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Das Christentum kam im 4. Jahrhundert zur Zeit der aksumitischen Dynastie unter dem Patriarchat von Alexandria nach Äthiopien. Damit war Äthiopien eines der ersten Länder, die das Christentum als Staatsreligion annahmen und eines der ersten, die das Symbol des Kreuzes auf ihre Münzen prägten.

Kreuze wurden von Beginn der Einführung des Christentums bis heute in Äthiopien hergestellt. Der Formenreichtum äthiopischer Kreuze ist einmalig. Zu unterscheiden sind dabei die Typen der Prozessionskreuze, Handkreuze, Benediktionskreuze, Hängekreuze sowie Halskreuze. Es finden sich sogar bis heute bei Frauen in den sehr ländlichen, abgelegenen Gebieten des überwiegend christlich geprägten Hochlandes auf der Stirn eintätowierte Kreuze.

Prozessionskreuz in Mida (Äthiopisches Hochland)

Handkreuz in Mida (Äthiopisches Hochland)

Mädchen mit Halskreuz aus Nickel in Mida (Äthiopisches Hochland)

Mädchen mit Stirntattoo in Mida (Äthiopisches Hochland)

Kreuztypen wurden sehr lange beibehalten, was heute die zeitliche Einordnung erschwert. Jedoch variierten im Lauf der Zeit die für die Herstellung benutzten Materialien. Bis Mitte des 15 Jahrhundert waren es Eisen, Kupfer und Bronze. Danach verdrängte Messing die Bronze und bis zu einem gewissen Grad auch das Kupfer. Daneben gab es immer Kreuze aus Holz wie dieses Handkreuz in Merhabete im äthiopischen Hochland

oder auch aus Stein. Nach der Öffnung des Suezkanals 1869 wurde zunehmend vor allem für Halskreuze Silber verwendet, das aus den verstärkt ins Land gebrachten Maria-Theresien-Talern gewonnen wurde. Gold erscheint fast ausschließlich als Vergoldung auf anderen Metallen seit dem 15. Jahrhundert.

Herstellung

Das wichtigste Herstellungsverfahren ist das Wachsausschmelzverfahren („lost form“) bei dem das Kreuz aus Wachs geformt wird. Diese Wachsform wird in Ton eingebettet und erhitzt. Dabei geht die ursprüngliche Wachsform verloren. In den so entstandenen Hohlraum wird das Metall gegossen. Da die Form zerbrochen werden muss, um das fertige Produkt zu erhalten, ist jedes Kreuz einmalig.

Die Macht der Kreuze

Kreuzen wird in Äthiopien Schutz- und Heilkraft zugesprochen. Auch spielen sie bei zahlreichen Festen wie vor allem dem Maskalfest eine wesentliche Rolle. Bei  Einweihungsfeierlichkeiten im christlich geprägten äthiopischen Hochland ist die Geistlichkeit immer zugegen wie z.B. hier bei der Einweihung einer von Menschen für Menschen errichteten Schule im Distrikt Derra.  Und natürlich spielen die Kreuze eine zentrale Rolle.

Das Verhüllen von Kreuzen hat eine lange Tradition in Äthiopien. Handkreuze haben eine Öffnungen oder einen Ring, durch den ein Tuch gezogen wird. Auch in Prozessionskreuze wird oftmals ein Tuch eingehängt.  Mit diesen Tüchern wird das Kreuz verhüllt, wenn es nicht verwendet wird.

Prozessionskreuze entwickelten sich gleichzeitig mit den Hand- und Beneditionskreuzen und sind wesentlicher Bestandteil des Kirchenrituals.
Könige und Adelige stifteten oft Prozessionskreuze als Votivgaben an bestimmte Kirchen.
Eine besondere Variante stellen die sogenannten Lalibela-Kreuze dar.
Die Herstellung von Prozessionskreuzen war im 16. Jahrhundert rückläufig, wurde aber unter der Herrschaft der Könige von Gondar im 17. ind 18. Jahrhundert wieder belebt.

