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Die Lehrplätze im Agro-Technischen und Technologie College (ATTC) von Menschen für Menschen sind heiß begehrt, denn den Absolventen bietet sich ein sicherer Weg in ein Leben ohne Hunger. Hier erlernen die Auszubildenden einen Beruf nach deutschem Lehrplan.

Das ATTC in Harar im Osten Äthiopiens, an dem nur Kinder besonders armer Familien einen Ausbildungsplatz erhalten, ist ein Schlüsselprojekt für Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe. Seit über einem Jahrzehnt wurden hier 796 junge Leute in den Bereichen Kfz-Mechanik, Elektrik und Metallverarbeitung ausgebildet. Außerdem erhalten von der Regierung angestellte Agrarberater hier dreimonatige Fortbildungen. Die Kosten für Lehrer, Unterkunft, Lehrmaterial und Verpflegung der Studenten zahlen sich aus: 98 Prozent der Absolventen in den Lehrberufen haben bereits am Tag ihres Abschlusses einen Arbeitgeber gefunden. Die staatliche Luftfahrtgesellschaft Ethiopian Airlines holt besonders viele ATTC-Fachkräfte als Bodenpersonal auf den nahen Provinzflughafen und in die Hauptstadt Addis Abeba. „Die Agrar-Berater dagegen tragen ihr Wissen in die Dörfer und vervielfachen es dort zum Wohle der ganzen Gemeinde“, erklärt Stefanos Wolde Mariam, der Administrator des College.
„Die Lehrpläne der technischen Ausbildungsberufe orientieren sich an denen in Deutschland“, sagt Klaus-Dieter Feser, Ingenieur und Ausbildungsleiter bei den ATTC-Metalltechnikern. Monatelang stehen die Lehrlinge im ersten Jahr an Werkbänken, um Übungsstücke auf Hundertstelmillimeter genau zu feilen. Im zweiten Lehrjahr arbeiten sie an modernen Drehbänken, Schleifmaschinen und Hobeln mit deutschen Aufschriften – meist Firmenspenden. „Der nächste Schritt sind computergesteuerte Maschinen“, sagt der Ausbildungsleiter optimistisch.
Manchmal üben sich die Lehrlinge, indem sie Geräte und Maschinen für die einzelnen Entwicklungsprojekte entwerfen und reparieren. So trifft Karlheinz Böhm „zwei Vögel mit einem Stein“, wie ein äthiopisches Sprichwort es ausdrückt. Etwa, wenn die Lehrlinge Dreschmaschinen für Hirse, angetrieben von einem kleinen Dieselmotor, herstellen. Oder wenn die ATTC-Auszubildenden Wasserpumpen von Dorfbrunnen reparieren.
Mitte Dezember 2004 besuchte der deutsche Bundespräsident mit seiner Frau die Ausbildungseinrichtung. Im Gästebuch findet sich dieser Eintrag: „Die Menschlichkeit der Welt entscheidet sich am Schicksal Afrikas. Karlheinz und Almaz Böhm geben uns Hoffnung und Ermutigung. Wir danken dafür. Eva und Horst Köhler.“ Ein Titel steht nicht hinter dem Namen, gerade so, als hätte der Bundespräsident während seines Besuchs ausdrücken wollen: Es kommt nicht auf Amt und Würden an, sondern auf das, was der Einzelne tut.
 
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