschen. Bisher wurden in den österreichischen Projektgebieten Abune Ginde Beret, Ginde Beret und Jeldu 133 Baumschulen eingerichtet, wo Menschen aus der Umgebung beschäftigt werden, um die Setzlinge aufzuziehen.

Die 22-jährige Ayantu ist eine von 16 Angestellten, die sich in der Baumschule im Washa Catchment um die Aufzucht der Pflanzen kümmert. „Ich arbeite hier seit sieben Jahren und kann so meine Familie versorgen“, erzählt Ayantu, während sie Erde in kleine Säckchen für die Anzucht der Samen steckt. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen und der gesamten Dorfgemeinschaft hat sie in dieser Zeit dazu beigetragen, dass heute wieder Bäume in der Region sprießen, wie Tolessa, der Direktor der benachbarten Schule, erklärt: „Vor zehn Jahren gab es hier nicht so schöne Bäume, überall wuchs nur Gesho.“ Gesho, so heißt der afrikanische Faulbaum in Äthiopien, wird zur Herstellung des lokalen Getränks „Tella“ verwendet, sozusagen das äthiopische „Bier“, das es auch in einer Variante ohne Alkohol gibt. Tolessa wuchs hier auf und kehrte nach seiner Ausbildung als Lehrer zurück in seine Heimat, die sich in den letzten Jahren sehr verändert hat.

Tonnenweise Kaffee

Mittlerweile fährt samstags ein Bus vom Washa Catchment nach Kachisi, der Hauptstadt der Region. Angelegt wurde die Straße gleich zu Beginn der Projektarbeit von Menschen für Menschen und ist seitdem eine Lebensader für die Region geworden. Denn Bauern wie Tolessa oder Fufa produzieren mittlerweile Obst, Gemüse und Kaffee im großen
Stil. Ihre Produkte mühsam auf dem Rücken durch eine einst unwegsame Schlucht nach oben zum Markt zu schleppen, ist heute fast undenkbar. „Der Kaffee aus dem Washa Catchment ist heiß begehrt am Markt“, erzählt Projektleiter
Ber hanu Bedassa. „Die Bohnen sind recht groß und sehr schmackhaft. Außerdem legen die Kaffeebauern hier große Sorgfalt darauf, schlechte Bohnen auszusieben.“ Etwa 4 bis 5 Tonnen Kaffee ernten allein die Bauern im Washa Catchment jährlich. Ganze 500 Kilo davon stammen von den Sträuchern Tebeles, der auch schon die ersten Avocados ernten konnte. „Ein Avocadobaum braucht sehr lange, etwa 7 bis 8 Jahre, bis er Früchte trägt. Aber es zahlt sich aus“, erzählt Tebele. Ein Kilo Kaffee kostet in Kachisi etwa 100 Birr, also umgerechnet etwa 3 Euro. Tebele verdient also
allein mit seinem Kaffee etwa 1.500 Euro im Jahr, was in etwa dem pro Kopf-Einkommen Äthiopiens entspricht.

Nutzen für Generationen

Um seinen Verdienst muss sich Tebele künftig ohnehin keine großen Sorgen mehr machen. Auf seinem Hof findet sich noch einiges mehr, das ihm ein Einkommen sichert: Tomatensträucher, Papayabäume, Hühner, Bienenstöcke und vieles mehr sorgen für einen guten Unterhalt für seine Familie. Wie viele andere Bauern der Region zieht auch Tebele selbst Baumsetzlinge auf, um sie entweder am eigenen Hof anzupflanzen oder an Nachbarn weiterzugeben. „Wir haben in den letzten Jahren gelernt, was zu tun ist, um unsere Umwelt zu schützen und damit unser Einkommen zu sichern“, erzählt Tolessa. „Ob wir nun auf unserem Hof Bäume pflanzen, die Hänge wieder aufforsten oder Terrassierungen anlegen, all das nutzt am Ende uns allen und ganz besonders unseren Kindern.“

 

Helfen Sie mit und ermöglichen Sie den Menschen in Äthiopien eine bessere Zukunft!

MfM-entwicklungshilfe-afrika-magazin-2018-2-mann-setzt-baumsetzling

Pflanzen von Baumsetzlingen

Mit 25 Euro ermöglichen Sie das Pflanzen von Baumsetzlingen. Aufforstung schützt den Boden vor Erosion, macht die Erde wieder fruchtbar und wirkt sich positiv auf Klima und Wasserzugang aus.

Ich will spenden!

Aktuelles