Aus dem 16. Jahrhundert ist überliefert, dass alle Priester, Mönche und Personen von hohem Adel Handkreuze bei sich trugen, wenn sie unterwegs waren. Bis heute zu trägt jeder Priester ein Handkreuz mit sich, das Menschen, die ihm begegnen, ehrfürchtig küssen.
Benediktionskreuze sind den Handkreuzen sehr ähnlich, jedoch sind sie etwas größer und haben einen verlängerten Griff. Sie unterscheiden sich von diesen in ihrer Verwendung. Benediktionskreuze werden in der Lithurgie verwendet und häufig von Priestern als Votivgabe gegeben.

Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert belegen den Gebrauch von den byzantinischen Brustkreuzen ähnelden Hängekreuzen.

Abbildung aus "Das christliche Äthiopien", Herausgeber Walter Raunig. Verlag Schnell+Steiner

Diese Form von Kreuzen wurde von einfachen Laien getragen und war oftmals aus Holz und wurde mit seinem Besitzer zu Grabe getragen. Es sind aber auch Halskreuze aus Bronze und Kupfer aus dem 16. Jahrhundert und vermutlich noch älteren Datums erhalten.
Nachdem im 19. Jahrhundert große Mengen von Maria-Theresien-Taler ins Land kamen, nahm die Herstellung von silbernen bzw. meist versilberten Halskreuzen stark zu. Zu einer Blüte bei der Herstellung von Silberkreuzen kam es im 20. Jahrhundert. Halskreuze werden vor allem von Frauen und Mädchen getragen. Die Kreuze für Unverheiratete und Verheiratete variieren.
Eine besonders interessante Variante sind Halskreuze, die sowohl religiösem als auch profanem Gebrauch dienen. Sie besitzen ein Stabende, das zum Reinigen der Ohren benutzt wurde.

Abbildung aus "Das christliche Äthiopien", Herausgeber Walter Raunig. Verlag Schnell+Steiner

Seit 330  wurden Münzen geprägt, die auf der Vorderseite den Herrscher, auf der Rückseite das Kreuz darstellten. Damit hatte Äthiopien die erste durchgängige Münzprägung mit Kreuzsymbol. In römischer Zeit fanden Münzprägungen mit Kreuz statt, aber nicht durchgängig.

In aksumitischer Zeit wurden unzählige Kirchen und Klöster gebaut. Viele von ihnen waren Gründungen der so genannten „9 Heiligen“, Mönchen, die um das 6. Jahrhundert aus Syrien nach Äthiopien kamen. Die neun Endungen des typischen Axum-Kreuzes symbolisieren diese neun Heiligen.

Bei der  typischen Lalibela-Variante wird  ein Kreuz von einem Oval umgeben, an dessen Rändern Schleifen herunter laufen, die nach lokaler Interpretation die 12 Apostel symbolisieren. Am unteren Kreuzende finden sich stilisierte Delfine. Für die frühen Christen stand der Delfin als Symbol für ihren Glauben und für Christus. In der koptischen Tradition erhielt sich diese Symbolik. Das Lalibela-Kreuz weist eine große Nähe zu koptischen Traditionen auf.

Abbildung aus "Das christliche Äthiopien", Herausgeber Walter Raunig. Verlag Schnell+Steiner

Die Besonderheit der Kreuze von Gondar besteht vor allem in den reichlich eingeritzten Darstellungen von Figuren und Szenen. Die Herstellung von Holzkreuzen erlebte in der Gondar-Zeit eine Blüte.

Abbildung aus "Das christliche Äthiopien", Herausgeber Walter Raunig. Verlag Schnell+Steiner

Es gab zu jeder Zeit und an jedem Ort immer mehrere Kreuztypen.


Hauptquelle:
"Das christliche Äthiopien", Herausgeber Walter Raunig. Verlag Schnell+Steiner

 
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