Nagaya Magazin 2/2015 – Entwicklung für Generationen

Das NGO-Magazin zu aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklungshilfe

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Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe

  • Menschen für Menschen: Die Menschen hinter der Organisation
  • Wege aus der Armut: Hilfe zur Selbsthilfe auch für Randgruppen
  • Äthiopien durch die Augen von Konstanze Walther, Redakteurin der Wiener Zeitung

 

Reportage – Wege aus der Armut

In Äthiopien ist in den ländlichen Regionen die Armut allgegenwärtig. Der Großteil der Menschen sind Bauern mit wenig Land, die eine große Kinderschar zu versorgen haben und oft kaum das jährliche Existenzminimum erwirtschaften. Aber es gibt auch Menschen, die es noch härter getroffen hat. Die kein Stück Land besitzen oder sogar unter einer Behinderung leiden. Sie gehören zu den Ärmsten der Armen. Daher entwickeln wir nach unserem Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe spezielle Modelle, um auch dieser Gruppe einen Weg aus der Armut und ein eigenständiges Einkommen zu ermöglichen. Auch bei der Evaluierung unserer Projektgebiete hat sich gezeigt, wie wichtig derartige Maßnahmen für die Entwicklungen in einer Region sind.

Von Alexandra Bigl · Fotografie Menschen für Menschen/Terhas Berhe

Mikrokredite für landlose Witwen

Yadashi Tajaba ist eine zierliche Frau im Dorf Hilke. Man sieht ihr an, dass sie ihr ganzes Leben schwer geschuftet hat. Sie ist vor sechs Jahren aus einer sehr armen Region hierher gezogen und hat schwierige Zeiten hinter sich. Ihr Mann ist jung gestorben, sie musste die beiden Kinder alleine großziehen. Dabei besitzt sie kein eigenes Land und hat sich als Tagelöhnerin durchgeschlagen. „Meine Kinder hatten nie genug zu essen“, erzählt sie, „ich war sehr enttäuscht vom Leben. Aber jetzt ist es zum ersten Mal anders und ich bin zuversichtlich für die Zukunft. Ich habe Tiere mit vier Füssen vor dem Haus und kann mir ordentliche Kleider kaufen. Ich fühle mich jetzt so reich wie jemand der ein Stück Land besitzt.“ Dabei lächelt sie zufrieden und in ihren Augen blitzt Freude auf. Die Veränderung im Leben von Yadashi hat begonnen, als sie die Möglichkeit bekam einen Kleinkredit aufzunehmen. Für eine Frau in ihrer Situation eine Besonderheit. Die Kleinkredite werden immer an Frauengruppen vergeben, die sich in einer sogenannten Association zusammenschließen. Die Frauen bestimmen selbst, wer Mitglied in ihrer Kreditgruppe ist. Da die Teilnehmerinnen füreinander bürgen müssen, haben landlose Frauen kaum eine Chance in eine derartige Gruppe aufgenommen zu werden. Daher wurden nun speziell Kreditgruppen für ganz arme Frauen ins Leben gerufen, die auch intensiv betreut werden. Yadashi hat ihre Chance genutzt. Sie hat mit dem Kredit einen Bullen gekauft, diesen gemästet und ihn dann gewinnbringend weiterverkauft. Darüber hinaus hat sie zusätzlich lokale Getränke hergestellt. Erst kürzlich hat sie mit der Schafzucht begonnen. „Ich frage auch immer meine Nachbarn und Freunde, was sie von meinen Geschäftsideen halten, bevor ich etwas Neues beginne. Mein Nachbar hat mir auch geholfen gute Tiere für meine Schafzucht auszusuchen“, beschreibt sie ihre Vorgangsweise und Überlegungen. Früher war sie auf Lebensmittelhilfe angewiesen, heute kann sie ihrer Tochter einen Schulbesuch ermöglichen. „Meine Nachbarn sagen, Menschen für Menschen ist nur wegen Frauen wie mir gekommen“, erzählt sie lachend, „ich versuche nun auch andere Witwen darin zu bestärken, dass sie mit Hilfe von Menschen für Menschen ihr Leben zum Positiven verändern können. Ich möchte ihnen Mut machen, da ich heute zufrieden und glücklich bin.“

 

Trotz Behinderung eigenständig leben

Die Bifdu Behindertenorganisation ist im Hauptort Kachisi beheimatet und besteht aus 36 Mitgliedern. Alle haben die unterschiedlichsten Schicksalsschläge oder Krankheitsgeschichten hinter sich. Manche haben einen Körperteil verloren oder sind eingeschränkt bewegungsfähig. Einige von ihnen können sich nur auf ihren Händen fortbewegen. Heute ist ein besonderer Tag für sie. Alle Mitglieder haben sich beim Projektbüro von Menschen für Menschen versammelt. Es wird aufgeregt getratscht und gelacht. Auch die Vertreterin der lokalen Behörde für Arbeit und Soziales, Gradis Ayena, ist gekommen. Sie ist festlich gekleidet und man spürt, dass ihr der heutige Tag etwas bedeutet „Ich freue mich sehr über den heutigen Tag, da es mir persönlich ein großes Anliegen ist, die Mitglieder der Bifdu Organisation zu unterstützen und auf dem Weg in die Unabhängigkeit zu begleiten. Diese Menschen sind Teil der Gesellschaft, was in unserer Region leider noch immer nicht selbstverständlich ist.“ Heute erfolgt die Übergabe eines Zuchtstieres, der seinen offiziellen Dienst bereits absolviert hat. Das Tier steht bereit und schaut neugierig in Richtung seiner neuen Besitzer, die freudig darauf warten diesen in Empfang zu nehmen. Die Mitglieder der Behindertenorganisation werden den Stier auf ihrem kleinen Grundstück, das ihnen vom Staat zur Verfügung gestellt worden ist, noch einige Monate mit Gras füttern um ihn später mit Gewinn zu verkaufen. Er wird ca. 10.000 Birr einbringen, also umgerechnet etwa 445,– Euro: Ein kleines Vermögen für die Mitglieder der Behindertenorganisation. Ihr Sprecher Tolesa Lama nimmt den Stier stolz entgegen und die Freude ist ihm ins Gesicht geschrieben: „Der Stier ist für uns der erste Schritt, um endlich eigenständig und selbst erwerbstätig zu werden. Jedes einzelne Mitglied unserer Organisation ist hoch motiviert und freut sich darauf, seinen Beitrag zu leisten, um künftig unabhängig von Almosen zu sein.“ Die Mitglieder möchten mit dem Verdienst vom Verkauf des Bullen Schafe für eine Schafzucht kaufen. Aber auch Gemüseanbau schwebt ihnen vor. Dafür wird künftig Wasser zur richtigen Bewässerung auf das Grundstück geleitet. Außerdem erhält die Behindertenorganisation Küken von Menschen für Menschen, um eine kleine Hühnerzucht aufzubauen. „Es ist wichtig, dass diese Menschen selbstständig ein Einkommen erwirtschaften können“, erklärt uns Projektleiter Berhanu Bedassa, „denn wenn wir das Projektgebiet verlassen, müssen auch sie selbstständig ein Einkommen generieren können. Wenn wir sie nur finanziell unterstützen würden, wären sie von unserer Hilfe abhängig und nach Abschluss unserer Arbeit in der Region noch viel schlechter gestellt als jetzt. So aber begleiten wir sie auf ihrem Weg in eine eigenständige Zukunft.“

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