Nagaya Magazin 3/2019 – Zuhause im Glück

Das NGO-Magazin zu aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklungshilfe

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Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe

  • Besser leben – Ein stabiles Fundament für Kinder
  • Aus den Projekten – Frauen am Rande der Gesellschaft
  • Wissenswertes – Äthiopien begrüßt den Frühling

 

Zuhause im Glück

Seit kurzem kann Idanekew Gäste bei sich zuhause empfangen und ihnen sogar Kaffee anbieten. Noch vor zwei Jahren wäre das undenkbar gewesen. Die Familie lebte in einer winzigen Hütte. Zu essen gab es tagein, tagaus nur Maisbrot.

 

Äthiopische Frau serviert Kaffee für ihre Gäste
Drei Tassen Kaffee sollte man als Gast zumindest trinken. Die Kaffeezeremonie ist ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens in Äthiopien.

 

Stolz serviert Idanekew ihren Nachbarn die zweite Tasse Kaffee. Drei Tassen sollte man als Gast trinken, denn erst die dritte schließt die traditionelle Kaffeezeremonie in Äthiopien ab. Heute kann es sich Idanekew leisten, Gäste in ihrer strohbedeckten Hütte zu bewirten, während sie von ihren Plänen und Wünschen erzählt. „Ich hätte gerne ein richtiges Blechdach für unsere Hütte. Denn hier regnet es immer wieder rein“, äußert Idanekew einen bescheidenen Wunsch. Ein Wunsch, der hier weit verbreitet ist, denn der Bezirk Iresa Kono gehört zu den bedürftigsten Regionen im Tiefland Ginde Berets. Auch Idanekew lebte vor zwei Jahren noch in einer winzigen Hütte, die gerade genug Platz zum Schlafen geboten hat und Schlafzimmer, Wohnraum und Küche in einem war. Gäste hätte sie dort keine empfangen können, ganz zu schweigen davon, dass sie ihnen etwas
anbieten hätte können.

Maisbrot tagein, tagaus

Idanekew und ihr Mann arbeiteten damals auf Feldern benachbarter Bauern und mussten die Ernte teilen. „Sharecropping“ nennt sich dieses Prinzip, mit dem viele Familien in den ländlichen Regionen versuchen, über die Runden zu kommen, indem sie die Felder anderer Bauern bewirtschaften und den Ertrag mit den Eigentümern teilen. „Wir arbeiten das ganze Jahr, aber am Ende bleiben uns nur etwa 50 Kilogramm Mais über“, klagte Idanekew damals. „Wir essen jeden Tag Maisbrot mit Salz. Wir können uns nicht mal die Zutaten für Soße leisten!“ Etwa zwei Jahre war ihre einzige Tochter Habtame damals alt. „Mehr Kinder kann ich mir gar nicht leisten“, erläuterte Idanekew ihre Entscheidung, vorerst keine weiteren Kinder zu bekommen.

 

Äthiopische Frau mit ihrem Kind vor Hütte
Vor nicht allzu langer Zeit lebten Idanekew, ihr Mann und die kleine Habtame noch in einer winzigen Hütte, die gerade genug Platz zum Schlafen geboten hat und in der auch die Feuerstelle war. (Wir berichteten im Nagaya Magazin 1/2018). Heute hat die Familie mehr Platz und Idanekew träumt von einem Blechdach.

 

Wunsch-Einzelkind

Habtame ist auch zwei Jahre später noch Einzelkind – doch die Beweggründe ihrer Eltern haben sich mittlerweile geändert. Denn Idanekew möchte sich auf ihr Geschäft konzentrieren. Während sie ihren Gästen geröstetes Getreide und kleine, süße Bananen zum Kaffee reicht, erzählt sie von den Erfolgen, die sie in den vergangenen Monaten feiern konnte: „Vor sieben Monaten habe ich am Kleinkredittraining teilgenommen und einen kleinen Getreidehandel aufgebaut. Ich gehe hier in der Gegend zu den Märkten und kaufe Getreide ein. Dann miete ich einen Esel und bringe das Getreide zu den größeren Märkten im Hochland, wo ich es an Großhändler weiterverkaufe. Das Geschäft läuft gut und vor vier Monaten konnte ich damit beginnen, den Kredit zurückzuzahlen.“


Äthiopische Frau mit ihrem Kind vor Holzhütte

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Idanekews Kreditgruppe gehören fünf Frauen an und wurde speziell für Frauen wie sie ins Leben gerufen: Frauen, die über kein Land verfügen und keine Chance haben, auf andere Weise ein Einkommen zu erzielen. Früher, so erzählt Idanekew, hätten sie Hühner gezüchtet. Aber auch die gehörten eigentlich einem anderen Bauern: „Wenn von einem Huhn acht Küken kamen, dann musste ich dem Besitzer die Hälfte abgeben. Wenn von diesen acht aber drei starben, bekam der Besitzer noch immer vier der Küken und uns blieb nur noch eines. Obwohl wir alle Kosten für das Futter tragen mussten.“

