Kleinkredite: Nachhaltiger Anstoß statt Allheilmittel

Kleinkredite sind Förderprogramme für Kleinunternehmerinnen und verbessern die Lebensumstände wesentlich.

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Bildnachweis: Menschen für Menschen/Terhas Berhe
 
Wien, 25.04.2019 – Als sie 12 Jahre alt war, wurde Wubayehu verheiratet. Das erste von sechs Kindern folgte kurz darauf. Eigentlich war Wubayehus Schicksal schon geschrieben. „Die Zeichen standen nicht sehr gut“, erzählt die heute 40-Jährige. Doch das Blatt wendete sich mit einem Kleinkredit von Menschen für Menschen, den Wubayehu vor rund 20 Jahren erhielt. Damit schuf sie das Fundament für den eigenen Erfolg und den ihrer Kinder: Ihrem Sohn konnte sie eine gute Ausbildung ermöglichen. Er betreibt heute eine Apotheke und eine kleine Klinik in der Nähe seines Heimatdorfs.

 

Wie ein Kleinkredit bei Menschen für Menschen funktioniert

Es sind Geschichten wie jene von Wubayehu, die in den Projektregionen der Organisation Menschen für Menschen von zahlreichen Frauen mit großem Stolz erzählt werden. Über 28.000 Frauen erhielten bisher einen Kleinkredit von der Organisation – die erweiterten Kreditvergaben nicht eingerechnet. Menschen für Menschen gibt den ersten Anstoß und unterstützt Kleinkreditgruppen mit der Vergabe der ersten Kleinkredite sowie mit Schulungen in Buchführung und bei der Erstellung eines Geschäftsplans. „Nach der Vergabe der ersten Kleinkredite arbeiten die Gruppen selbstständig weiter“, erklärt Rupert Weber, Vorstandsvorsitzender von Menschen für Menschen in Österreich. „Die Frauen gründen einen offiziell eingetragenen Kreditverein in ihrem Ort und eröffnen ein Sparkonto. Die Rückzahlungen der Kredite erfolgt auf dieses Sparkonto. Über die weiteren Kreditvergaben entscheidet der Kreditverein selbst: Ob an jemandem innerhalb des bestehenden Kreditvereins ein weiterer Kredit vergeben wird oder ob neue Mitglieder aufgenommen werden. Auf diese Weise profitieren viele weitere Frauen von der ursprünglichen Hilfe. Dass ein Kreditverein innerhalb von wenigen Jahren von beispielsweise 30 auf 100 Mitglieder anwächst, ohne unser Eingreifen, ist keine Seltenheit.“

Kleinkredite sind Förderprogramm für Kleinunternehmerinnen

Die Geschäftsmodelle sind dabei so unterschiedlich wie die Frauen selbst. Viele nutzen den Kleinkredit, um ein eigenes kleines Geschäft einzurichten, für den Handel mit Getreide oder Waren des täglichen Bedarfs, für die Aufzucht von Ziegen oder Kühen oder um ihr bestehendes Geschäft als Weberin, Friseurin oder Café-Betreiberin voranzubringen. „Es handelt sich im Grunde um ein Förderprogramm für Kleinunternehmerinnen“, so Rupert Weber, „die Frauen haben in ihrem Geschäft Erfahrung und brauchen eigentlich nur Zugang zu einem kleinen, erschwinglichen Kredit sowie zu Basiswissen über Geschäftsplanung.“

Für nachhaltige Erfolge braucht es ein Gesamtkonzept

Die Wissensvermittlung ist auch eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren von Kleinkreditprogrammen. Sowie das Schaffen von lebensnotwendigen Grundlagen. Denn eine Frau wird erst dann mit erfolgreichen Aussichten an einem Kleinkreditprogramm teilnehmen können, wenn sie in ihrer täglichen Arbeit entlastet ist. Das bedeutet, dass beispielsweise in der Nähe der Dörfer Brunnen gebaut werden müssen, damit die Frauen nicht jeden Tag stundenlang mit Wasserholen beschäftigt sind. Oder holzsparende Ofen auszugeben, um Zeit bei der Brennmaterialbeschaffung zu sparen. „Die Vergabe von Kleinkrediten darf nicht in einem Vakuum geschehen. Jede Maßnahme muss in ein Gesamtkonzept eingebunden sein, damit sie nachhaltig ihre Wirkung entfalten kann und somit der Bevölkerung als Ganzes zugutekommt,“ erläutert Rupert Weber den Ansatz von Menschen für Menschen.

Wirkung wissenschaftlich bestätigt

Welche Wirkung das Kleinkreditprogramm von Menschen für Menschen in der 2010 abgeschlossenen Projektregion Derra erzielt hat, wurde fünf Jahre nach Abschluss der Projektarbeit durch ForscherInnen des NPO & SE Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien untersucht. Sie kamen zu folgendem Ergebnis: „Das Kleinkreditprojekt hat Wirkungen verursacht, die vor allem die Lebensumstände der Teilnehmerinnen und deren Familien wesentlich verändert haben.“ Im Detail streicht die Wirkungsanalyse eine Verbesserung in folgenden Bereichen hervor:

  • Steigerung des Einkommens
  • Gestiegenes Selbstbewusstsein der Frauen
  • Höheres Ansehen der Frauen in der Gesellschaft
  • Besseres familiäres Zusammenleben
  • Verbesserter Zugang zu Bildung für die Kinder
  • Verbesserte Ernährungssituation
  • Anstieg der Konsum- und Investitionsausgaben
  • Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region

Die Wirkungsanalyse des Kleinkreditprojekts in der ehemaligen Projektregion Derra war Teil einer Ex-Post-Evaluierung in Zusammenarbeit mit der Organisation FAKT, bei der die langfristige Wirkung der Maßnahmen untersucht wurde und wie sich diese seit Abschluss der Projektarbeit weiterentwickelt haben. Menschen für Menschen war in den Jahren 1997-2010 in der Projektregion Derra tätig und hat dort unter anderem 228 Brunnen und Quellfassungen errichtet, 38 Schulen gebaut, 79 Baumschulen eingerichtet, knapp 20.000 holzsparende Öfen ausgegeben, rund 60.000 Frauen den Zugang zu Verhütungsmitteln ermöglicht und über 4.000 Frauen erhielten einen Kleinkredit inklusive Schulung.

Die ganze Geschichte von Wubayehu lesen Sie hier: https://www.menschenfuermenschen.at/projekt/spenden-einkommen-krankenhaus-apotheke-wubayehu/

Mehr Informationen über externe Evaluierungen der Arbeit von Menschen für Menschen in Äthiopien: www.mfm.at/transparenz

 

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Bildnachweis: Menschen für Menschen/Terhas Berhe

Wubayehu erhielt vor rund 20 Jahren einen Kleinkredit von Menschen für Menschen. Dadurch verbesserte sich ihr Einkommen, sie konnte ihrem Sohn Abiy eine gute Ausbildung ermöglichen. Er betreibt heute eine Apotheke und eine kleine Klinik in der Nähe seines Heimatdorfs.

Kontakt:
Verein Menschen für Menschen
Capistrangasse 8/10, 1060 Wien, Österreich
Martina Hollauf, E-Mail: m.hollauf@mfm.at
Tel.: +43 (0)1 58 66 950-16
Mobil: +43 (0)664 184 33 22

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