Bayushs Weg zur eigenen Boutique

Das Schicksal von Bayush Negussie schien eigentlich schon besiegelt:

Als sie 15 Jahre alt war, wurde sie verheiratet, das erste Kind ließ nicht lange auf sich warten und sechs weitere folgten. Bayush führte das exemplarische Leben einer Frau im ländlichen Äthiopien. „Ich habe früher Gewürze verkauft und mich um Haushalt und Kinder gekümmert. Wir hatten kein eigenes Land, aber glücklicherweise fand mein Mann eine Anstellung in einer Baumschule von Menschen für Menschen.“.

Witwe, sieben Kinder, kein Land

Doch im Jahr 2001 stirbt ihr Mann. Bayush ist nun Witwe, verantwortlich für sieben Kinder und ohne Land auch ohne Aussicht auf ein ausreichendes Einkommen. „Aber ich bin eine Kämpferin und habe mich schon immer für Handel interessiert“, erzählt Bayush von der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens.

 

Neuanfang dank Menschen für Menschen

Nur ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes absolviert sie einen Nähkurs von Menschen für Menschen. „Ich war eine der ersten Frauen, die den Kurs gemacht haben. In dieser Gegend ist es sehr ungewöhnlich wenn Frauen nähen, das war bisher immer ein Geschäft für Männer“, erinnert sich Bayush an den schwierigen Beginn, „dass wir nach dem Kurs eine Kooperative gründeten, hat uns sehr geholfen. Wir waren allesamt sehr talentierte Frauen und gemeinsam konnten wir unser Geschäft besser in Gang bringen und uns gegenseitig motivieren und unterstützen.“ Zu sechst waren die Frauen, als sie vor 13 Jahren ihr kleines Geschäft in Alem Katema eröffneten. Zu Beginn haben sie Kleider für sich selbst genäht, dann für Freunde und Verwandte. Schritt für Schritt erweiterte sich der Kundenkreis, denn Qualität setzt sich immer durch, ist sich Bayush sicher: „Wir hatten den besseren Unterricht, das ist den Kunden natürlich aufgefallen, weshalb unser Geschäft auch besser läuft als das der Männer.“

 

projekte-einkommen-merhabete-bayush_MG_5460

Von der Witwe zur Lehrerin und Geschäftsfrau

Mittlerweile hat von den ursprünglich sechs Mitgliedern nur eines die Kooperative verlassen, doch Bayush braucht sich um Nachwuchs keine Sorgen zu machen. Seit vier Jahren arbeitet Ejigayehu Ayele mit den Pionierinnen zusammen. Die 30-Jährige wurde von Bayush selbst ausgebildet und steht ihrer Meisterin in Sachen Qualität um nichts nach. Diese wiederum hat sich vor zwei Jahren einen Traum erfüllt und eine kleine Boutique in der Stadt eröffnet, wo sie auch Eigenkreationen verkauft: „Irgendwann möchte ich mich hauptsächlich auf die Boutique konzentrieren“, erzählt Bayush von ihren Zukunftsplänen.

 

projekte-einkommen-merhabete-bayush_MG_5616

 

Bei all den persönlichen Erfolgserlebnissen, die Bayush mit der Arbeit als Näherin erlebt hat, ragt aber eines ganz besonders hervor. All ihren Kindern konnte die tatkräftige Frau eine Ausbildung ermöglichen, viel mehr noch: fast alle haben studiert und sind in ihrem Bereich erfolgreich. Man fühlt den Stolz der Mutter, wenn sie von ihrem Sohn erzählt, der es sogar zu einem Stipendium in London gebracht hat. „Ich selbst habe die Schule nur bis zur 7. Klasse besucht. Aber meine Ausbildung als Näherin ist so gut wie die von einer Universität“, umschreibt Bayush den anhaltenden Einfluss, den der Nähkurs auf sie und ihre Kinder hat.

 

Eine Erfolgsgeschichte aus Merhabete

Die Projektarbeit in Merhabete wurde Ende 2009 abgeschlossen. Anfang 2015 führte die Beratungsorganisation FAKT eine Evaluierung durch, um festzustellen, wie nachhaltig die Arbeit von Menschen für Menschen ist. Das Ergebnis der Studie gibt es hier zu lesen.

 

spenden-shop-einkommen-mikrokredit-schulung-familie-afrika-armut

Mikrokredit und Schulung

Unser Kleinkreditprogramm stellt Frauen ein Startkapital zur Verfügung und vermittelt wirtschaftliche Grundlagen. Mit einer Spende von 190 Euro gewährleisten Sie einen guten Start ins Geschäftsleben und eine bessere Zukunft!

Ich will spenden!