Der Traum vom eigenen Esel

Diese kargen Zeiten sind nun vorbei und Idanekew plant schon die nächsten Schritte: „Irgendwann möchte ich meinen eigenen Esel besitzen, dann muss ich keinen mehr mieten. Außerdem möchte ich lieber Ziegen züchten, statt mit Getreide zu handeln. Und in Zukunft möchte ich dann statt der Ziegen Kühe und Ochsen haben.“ Die vergangenen Monate zeigen, dass Idanekew mit demselben Fleiß wie bisher diese Pläne sicher in die Tat umsetzen wird können. Denn an Einsatz fehlt es der jungen Frau nicht. „Alles begann mit einem Hauswirtschaftskurs. Ich sparte das Taggeld, das wir dafür erhielten, und kaufte eine Ziege davon. Die hat dann zwei Junge bekommen, die ich verkaufen konnte. Damals bin ich auf den Geschmack gekommen und ich möchte meine Geschäfte weiter ausbauen.“ Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Idanekew den Traum vom Blechdach erfüllen kann und ihre Gäste ihren Kaffee vor Wind und Wetter geschützt trinken werden.

Sparsames Wirtschaften

Möglicherweise wird Idanekew dann schon den Kaffee von Tujube kaufen können. Die 24-Jährige lebt mit ihrem Mann Kesi und ihren zwei Kindern zwei Bezirke weiter und präsentiert stolz ihre noch kleinen Kaffeesträucher, die im Schatten kleiner Haufen Stroh stehen. Es ist heiß und zur Mittagszeit brennt die Sonne hier im Tiefland unerbittlich vom Himmel. „Wir haben hier keine Möglichkeit zur Bewässerung“, erzählt Tujube, während sie die Blätter der Sträucher inspiziert. „Aber im Hauswirtschaftskurs haben wir gelernt, wie wir das wenige Wasser, das wir haben, am besten nutzen können. Wir fangen das Wasser, das wir zum Putzen und Waschen nutzen, auf und gießen damit unter anderem den Kaffee.“

 

Äthiopische Frau kniet bei Kaffeepflanze
Tujube sammelt Nutzwasser, um ihre Kaffeepflanzen zu gießen.

 

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Es sind kleine Veränderungen und Einfallsreichtum, die Familien wie jene von Tujube Schritt für Schritt aus der Armut führen. Als wir Tujube vor zwei Jahren kennenlernten, wurden die ersten holzsparenden Öfen in ihrer Gemeinde ausgegeben. Auch Tujube griff zu und ist nach wie vor begeistert von der Wirkung der einfachen Betonringe: „Früher musste ich zwei oder drei neue Tonplatten im Jahr kaufen. Jetzt aber nutzen wir noch immer dieselbe Tonplatte, die wir vor zwei Jahren mit dem Ofen installiert haben!“ Eine Ersparnis von bis zu 600 Birr, das etwa dem Einkommen eines Tagelöhners in zwei Wochen entspricht. Damals hatte sich Tujube im nahe gelegenen Gesundheitsposten auch ein Verhütungsstäbchen einsetzen lassen. „Zwei Kinder sind genug“, sagt sie heute nach wie vor und beobachtet mit zärtlichen Blicken ihren Sohn Dejene, wie er neugierig durchs Haus streift. Sowohl Tujube als auch ihr Mann Kesi arbeiten unermüdlich daran, ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Während Tujube Zwiebeln in rauen Mengen direkt von den Bauern kauft, um sie dann in kleineren Portionen auf den Märkten weiterzuverkaufen, sorgt ihr Mann Kesi mit der Mast von Ochsen für ein Einkommen. „Ich möchte außerdem einen Imkerkurs besuchen“, erzählt Kesi von seinen Zukunftsplänen, „wir haben nicht viel Land zur Verfügung, da ist die Bienenzucht eine gute Alternative.“

 

 

Ein Fundament zur Entwicklung

Tujube und Idanekew haben mit viel Einsatz und etwas Unterstützung eine gute Grundlage geschaffen, um ihren Kindern ein besseres Leben ermöglichen zu können. Sei es ein Ofen, der Zeit, Kosten und Feuerholz spart, ein Hauswirtschaftskurs, der neue Impulse gibt, oder auch die Möglichkeit zur Familienplanung und damit zur Selbstbestimmung: Es sind viele Maßnahmen, die ineinander greifen müssen, um langfristig Veränderungen zu bewirken. Diese Maßnahmen bilden dann auch das Fundament, auf dem weiter aufgebaut werden kann.

 

Äthiopische Frau lächelt in Kamera neben ihrem Mann und Kind
„Zwei Kinder sind genug. Im Hauswirtschaftskurs haben wir gelernt, welche Möglichkeiten der Verhütung es gibt. Aber auch, wie ich sparsam wirtschaften kann, zum Beispiel indem ich mein Nutzwasser zur Bewässerung verwende. Das hat uns Schritt für Schritt aus der Armut geführt.“

 

Tujube und Idanekew leben in der Projektregion Ginde Beret. Was hier bereits erreicht werden konnte, lesen Sie unter: www.mfm.at/projektgebiete

Glückliche Äthiopische Familie vor ihrem modernen holzsparenden Ofen

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