Wenn die Saat aufblüht

 

„Früher konnte ich weder meine Familie übers Jahr ernähren, noch meine Kinder zur Schule schicken. Ich wusste nicht, wie ich unsere Situation verbessern soll. Doch dann kam Menschen für Menschen in unsere Region und es haben sich viele neue Möglichkeiten ergeben. Seitdem ist alles anders“, erzählt Girma Badessa.

Girma Badessa zählt zu jenen Bauern, die von Beginn an offen für Veränderungen waren. Als einer der ersten nahm er an den landwirtschaftlichen Schulungen von Menschen für Menschen teil und setzte das dort Gelernte in die Praxis um.

Früher pflanzte Girma wie viele andere Bauern Zuckerrohr an, seine Familie konnte er davon aber nicht ernähren. In einer landwirtschaftlichen Schulung hat er gelernt, wie man Kaffee anbaut und hat schließlich auch Setzlinge erhalten. Heute lebt er mit seiner Familie gut vom Ertrag der Kaffeeernte. Darüber hinaus baut er unterschiedliche Gemüsesorten auf seinem Hof an, wodurch auch die Ernährung der Familie heute viel vitamin- und nährstoffreicher ist.

Dass Familien wie jene von Girma jetzt ein gutes Leben haben, hängt mit einer Vielzahl von Maßnahmen zusammen, die Menschen für Menschen gemeinsam mit der Bevölkerung in Ginde Beret umsetzt. So wurden beispielsweise Zufahrtswege, Brunnen, Quellfassungen und Schulen gebaut, Terrassen wurden angelegt und Hänge aufgeforstet, um der Erosion entgegen zu wirken. Schulungen über Landwirtschaft und Bewässerungstechniken helfen den Bauern, neue Gemüse- oder Obstsorten ertragreich anzubauen. Außerdem werden mit Handwerkskursen wie Web-, Töpfer- oder Nähkursen auch Einkommensmöglichkeiten abseits der Landwirtschaft gefördert.

Das alles hat das Leben der Menschen in Ginde Beret von Grund auf verändert. Auch die Beziehung zwischen Mann und Frau hat sich dadurch verbessert:

„Früher waren unsere Frauen meistens unter sich und ihre Meinung zählte wenig. Heute ist das ganz anders“, berichtet Girma.

Dass die Frauen in der Region jetzt als gleichberechtigte Gesellschaftsmitglieder gesehen werden, war ein Prozess. Das Team von Menschen für Menschen führt viele Diskussionen, auch über heikle Themen wie Verhütung und Beschneidung. Darüber hinaus fördert Menschen für Menschen gezielt Frauen, um ihre gesellschaftliche Stellung zu verbessern. Zum Beispiel führt das Kleinkreditprogramm dazu, dass Frauen oft erstmals ein eigenes Geschäft betreiben können und somit eigenständig zum Einkommen der Familie beitragen können. Sowohl durch die verbesserte wirtschaftliche Situation, als auch durch das Umdenken in der Gesellschaft hat sich eine Veränderung vollzogen, von der auch die nächste Generation stark profitiert.

 

Alle sieben Kinder der Familie Badessa besuchen die Schule, Töchter wie Söhne.

Ganz anders ist die Situation derzeit noch in der Nachbarregion Jeldu, wo die Arbeit von Menschen für Menschen 2017 aufgenommen wurde. Misoma Fita ist Bauer im neuen Projektgebiet Jeldu und berichtet von den Herausforderungen, vor denen seine Familie alljährlich steht:

„Wir haben nur die Hälfte des Jahres genug zu essen. Das Land wirft immer weniger Ertrag ab“, berichtet er.

 

„Wir haben versucht, gemeinsam aufzuforsten, aber es hat nicht funktioniert. Uns fehlt das Wissen und auch die Setzlinge“, erzählt Misoma. „Aus der Nachbarregion wird viel Gutes erzählt. Unsere Hoffnung ist groß, dass wir nun Unterstützung bekommen, etwas zu verändern.“

In Jeldu ist die Landschaft besonders stark von Erosion und Abholzung betroffen. Dort, wo die ältere Generation über Wälder und Quellen erzählt, verdorrt heute die Ernte der Bauern.

Fünftägiger Landwirtschaftskurs

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