Schritt für Schritt zum Apfelbauer

Wer vor wenigen Jahren am Markt in Kachisi Obst einkaufen wollte, hatte die Wahl zwischen Orangen und kleinen Bananen. Damit war die Auswahl an vitaminreichen Früchten in der abgelegenen Region erschöpft. Dabei würde sich das Klima für so viele unterschiedliche Pflanzen eignen – nur fehlten bislang das Wissen über den Anbau und der Zugang zu geeignetem Saatgut. Das änderte sich vor fünf Jahren, als Menschen für Menschen mit der Projektarbeit in der Region begann. Heute ernten die Bauern Mangos, Papayas, Avocados und auch Äpfel. Der Anbau von Gemüse und Obst braucht natürlich seine Zeit und ein gewisses Knowhow. Letzteres erhalten die Bauern in Kursen, die von Menschen für Menschen angeboten werden und heiß begehrt sind: 2.559 Frauen und Männer haben allein im Jahr 2015 an landwirtschaftlichen Schulungen in den Regionen Abune Ginde Beret und Ginde Beret teilgenommen. Darunter sind auch viele, die bei Girma Gemeda, Leiter der Abteilung Agrarökologie, die wichtigsten Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Apfelbauer erlernten.

 

Geschäftsfrau und Apfelbäurin

Eine der Teilnehmerinnen ist auch Genet Tolera, die wir schon Monate zuvor als erfolgreiche Nähkurs-Absolventin kennengelernt hatten. „Genet hat in kürzester Zeit jeden Kurs absolviert den Menschen für Menschen angeboten hat“, berichtet Girma Woldemichael, der in der Region für Evaluierung und Projektkontrolle zuständig ist. Nicht ohne Stolz führt ihn Genet dann auch über ihren Hof und zeigt Girma, wo die Apfelbäume künftig stehen werden. „Aber erst nach der Kartoffelernte, denn Apfelbäume vertragen sich nicht mit Kartoffeln.“ Genet erklärt, was sie im Kurs bereits gelernt hat: Zum Beispiel, wie wichtig es ist in Mischkultur anzubauen und darauf zu achten, welche Gemüse- oder Obstsorten gemeinsam gesetzt werden.

 

Apfelbäume für gutes Einkommen

In diesem speziellen Kurs lernen die Teilnehmer Schritt für Schritt, wie sie ertragreich Apfelbäume anpflanzen: Von der richtigen Größe des Pflanzlochs über die geeignete Mischung aus Erde, Kompost und Dung bis hin zum Schneiden und Binden der Zweige. Den Kurs zum Apfelbauer können jedoch nicht alle besuchen. Die Voraussetzung ist, dass am Hof die Möglichkeit zur Bewässerung besteht, denn nur dann ist der Anbau von Apfelbäumen auch wirklich sinnvoll. Dann aber tragen die Bäumchen zwei Mal im Jahr Früchte und mit dem Ertrag lässt sich am Markt ein gutes Einkommen erzielen. Die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen steht bei Menschen für Menschen immer im Vordergrund, denn nur so kann die Hilfe zur Selbsthilfe auch langfristig wirken. Die Landwirtschaft ist nach wie vor die wichtigste Einkommensquelle für die Familien im ländlichen Äthiopien. Deshalb muss dieses Fundament auch gefördert und ausgebaut werden. Bessere Anbaumethoden und Bewässerung mögen zu höherem Ertrag führen, doch was geschieht mit der Ernte? Auch die Nachbehandlung und Lagerung wird in den Kursen thematisiert – denn Schädlinge oder ungenügende Lagerung führen zu einem erheblichen Ernteverlust. Die Verarbeitung von bisher unbekannten Gemüse- und Obstsorten wird in eigenen Kochkursen vermittelt, die im Rahmen von Hauswirtschaftsschulungen abgehalten werden. In diesen Schulungen zeigt sich auch deutlich, wie sehr jeder einzelne Bereich des Lebens den anderen beeinflusst.

 

Mit Kooperativen in eine bessere Zukunft

Einige Schritte weiter geht man mittlerweile in der Projektregion Dano, wo die gesamte Region in die übliche Wertschöpfungskette eingegliedert wird. Für gewöhnlich verkaufen die Bauern die Früchte ihrer Felder auf dem lokalen Markt, wodurch zum Beispiel das Getreide auch seinen Weg zu Großhändlern findet. In Dano werden seit kurzem nun auch Kooperativen zur weiteren Verarbeitung gefördert. Verschiedene Produkte, wie Getreide, Honig, Obst oder Speiseöl werden in der Region gewonnen, weiterverarbeitet und vermarktet. Ziel ist es, auch Frauen und insbesondere arbeitslosen Jugendlichen der Region die Möglichkeit zu geben, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen und ihnen so eine Perspektive vor Ort zu eröffnen. Was Genet mit ihren Äpfeln eines Tages anstellen wird, bleibt abzusehen. Nun müssen erstmal die Setzlinge gepflanzt und gepflegt werden. Aber eines ist sicher: Am örtlichen Markt sieht es heute schon um einiges bunter aus als noch vor wenigen Jahren.

 

Helfen Sie mit, Frauen wie Genet dabei zu unterstützen ein kleines Einkommen zu erwirtschaften und somit sich selbst und die Familie aus eigener Kraft zu versorgen.

 

Fünftägiger Landwirtschaftskurs

Mit einer Spende von 15 Euro ermöglichen Sie einen 5-tägigen Landwirtschaftskurs für einen Bauern zur Verbesserung der Erträge und dem Schutz der Umwelt.

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