Ein wichtiger Teil der Arbeit von Menschen für Menschen ist die Aufklärung: Einheimische Mitarbeiter fahren in die entlegensten Dörfer und unterrichten die Bauern und Bäuerinnen in Gesundheitsvorsorge und dem Vermeiden schädlicher Traditionen. Als eine begleitende Maßnahme lässt die Äthiopienhilfe Tafeln mit Botschaften an Landstraßen und Dorfplätzen aufstellen, die von einheimischen Malern hergestellt werden.

Einer von ihnen ist Melaku Dessalei. Der 30-jährige Künstler aus Illubabor erzählt: "Meine Bilder sollen die Betrachter dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern. Je emotionaler meine Darstellungen, desto besser: Es reicht nicht, Ratschläge nur in Worte zu kleiden. Botschaften brauchen starke Bilder! Zum Beispiel zeige ich, wie Mädchen leiden, die beschnitten werden. Wer mein Bild sieht, versteht die Botschaft: Hört auf mit dieser schädlichen Tradition! Ich kann sagen: Meine Arbeit ist wichtig. Und das stimmt mich froh."

Kinder schützen
Laut den Millenniumszielen der Vereinten Nationen soll die Kindersterblichkeit bis zum Jahr 2015 - im Vergleich zum Jahr 1990 - um zwei Drittel reduziert werden. Menschen für Menschen arbeitet an diesem Ziel auf vielfältige Weise mit. Immer noch sterben in Äthiopien viele Kinder durch die Masern. Daher führen wir zahlreiche Impfkampagnen durch. Dieses Schild erinnert die Mütter im Projektgebiet Derra daran, ihre Kinder durch eine Impfung zu schützen.

Schwere Geburt
Manche Tafeln wenden sich gegen schädliche Praktiken in der Geburtshilfe. So sagt der Slogan auf dieser Tafel: "Schüttelt die Frau nicht, wenn sie geboren hat!" Unter traditionellen Geburtshelferinnen, gewöhnlich einfache Bauersfrauen aus der Nachbarschaft, gibt es nämlich den Glauben, die Plazenta löse sich nach der Geburt leichter, wenn sie die Mutter hochheben und schütteln – eine Praxis, die jedoch zu starken Blutungen und zum Tod der Mutter führen kann.

Familien brauchen Planung
Im Durchschnitt bekommt jede Äthiopierin fünf bis sechs Babys. Durch die vielen Geburten wird die Gesundheit der Mütter angegriffen. In Kampagnen zur Familienplanung vermittelt Menschen für Menschen, dass es Familien mit weniger Kindern ökonomisch in der Regel besser geht. Mit großem Erfolg: In den Projektgebieten nehmen zahlreiche Frauen Verhütungsmittel, die ebenfalls von der Äthiopienhilfe angeboten werden, so dass es dort nicht mehr zu ungewollten Schwangerschaften kommt.

Kampf gegen Frühehen
Viele Mädchen werden von ihren Eltern der Tradition gemäß bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren in frühe Ehen gezwungen. Ihre Körper sind häufig noch nicht bereit für eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes. Als junge Ehefrauen müssen sie die Schule verlassen und verlieren so die einzige Chance, ihrer Armut zu entfliehen. Dieses Schild an einer Wasserstelle (der Stacheldrahtzaun verhindert das Eindringen des Viehs) verkündet: "Ich bin ein junges Mädchen und möchte lieber spielen und lernen als verheiratet sein!"

Grausame Tradition
Die Tafeln zu den Mädchenbeschneidungen sind für viele Betrachter kaum erträglich: Während eine Beschneiderin sich an der Scheide des Kindes zu schaffen macht, leiden auch die Mütter. Menschen für Menschen drängt die grausame Tradition in seinen Projektgebieten durch Aufklärungskampagnen erfolgreich zurück. Der Slogan auf diesem Schild fordert: "Mädchenbeschneidung verursacht verschiedene Arten von Gesundheitsproblemen. Durch sie wird HIV/AIDS leicht übertragen. Deshalb hört damit auf!"

Gegen das Schweigen
Jeder 50. Mensch in Äthiopien ist HIV-positiv. Dass es nicht noch mehr sind, ist Aufklärungskampagnen zu verdanken, wie sie auch Menschen für Menschen durchführt. Lange war die Krankheit stigmatisiert und tabuisiert. Dagegen wendet sich dieses Schild, der Slogan lautet: "Über AIDS zu schweigen ist gefährlich."

Lehrer klären auf
Gerade weil bis vor einigen Jahren niemand über AIDS sprechen wollte, waren die Tafeln auf den Dorfplätzen ein wichtiges Instrument, das Tabu zu brechen. Auf diesem Schild sind Figuren zu sehen, die an Lehrer erinnern, ein hoch geachteter Berufsstand im ländlichen Äthiopien. Sie verkünden: "AIDS tötet Menschen. Weil das Virus die natürlichen Abwehrkräfte schwächt, setzt es die Menschen vielen verschiedenen Krankheiten aus."

Schüler tragen die Botschaft weiter
Die Schilder werden vor allem auch an belebten Straßen aufgestellt. Dieses Schild steht an einem Zufahrtsweg zu einer weiterführenden Schule in Mettu im Projektgebiet Illubabor und wird täglich von vielen hundert Schülern passiert. Sie sollen die Botschaft nach Hause in ihre Familien tragen. Der Slogan fordert: "Es ist wichtig, dass ihr offen über HIV/Aids sprecht."

Die Augen öffnen
Paare, die eine Beziehung eingehen, sollen sich auf ihren HIV-Status testen lassen. Alles andere ist ein Spaziergang am Abgrund mit verbundenen Augen: "Bescheid zu wissen, zeugt von Weisheit und Reife", lautet der Slogan auf dem Schild.