Corona-Tagebuch 26.03.2020: Die Folgen für die äthiopische Wirtschaft

An dieser Stelle berichtet unser Kollege Henning Neuhaus regelmäßig über die Lage in Addis Abeba sowie unseren Projektgebieten und beschreibt, wie sich der Alltag in Äthiopien aufgrund des Virus verändert.
Henning Neuhaus, der zusammen mit Muluneh Tolesa für die PR-Arbeit von
Menschen für Menschen in Äthiopien zuständig ist, lebt seit 2018 in Addis Abeba und ist dort einer von nur drei nicht-äthiopischen Mitarbeitern im Project Coordination Office (PCO). Der Großteil der MitarbeiterInnen des Büros in Addis Abeba arbeitet mittlerweile aus dem Homeoffice.


Die Folgen für die äthiopische Wirtschaft

Weltweit wird in den Ländern, die stark vom Coronavirus betroffen sind, darüber gerätselt und geforscht, welche langfristigen wirtschaftlichen Folgen die Pandemie haben wird. Diese Sorge beschäftigt zunehmend auch Äthiopien, denn auch hier steuert man gerade schrittweise immer mehr auf einen Lockdown zu. Durch zahlreiche Crowdfunding-Kampagnen auf verschiedenen sozialen Plattformen sehen wir, dass es ziemlich schnell gehen kann, bis ein Unternehmen selbst in Europa von den Auswirkungen des Virus in die Knie gezwungen wird.
 

Eine äthiopische Frau steht in einem Geschäft für Bürobedarf
Meine Freundin Maggi betreibt mit ihren Geschwistern einen Großhandel für Bürobedarf. Aufträge gibt es derzeit allerdings keine mehr.

 

Geschäfte schließen auch hier

Die Ersten die es hier in Äthiopien traf, waren vergangene Woche die Nachtclubs und Bars, die auf Anordnung der Regierung sofort schließen mussten. Einige Restaurants, so wie meine Lieblingspizzeria, arbeiten nur noch im Lieferdienst oder als Selbstabholer. Es sind aber nicht nur die Gastronomiebetriebe hier in Addis, die die Folgen von COVID-19 aktuell zu spüren bekommen. Meine Freundin Maggi beispielsweise betreibt mit ihren Geschwistern einen Großhandel für Bürobedarf. Zu ihren Kunden zählen vor allem Regierungsbüros und NGOs, die der kleine Betrieb mit Büroartikeln versorgt. Da seit gestern alle Regierungsbüros und Ministerien so gut wie geschlossen sind bzw. sich die MitarbeiterInnen im Homeoffice befinden, kommen keine neuen Aufträge mehr rein.
 

Ein leerer Gehweg vor einem Geschäftslokal in Addis Abeba
Wo früher reges Treiben herrschte, sind die Straßen nun wie leergefegt.

 

Straßen wie leergefegt

„Seit Anfang der Woche tut sich gar nichts mehr. Es klingelt weder das Telefon, noch kommt jemand vorbei um eine Großbestellung in Auftrag zu geben“, erzählt mir Maggi. Sie schickt mir ein Foto von der Straße, wo ihr Geschäft ist. Diese Gegend ist normalerweise der zentrale Ort in Addis, wo sich jedes Unternehmen bei den Händlern und Händlerinnen wie Maggi mit Büroartikeln, Computern oder sonstigen technischen Geräten ausstattet. Die Straße ist wie leergefegt. Maggi berichtet weiter, dass sie nächste Woche das Geschäft weitgehend runterfahren werden. Ein bis zwei Mitarbeiter werden da sein, falls doch noch Kundschaft kommen sollte. Ich frage sie, wie lange sie das als kleines Unternehmen ohne große Aufträge durchhalten können: „Wir haben genügend Kapital um uns für etwa zwei Monate über Wasser zu halten. Danach wird es auch für uns kritisch.“

Kaum Rücklagen vorhanden

Maggi erzählt, dass sie aber auch von anderen Geschäften gehört hat, die kaum Rücklagen haben und denen jetzt schon, nach knapp zwei Wochen, das Wasser bis zum Hals steht.
Es sind aber nicht nur die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die durch diese Krise bereits in ihrer Existenz bedroht sind. Auch die größte Airline Afrikas, Ethiopian Airlines – immerhin ein Mitglied der Star Alliance – musste bereits ihren Flugplan um 30 Destinationen kürzen. Fast 14.000 Mitarbeiter arbeiten für diese Fluglinie und sie ist noch vor dem Kaffeeexport für Äthiopien die wichtigste Quelle für dringend benötigte Devisen. Fallen diese Devisen weg, wird es für Äthiopien noch schwieriger Waren aus dem Ausland zu importieren.

Diese Eindrücke lassen für ein schon vor COVID-19 wirtschaftlich schwaches Land wie Äthiopien nichts Gutes verheißen. Es wird wohl für die Regierung hier kaum möglich sein einen Rettungsschirm aufzuspannen, wie wir es in Deutschland für bedrohte Existenzen planen. Daher könnten die wirtschaftlichen Folgen für Äthiopien weitaus verheerender sein, als der Virus an sich.

Henning Neuhaus, Menschen für Menschen, aus Addis Abeba

Herzchen aus zwei unterschiedlich farbigen Händen geformt

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